DER Geheimtipp im Nordwesten: Fidalgo Island – Washington

By | 27. März 2018

Das vielfältige Washington bietet dichte Wälder, Gletscher, Berge, wunderschöne Küstenstreifen mit zahllosen vorgelagerten Inseln, und auch riesige Flächen an Farmland. Der Columbia River und die Cascade Mountains teilen den Staat in zwei klimatische Regionen; die dichten gemäßigten Regenwälder im Westen, und im Osten goldene Getreidefelder der Farmer. Für was man sich auch interessiert, Washington hat für jeden Reisenden etwas zu bieten. In diesem Bericht stelle ich Euch eine kleine Insel im Norden Washingtons vor, die noch als echter Geheimtipp gilt !

Map Fidalgo Island Washington USA

Im letzten Teil habe ich die Olympische Halbinsel erkundet und sie anschließend in Richtung Nord-Osten verlassen. Mein Ziel ist die Juan de Fuca Strait, genau genommen Fidalgo Island. Warum ? Ich möchte endlich Orcas sehen. Es ist zwar eigentlich noch zu früh im Jahr (April), aber der Anbieter Island Adventures bietet von Anacortes aus auf Fidalgo Island schon Whale watching Touren an. Also denke ich mir, ich riskiere es einfach mal. Im schlimmsten Fall bin ich immer noch am Pazifik, auf einer hübschen kleinen Insel.

Anacortes

Über Tripadvisor habe ich das Anaco Bay Inn gefunden und gleich mal 3 Nächte gebucht. Das Hotel ist ganz nett, mein Zimmer ist groß und hat sogar eine kleine Küche, also könnte ich theoretisch kochen. Werde ich natürlich nicht 🙂 Mir gefällt sogar der Kamin in der Ecke, obwohl das ein Elektrokamin ist und das Holz darin nicht wirklich brennt. Schafft aber trotzdem eine nette Atmosphäre und abends beim Buch lesen oder Film gucken ist es einfach netter, als das Licht einzuschalten. Ein üppiges Frühstück ist auch im Preis von 109,40 USD (93 EUR) pro Nacht enthalten, auch wenn es „nur“ unbegrenzte Bagels mit Philadelphia und Marmelade sind, dazu O-Saft. Mit 1-2 gekochten Eiern hält so ein Frühstück locker bis zum frühen Abendessen 😉

Anaco Bay Inn Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Um 9 Uhr checke ich im Office von Island Adventures ein und stelle danach meinen *Mietwagen auf dem großen Parkplatz an der Cap Sante Marina ab. Zum Glück ist noch schönes Wetter, da vertreibe ich mir die Wartezeit etwas mit fotografieren und herumspazieren. Vom Hafen aus sieht man in der Ferne sogar die schneebedeckten Gipfel der Cascade Mountains.

Lady of the Sea Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Cap Sante Marina Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Die Whale watching Tour beginnt um 10 Uhr, ganz pünktlich. Die „Island Explorer 3“ ist voll ausgebucht, viele Leute bleiben aber die meiste Zeit im Warmen, einige davon ziemlich grün im Gesicht und sich eine Papiertüte an die Brust drückend. Trotz des kalten Windes halte ich mich möglichst draußen auf, um bloß nichts zu verpassen.

Wir tuckern gemütlich an einigen kleinen Inseln vorbei, auf denen Häuser stehen, wo ich mir denke: Da könnte ich es auch eine Weile aushalten 🙂 Dann steuert der Kapitän ein paar Felsen und eine Boje an, wo meist Robben zu sehen sind. Bingo !

San Juan Islands Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Seals San Juan Islands Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Seals San Juan Islands Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Nach einer Weile kommen dann ein paar Durchsagen, dass in der Nähe Orcas gesichtet wurden. Alle werden ganz hibbelig und einige kommen raus, um sich mit ihren riesigen Teleobjektiven in Stellung zu bringen. Ich komme mir etwas blöd vor mit meiner Canon Powershot. Doch dafür sehe ich die Orcas auch mit eigenen Augen und nicht durch ein Objektiv. Zugegeben, ein Fernglas benutze ich am Anfang schon, weil die Killerwale ziemlich weit weg auftauchen. Aber ich bin froh, dass ich in diesem Augenblick nicht ständig auf das Kameradisplay gucken muss, um zu schauen, ob die Fotos was geworden sind.

