Ein Spaziergang durch die Geschichte Istanbuls

By | 31. August 2017

Mit 2 Stunden Verspätung startet der Flieger in Kathmandu Richtung Istanbul. Der Flug ist ok, aber natürlich kann ich wie immer nicht schlafen. Durch die Verspätung, die Zeitverschiebung und mit Gegenwind komme ich gegen 22:30 Uhr in Istanbul an. Hier hätte ich einen etwa 14-stündigen Zwischenstopp haben können – wäre ich planmäßig gegen 18 Uhr am Atatürk Flughafen gewesen und hätte dort bis ungefähr 8 Uhr am nächsten Morgen auf den Flug nach Hause gewartet.

Anstatt eine Nacht auf dem Flughafen zu sitzen, habe ich mich aber für einen längeren Aufenthalt entschieden, um mir die Stadt anzusehen. Hundemüde stolpere ich zum Gepäckband und dann dem zweitbesten Limousinenfahrer in die Arme. Eigentlich wollte ich ja mit dem Zug in die Altstadt fahren, aber um die Uhrzeit und total fertig bekomme ich das heute nicht mehr auf die Reihe. Für die Fahrt im Mercedes zum Hostel und übermorgen wieder zurück zum Flughafen zahle ich akzeptable 18 EUR.

Meine Unterkunft für die nächsten beiden Nächte ist das Orient Hostel im Stadtteil Eminönü. Ich habe mich für dieses Hostel entschieden, weil es mit 15 EUR pro Nacht inkl. Frühstück sehr günstig ist und außerdem genau in der Altstadt liegt. Mit dem Auto sind es nur ein paar Minuten Fahrt in den ältesten Teil der ehemaligen Stadt Byzanz, die ungefähr 660 v. Chr. gegründet wurde. Viel von der alten Pracht sehe ich allerdings in der Dunkelheit nicht. Nur rein ins Hostel und schnell einchecken. Irgendwas mit meinem Dorm Room hat nicht geklappt, daher bekomme ich ein Privatzimmer für den selben Preis. Ich schaffe es gerade noch mein Bett zu beziehen, bevor ich fix und fertig wegknacke…

Kurze Geschichtsstunde

Bei einer Stadt mit einer so unglaublich reichen Geschichte bleibt eine kleine Geschichtsstunde nunmal nicht aus. Ich möchte aber auch nicht übertreiben und kenne die meisten Fakten auch nur über Wikipedia:

  • 660 v. Chr. Gründung durch Griechische Kolonisten aus Korinth unter dem Namen Byzantion
  • 660 v. Chr. – 478 v. Chr. Belagerung durch die Perser
  • 69 n. Chr. Eingliederung ins Römische Reich
  • 330 n. Chr. Der römische Kaiser Konstantin der Große macht die Stadt zu seiner Residenz, sie wird in Constantinopolis umbenannt
  • 1453 erobern die Osmanen unter Mehmed II. Konstantinopel
  • 1520 – 1566 ist das Osmanische Reich und seine Hauptstadt Istanbul auf dem Höhepunkt seiner Macht
  • 1915 Schlacht von Gallipoli
  • 1923 Mustafa Kemal Atatürk begründet die Republik Türkei
  • 1994 wird Recep Tayyip Erdogan Bürgermeister von Istanbul

Istanbul

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen laufe ich schnell zum Springbrunnen bei der Blauen Moschee. Mein Handy hat sich scheinbar nicht automatisch auf die türkische Uhrzeit umgestellt, zum Glück merke ich es aber noch rechtzeitig. Und zum Glück ist die Moschee nur 3 Minuten entfernt, so schaffe ich es noch zur Guided Walking Tour. Allerdings bin ich der einzige, der aufgetaucht ist, daher sagt der Guide die Tour spontan ab, weil es sich für ihn nicht lohnen würde. Sehr schade, aber naja, war halt auf Trinkgeldbasis.

Es ist kühl, grau und windig und die Wolken versprechen für später noch Regen. Ich bin zum ersten Mal in der Türkei und hatte mir beim Wetter genau das Gegenteil vorgestellt bzw. erhofft, nachdem die letzten Tage auf meiner Reise in Nepal so fies kalt waren. Aber es ist nunmal erst der 2. März, da darf man keine 20 Grad erwarten 🙂 Außerdem hat die Jahreszeit noch einen Vorteil – weniger Touristen! Ich stehe auf dem Platz zwischen der Blauen Moschee und der Hagia Sophia, und es sind keine 50 Leute hier.

