150 km durch die Arktis – Der Arctic Circle Trail in Grönland (2015)

By | 8. September 2015

Hier ist der Bericht zu meiner Reise durch Grönland. Jetzt gerade, wo ich anfange zu tippen, bin ich erst 5 Tage wieder zurück in Deutschland und die Eindrücke sind noch total frisch. Trotzdem, wo fange ich mit dem Bericht an ? Ab wo ist es interessant ? Für mich selbst war schon der Beginn der Planung spannend, weil das ja zur eigentlichen Reise dazu gehört und ich das auch sehr gerne mache. Für manche Leser mag das aber völlig uninteressant sein.
Ich versuche einfach mal, nicht all zu weit auszuschweifen beim Thema Vorbereitung 😉
Also die Vorbereitung. Die fing genau genommen an, als ich mit meinem Kumpel Sven im Juli 2012 aus Norwegen von unserem ersten Trekking zurück kam. Wir hatten uns direkt vernünftige Ausrüstung zugelegt mit der Absicht, öfters zu trekken. Dann hatte es aber in den beiden folgenden Jahren nicht geklappt mit einer Tour. Dieses Jahr aber wurde direkt Anfang des Jahres ein Termin fix gemacht und die Planung ging los. Fragt mich nicht, wie wir letztendlich auf Grönland und den Arctic Circle Trail gekommen sind. Eigentlich hatte ich schon Bücher zum West Highland Way in Schottland und dem Kerry Way in Irland hier liegen, die Wahl fiel dann aber doch auf den ACT und die Planung begann.
Dazu legte ich mir als Erstes den Wanderführer zum Arctic Circle Trail zu. Die Beschreibungen sind nicht immer zutreffend, manchmal schlicht falsch, aber für einen ersten Überblick taugt dieses Büchlein auf jeden Fall. Und unterwegs ist es nützlich, um es mit den Landkarten abzugleichen, die man vielleicht auch dabei haben sollte. Und man hat auch zu jeder Etappe ein Höhendiagramm und einen Eindruck, was einen so erwartet.
Als nächstes musste die An- und Abreise organisiert werden. Wir waren uns schnell einig, wenn wir schonmal nach Grönland fliegen, machen wir auch einen Umweg nach Ilulissat, um uns die Eisberge anzusehen. Für den Trail sind 11 Etappen empfohlen, wir planten 13 Tage ein, also genug Zeit, falls irgendwas schief gehen sollte. Dazu 3 Tage in Ilulissat und nochmal 2 Tage in Kangerlussuaq, um vor dem Heimflug noch Zeit für das Inlandeis zu haben, welches von dort aus erreichbar ist.
Um nach Kangerlussuaq, dem Ausgangspunkt des ACT, zu kommen, muss man nach Kopenhagen fliegen. Von dort fliegt einen dann Air Greenland ohne Stop in 4 bis 4,5 Stunden hin. Mit der Zeitumstellung ist man mittags vor Ort, obwohl der Flug erst um 9 Uhr morgens startet. Das Problem war nur, dass früh morgens für den 10. August kein Flug von Köln/Bonn nach Kopenhagen zu finden war. Also mussten wir notgedrungen am 09.08. abends schon fliegen, und das auch noch von DDorf aus ! 🙁 Die Nacht würden wir dann halt am Flughafen verbringen. Für nach dem Trekking von Kangerlussuaq nach Sisimiut buchten wir auf der Homepage von Air Greenland (welche so ziemlich alle Inlandsflüge abwickelt) einen Flug nach Ilulissat. Dann für 3 Tage später noch einen von Ilulissat nach Kangerlussuaq, wo wir dann abermals 2 Tage später zurück nach Kopenhagen starten würden. Damit waren An- und Abreise organisiert.
Was muss man noch organisieren ? Ich hatte vorab Kontakt mit jemandem von „World of Greenland Arctic Circle“ und mir versichern lassen, dass die Primus Gas für unseren Kocher da haben. Alles kein Problem, wurde mir versichert. Damit war für mich die Planung abgeschlossen, denn die Ausrüstung hatten wir ja soweit eh schon beisammen. Fehlte nur noch Nahrung für 15 Tage wandern und ein Moskitonetz zur Sicherheit, obwohl es überall heisst, dass es nach dem ersten Frost keine Mücken mehr gibt. Wer sich für die Ausrüstung interessiert, kann mir gerne eine Nachricht schicken, oder einen Kommentar hier lassen, dann mache ich gerne eine Liste !
Hier mal ein Schnappschuss von allem, was ich an Essen dabei hatte:
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Da ist allerdings auch noch einiges bei, wovon ich auf jeden Fall anderen Trekking-Anfängern abraten würde; Corny-Riegel, die für ihr Gewicht lediglich 60 kcal liefern. Erbseneintopf, den man nur noch warm machen muss, im Plastikvakuumbeutel. Cevapcici in der Aluschale. Ich dachte, das wären schmackhafte Alternativen zu den Maggi Asia Snacks, die für mittags geplant waren. Aber die Sachen liefern kaum Energie und wiegen dafür viel zu viel. Gut fand ich die Obstriegel vom Aldi, die gab es morgens oft. Auch den Ananasriegel und den Clif Bar Blueberry Crisp Riegel von Globetrotter fand ich beide sehr gut. Ausserdem habe ich eine Packung Dextro Energen weggeputzt, die wirken echt Wunder, wenn man total platt ist und denkt, nichts geht mehr !!
Verpackt sah das ganze Essen und die Ausrüstung dann so aus:
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Alles eingepackt in meinem Lowe Alpine Cerro Torre (habe aber den von 2012). Die Wasserflasche habe ich kurzfristig noch entsorgt und gegen eine 1,5l Nalgene EveryDay ausgetauscht:
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So und jetzt komme ich endlich zum eigentlich Trail. Ich hatte ja versprochen, mich kurz zu fassen 🙂
Ich habe während der Tour Tagebuch geführt und die für mich wichtigsten Ereignisse des Tages aufgeschrieben. Klein und eng geschrieben hat mir eine einzige DIN A4 Seite gereicht, Vorder- und Rückseite natürlich 😉 An manchem Eintrag werde ich wohl noch etwas ergänzend hinzufügen, aber im Großen und Ganzen tippe ich diese DIN A4 Seite jetzt ab…