Orcas Whale watching Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Orcas Whale watching Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Na, seht Ihr die schönen, anmutigen Orcas ? Das sind die besten Bilder, die ich hinbekommen habe. Wie gesagt, ich gucke nur selten durch die Kamera. Mein erstes Mal mit den Schwertwalen soll etwas ganz besonderes sein, von dem ich mich nicht ablenken lassen will. Sollte ich jemals die GoPro Videos zusammen schneiden, wird es etwas mehr zu sehen geben. Die schwarz-weißen Jäger sind nämlich manchmal ganz schön nah ran gekommen. „Humans watching“ nennt der Guide das 😉 Da die Orcas so lange in der Nähe des Boots bleiben, kann ich das Fernglas wegpacken und sie ganz ohne Hilfsmittel beobachten. Den Moment, als einer auf der Seite schwimmend vorbei gleitet und wir uns scheinbar in die Augen blicken, werde ich niemals wieder vergessen. Natürlich weiß ich nicht, ob er mich wirklich gesehen hat. Aber ich ihn schon, und zwar so unglaublich nah. Vermutlich kommt man nur in einem Kayak sitzend noch näher an diese wunderschönen Tiere heran. In dem Moment steht für mich fest, dass ich unbedingt nochmal einen Versuch auf Vancouver Island wagen will. Mit dem Kayak über das Wasser zu paddeln, umgeben von der gewaltigen Natur, das ist unbeschreiblich und für mich ein großes Abenteuer.

Whale watching Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Natürlich bin ich völlig aus dem Häuschen, als wir wieder an Land kommen. Endlich, endlich habe ich Orcas gesehen. Wegen denen war ich 2014 extra auf Vancouver Island zum kayaking und hatte kein Glück. Aber jetzt, wo fest steht, dass ich ein weiteres Mal dort hin fahren werde, freue ich mich einfach nur darauf. Unglaublich happy fahre ich durch die kleine Stadt Anacortes und grinse über´s ganze Gesicht. Nach einem kleinen Burger bei Jack in the Box (yummy) fange ich an, die Insel zu erkunden.

Fidalgo Island

Ich fahre über den Washington Park Loop direkt am Meer…ich FAHRE durch diesen Park ! Keiner geht da zu Fuß. Überall gibt es Haltebuchten für die fetten SUV´s und Pickup´s, so kann man bequem an den schönen Picknickplätzen halten und gleich den Grill anwerfen, ohne die Sachen zu Fuß dorthin tragen zu müssen. *Ironie-Modus-off

Washington Park Loop Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Dabei gibt es in diesem Park eine Menge zu sehen und zu entdecken. Für die Einheimischen ist es aber vielleicht auch nichts besonderes mehr. Mir gefällt es hier sehr gut. Ich stelle meinen Wagen ab und streife eine Weile zu Fuß durch den Wald und am Ufer entlang.

Washington Park Loop Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Washington Park Loop Anacortes Fidalgo Island Washington USA

Es gibt da, ein paar Kilometer weiter, auch noch die Deception Pass Brücke, die Fidalgo- und Pass Island mit Whidbey Island verbindet. Die sieht ganz nett aus, aber was da auf beiden Seiten der Brücke los ist – Wahnsinn! Dutzende von Menschen parken am Straßenrand und marschieren beachtliche Strecken (über 200 Meter), um diese Brücke und den Puget Sound zu fotografieren. Ich dann natürlich auch. Zum Glück, denn es bieten sich einige tolle Motive:

Deception Pass Bridge Fidalgo Island Washington USA

Deception Pass Bridge Fidalgo Island Washington USA

Deception Pass Bridge Fidalgo Island Washington USA

Deception Pass Bridge Fidalgo Island Washington USA

Gegen Abend erreiche ich einen Parkplatz mit dem Startpunkt für den Hike rauf zum Mount Erie. Kein sonderlich anspruchsvoller Weg und soweit auch gut ausgeschildert. Nur bin ich der einzige auf dem Parkplatz und auch unterwegs im Wald begegnet mir niemand! Wieder schießen mir Bilder durch den Kopf. Bilder von Bären, Pumas oder Wölfen. Und Bilder vom Sasquatch, der in diesen Gegenden zu Hause ist, in dessen Reich ich eingedrungen bin. Ich fühle mich wieder wie in Oregon und beschleunige meine Schritte bergauf.