Blaue Moschee Istanbul

Vom Springbrunnen aus ist die Sicht auf die Blaue Moschee atemberaubend. Sie wird aber immer besser, je näher ich ran komme. Und gleichzeitig auch immer schwieriger zu fotografieren, weil sie so groß ist. Der Eintritt ist übrigens kostenlos.

Blaue Moschee Istanbul

Die Sultan Ahmet Moschee wurde 1609 von Sultan Ahmet I. in Auftrag gegeben und 1616 fertiggestellt. Bis zu 10.000 Menschen fasst Istanbuls Hauptmoschee, die an ihren 6 Minaretten zu erkennen ist. Nur die Moscheen in Medina und Mekka haben mehr Minarette. „Blaue Moschee“ wird sie wegen ihres Reichtums an blau-weißen Fliesen genannt, die die 43 Meter hohe Kuppel zieren. Die vielen kleinen Details und das Licht durch die Kronleuchter und die Buntglasfenster gefallen mir besonders gut.

Blaue Moschee Istanbul

Blaue Moschee Istanbul

Nach dem Besuch der Blauen Moschee fängt mich am Ausgang ein junger Mann ab und macht mir das Angebot, mir die Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Skeptisch, weil ich die Masche schon aus Kathmandu kenne, lehne ich ab und mache mich auf den Weg zum Hostel, um mir meine Regenjacke zu holen. Der Mann weicht nicht von meiner Seite und meint, wir haben den selben Weg. Tatsächlich schafft er es, mich zu einem Tee in seinen Laden zu locken, der um die Ecke vom Hostel liegt. Bei dem Wetter kann ein warmer Tee ja nicht schaden, denke ich mir. Am Ende lehne ich jeden Teppich ab, der mir angeboten wird und nehme lediglich das Getränk an. Etwas beleidigt, weil ich nichts kaufen wollte, werfen der Mann und die 5 anderen Verkäufer mir böse Blicke zu, als ich mich entschuldige und schnell abhaue 🙂

Im Hostel nutze ich noch das WiFi, um mich mit einem Freund zu verabreden, der in Istanbul lebt. Dann schnappe ich mir meine Jacke und gehe in 4 Minuten rüber zur Hagia Sophia. Die Eintrittskarte (8 EUR) hatte ich vorhin schon von dem Guide gekauft, der die Tour abgesagt hatte. So muss ich mich nicht in die Schlange dutzender Schulkinder einreihen, die anscheinend gerade einen Ausflug machen.

Hagia Sophia Istanbul

Hagia Sophia Istanbul

Schon im Innenhof gibt es einiges zu sehen. Das Gebäude selbst ist zwar sehr schön, für mich aber nicht so eindrucksvoll wie die Blaue Moschee. Vor dem Eingang, in einer Ausgrabung, findet sich ein großartig gearbeiteter Sarkophag eines längst vergangenen Herrschers. Auch das Mosaik über dem Eingang zeugt von großer Handwerkskunst. Es stammt aus dem 11. Jahrhundert und zeigt Maria mit dem Jesuskind, Kaiser Justinian und Kaiser Konstantin.

Hagia Sophia Istanbul

Hagia Sophia Istanbul

Im 6. Jahrhundert wurde die Hagia Sophia von Kaiser Justinian I. in Auftrag gegeben. Ab dem Jahr 641 n. Chr. diente sie als Kröungskirche der byzantischen Kaiser, Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und Kathedrale von Konstantinopel. Bis zum Bau der Kathedrale von Sevilla (Bauzeit 1401-1519) war die Hagia Sophia das größte Gotteshaus der Welt. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen wurden alle christlichen Symbole zerstört, entfernt oder durch Putz verdeckt und die ehemalige Kirche wurde zur Moschee. 1935 wandelte Mustafa Kemal Atatürk die Hagia Sophia in ein Museum um, welches jährlich von etwa 3,5 Mio. Menschen besucht wird. Zum Vergleich: Der Kölner Dom hat 6 Mio. jährliche Besucher. Und wie auch am Dom wird an der Hagia Sophia ständig gearbeitet, um all die Pracht zu erhalten.

Hagia Sophia Istanbul

Auch die einzelnen Mosaike sind wundervoll anzusehen und zum Glück teilweise gut erhalten oder restauriert. Ein ganz besonderes hat allerdings sehr gelitten. Das sogenannte Deësis-Mosaik aus dem 12. Jahrhundert, welches Jesus Christus mit Maria und Johannes dem Täufer zeigt.

Hagia Sophia Mosaik Istanbul

Weitere christliche Mosaike aus dem 10. Jahrhundert zeigen Jesus mit Kaiser Konstantin IX. Monomachos und Kaiserin Zoe. Ein anderes zeigt Mutter Maria mit Jesus auf dem Schoß.

Hagia Sophia Mosaik Istanbul

Hagia Sophia Mosaik Istanbul

Aber nicht nur die christlichen Werke sind toll. Auch die vielen muslimischen Details und Bauten, wie die 4 Minarette außerhalb sind wunderschön. Besonders gefallen mir die hölzernen, goldfarbenen Rundschilde mit den Namen von Allah, dem Propheten Muhammad und einiger Kalifen, allesamt in arabischer Kalligraphie geschrieben.

Hagia Sophia Istanbul

Wie Ihr vermutlich an der Länge der Beschreibung dieses Bauwerks merkt, hat mich das Innere der Hagia Sophia völlig begeistert. Wenn man aus dem Kölner Umland kommt, kennt man natürlich den Dom von Kindesbeinen an. Mich hat der Dom immer schon fasziniert und ich halte ihn für das großartigste Gebäude der Welt. Doch natürlich vermögen auch andere Bauten solch eine Faszination auszuüben. Und die Hagia Sophia ist so eines. Viele heutige Architekten halten es für ein Wunder, dass damals eine Kuppel von 56 Metern Höhe und 32 Metern Durchmesser gebaut werden konnte. Heutzutage würde der Bau wohl Jahrzehnte dauern und etliche Milliarden kosten.

 

Wer sich für historische Gebäude mit wundervollen Kunstwerken interessiert,

der sollte unbedingt einmal nach Istanbul reisen !

 

Nach der gut 2-3 -stündigen Besichtigung habe ich mir ein Mittagessen verdient. Dafür gehe ich zurück zum Hostel, da ist genau gegenüber ein Restaurant, in dem ich ein leckeres Kebab-Gericht bekomme und mich auch mit meinem Freund aus Istanbul treffe. Zusammen machen wir uns nach dem Essen auf den Weg, die Stadt weiter zu erkunden.

1. Stopp ist der Obelisk von Thutmosis III. auf dem Sultan-Ahmet-Platz, dem einstigen Hippodrom von Konstantinopel. Kaiser Theodosius I. ließ den Obelisk im Jahr 390 n. Chr. aus Luxor in Ägypten hierher bringen. Dieser Obelisk wurde 1490 v. Chr. im Tempel von Karnak errichtet und ist somit über 3500 Jahre alt ! Dafür ist er noch in erstaunlichem Zustand, oder ?

Theodosius Obelisk Istanbul

Quer durch die Altstadt geht es zum Großen Basar. Baubeginn war im 15. Jahrhundert, auf einer Fläche von 31.000 m². 4000 Geschäfte befinden sich hier. Wir schauen uns einige davon an, Fotos mache ich allerdings keine. Ich bin irgendwie total geflashed von den ganzen Eindrücken und werde die ganze Zeit mit köstlichen Süßigkeiten gefüttert 🙂

Auf der Galata Brücke machen wir kurz Halt und schauen uns das Goldene Horn sowie die vielen Fischer bei der Arbeit an. Die Aussicht ist trotz des bleigrauen Himmels ganz gut, finde ich jedenfalls.