Top of Mount Erie Fidalgo Island Washington USA

Oben angekommen und raus aus dem Wald ist die Angst schnell vergessen. Viel zu schön ist die Aussicht. Und mal ganz ehrlich – Bären oder Wölfe gibt es hier doch gar nicht ! 🙂

Top of Mount Erie Fidalgo Island Washington USA

Lange bin ich noch nicht hier oben, da beginnt schon der Sonnenuntergang. Am Anfang sieht es so aus, als würde die Sonne gebündelt und durch ein Loch im Himmel direkt auf eine kleine Insel draußen in der Bucht strahlen.

Top of Mount Erie Fidalgo Island Washington USA

Ich bin so gebannt, dass ich die Zeit vergesse. Die Dämmerung kommt total schnell und ich muss ja noch den ganzen Berg wieder runter! Im Halbdunkel stolpere ich durch den Wald zurück zum Auto und falle eine halbe Stunde später frisch geduscht und überglücklich ins Bett. Was für ein Tag !!!

Leider allerdings auch der letzte Tag auf Fidalgo Island. Ich bin so froh, dass ich diese kleine Insel im nördlichen Washington gefunden habe. Ideal zum entspannen, aber auch um einiges zu erleben. Hoffentlich konnte ich Euch mit diesem Bericht Appetit machen, auch mal die nicht so bekannten Seiten dieses tollen Staates zu entdecken.

Im nächsten Bericht ist dann wieder Roadtrip pur angesagt. Es geht wieder in die Berge und etwas weiter östlich. Lasst uns zusammen viele Kilometer fahren und die Highlights des Evergreen State erkunden !

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US-Westküste bisher:

6 thoughts on “DER Geheimtipp im Nordwesten: Fidalgo Island – Washington

  1. Kathrin

    Sehr cooler Bericht, Schwerti!
    Uns hat die Fidalgo Island damals auch total gut gefallen. Wir haben im Washington Park gecampt, wo sogar Rehe über den Campingplatz marschiert sind 🙂 Und man konnte von dort zu Fuß zur Fähre auf die San Juan Islands laufen. Wirklich ein toller Spot! Über die ganzen Leute, die den winzigen Loop mit dem Auto gemacht haben, haben wir auch geschmunzelt 🙂

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Ja natürlich habt Ihr da schon gecampt 🙂 Euch brauch ich über coole Orte nix mehr zu erzählen, Ihr seid ja schon überall gewesen, wo ich noch hin möchte 😉 Aber der Tipp mit dem campen ist super, den wird bestimmt Tanja auch zu schätzen wissen. Danke für den lieben Kommentar, Kathrin.

      Reply
  2. Klaus | Willkommen Fernweh

    Hey Schwerti,
    wir sind ja von Vancouver Island kommend mit der Fähre in Anacortes angekommen und dann weiter zum North Cascades Park gefahren. Bei der Routenplanung hatte ich von Fidalgo Island gelesen, aber es war zeitlich für uns leider nicht möglich, einen Abstecher einzuplanen.
    Umso schöner, jetzt diesen Bericht bei dir gelesen zu haben, danke dafür!
    Liebe Grüße
    Klaus

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hey Klaus! Ich danke Dir für Deine netten Worte. Es ist ja so – man kann noch so viel planen, irgendwas verpasst man immer. Da kann man nichts gegen machen. Dafür seid Ihr in die Cascades gefahren, die ja auch wunderschön sind. Vielleicht verschlägt es Euch irgendwann nochmal in den PNW, und dann fällt Dir mein Bericht wieder ein 😀
      VG, Schwerti

      Reply
  3. Tanja

    Lieber Stefan,

    vielen Dank für diese wundervollen Eindrücke. Wir haben es direkt mit in unsere Planung gepackt. Die Fotos machen wirklich Lust sofort loszufahren. Was meinst du, gibt es in dem Washington Park auch die Möglichkeit mit dem Wohnmobil zu parken?

    Viele Grüße,
    Tanja

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Das ist ja cool, Tanja. Genau über sowas freue ich mich mega, wenn ich anderen etwas vorschlagen kann und sie das tatsächlich in die Planung einbauen. Perfekt! Dafür ist der Blog da.
      Wegen dem Parken mit Wohnmobil wendest Du dich am besten mal an Travelinspired, die haben bestimmt noch Tipps. Die Adresse des Campground ist jedenfalls: 6300 Sunset Ave, Anacortes, WA 98221, USA. Vielleicht könnte man sogar einfach auf dem Parkplatz vor der Einfahrt in den Wald parken. Den habe ich recht groß in Erinnerung. Je nachdem, wann Ihr da seid, ist vielleicht genug Platz. Hoffe das hilft Dir weiter?!
      LG, Schwerti

      Reply

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