Galata Bridge Istanbul

Hinter der Brücke geht es durch kleine Gassen steil bergauf zum Galata Turm. Der 67 Meter hohe Turm wurde 1348/49 errichtet und war Teil einer Stadtbefestigung. Da mein Begleiter die Tickets kauft, zahle ich nicht den Touristenpreis sondern den für Einheimische, was ungefähr die Hälfte ist, wenn ich mich richtig erinnere. Mit dem Aufzug geht es rauf in den 7. Stock und von da über eine hölzerne Wendeltreppe bis in die oberste Etage. Hier gibt es rundum eine Aussichtsterasse mit fantastischem Panoramablick auf die Stadt. Links kann man den Bosporus erkennen, das Goldene Horn unten im Vordergrund, im Hintergrund die Hagia Sophia und rechts die Galata Brücke:

Galata Tower Istanbul

Mit diesen Eindrücken überqueren wir erneut die Galata Brücke und gehen ein Derya Balik Ekmek essen. Das ist im Prinzip ein Fischbrötchen und wurde mir im Vorfeld oft empfohlen. So ganz kann ich die Begeisterung nicht nachvollziehen, es ist ein Fischbrötchen mit Salat und gegrilltem Fisch direkt aus dem Wasser 3 Meter entfernt. Meh!

Am Ufer entlang machen wir uns auf den Rückweg zur Hagia Sophia. Von da aus finde ich den Weg alleine zum Hostel, aber bis da hin würde ich mich vermutlich völlig verlaufen. Morgen früh um 6 Uhr werde ich vor der Türe abgeholt und zum Flughafen gefahren, da möchte ich nicht all zu spät erst ins Bett kommen. Eigentlich will ich auch noch ein paar Bilder auf der Dachterasse des Hostels machen, weil man von da die beleuchtete Blaue Moschee und die Hagia Sophia sehen kann. Als ich ankomme ist zwar die Hosteltüre noch auf, aber die Tür zum Dach ist abgeschlossen, genau wie die zum Aufenthaltsraum eine Etage darunter. Es ist halt einfach noch Winter und es sind so gut wie keine Gäste da, ich begegne niemandem mehr an diesem Abend.

Somit endet mein 1. Besuch in der Türkei zwar unspektakulär, aber der ganze Tag war unglaublich interessant und voller Eindrücke. Durch das Schreiben dieses Berichts hatte ich dann die Möglichkeit, die historischen Daten im Internet zusammen zu suchen. Was mir großen Spaß macht, weil ich mich für Geschichte sehr interessiere und während ich vor Ort bin nur einzelne Zahlen und Fakten hängen bleiben. Ich hoffe, dass auch Euch dieser Bericht gefallen hat. Wenn Ihr bis hierhin gelesen habt, waren die vielen Informationen scheinbar nicht völlig langweilig 🙂 Lasst mich doch in den Kommentaren wissen, wie Euch der Bericht gefallen hat.

Galata Tower Istanbul

Im nächsten Beitrag geht meine Weltreise 2016 weiter – also schaut bald wieder rein !!

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3 thoughts on “Ein Spaziergang durch die Geschichte Istanbuls

  1. Thomas

    Hi Stefan,

    du hast offensichtlich eine jede Menge Orte in Istanbul gesehen, in den paar Tagen. Ich lese immer gerne Beiträge von Bloggern, die sich auch für Geschichte interessieren.

    Wie lange warst du eigentlich genau in Istanbul? Das waren 1-2 Tage – oder?

    lg Thomas

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hallo Thomas!
      Ja, die Geschichte interessiert mich auf jeden Fall, war super spannend. Ich hatte mir sogar im Vorfeld ein paar Deiner Beiträge auf Deinem Blog durchgelesen. Eher durch Zufall drauf gestossen. Um so schöner, dass Du dich jetzt hier meldest. Danke dafür !! Also ich bin spät Abends gelandet und habe an dem Tag nichts mehr gemacht. Den ganzen nächsten Tag war ich dann unterwegs, und am nächsten Morgen ganz früh zum Flughafen. Genau genommen war ich also 3 Tage in Istanbul, habe aber nur an einem was unternommen 😉 War aber bestimmt nicht das letzte Mal, es gibt ja noch so viel mehr in der Türkei zu sehen und zu erleben!
      Gruß, Schwerti

      Reply
      1. Thomas

        Freut mich, dass du meinen Blog vorher gefunden hast :D. Ich hoffe, dass einige nützliche Tipps für dich dabei waren.

        In Istanbul kannst du dich leicht eine ganze Woche lange beschäftigen. Mit drei Tagen bzw. einen Tag ist das immer schwierig.

        Ich empfehle neben Istanbul immer Kappadokien. Die Gegend ist doch etwas ganz anderes, als die meisten Reisenden aus Deutschland aus der Türkei kennen.

        lg Thomas

        Reply

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