 

Sonntag, 09.08.
Wir kommen gegen 22 Uhr am Flughafen Kopenhagen an. Unser Anschluss-Flug geht so um 9 Uhr am nächsten morgen. Da bleibt ein Menge Zeit zum lesen, Podcasts hören und versuchen zu schlafen – versuchen wohlgemerkt, mit viel Glück kann ich ein bischen dösen.
Montag, 10.08.
Kangerlussuaq erreichen wir fast zur selben Zeit, wie wir gestartet sind, dank der Zeitumstellung Richtung Westen. Im Flugzeug nicht geschlafen (natürlich) und wieder Podcasts gehört. Air Greenland bietet unglaubliche 2 Filme zur Auswahl an im „Multimedia System“ in den Kopfstützen. Einen uralten Schinken aus den 60ern und einen dänischen Kinderzeichentrickfilm. Ganz große Klasse ! Obwohl der Airbus A330 locker 250 Menschen ausspuckt, bekommen wir ruck-zuck unsere Rucksäcke vom Band. Die Luggage Boxen, die sich ebenfalls im Flughafengebäude befinden, kann man an der Hotelrezeption die Treppe rauf mieten. Wir nehmen eine und stopfen da unser Handgepäck rein sowie das Essen für die 2 Tage Inlandeis, wenn wir wieder hierher zurück kommen. Als nächstes begeben wir uns auf die Suche nach Gas für unseren Primus Kocher. Der Laden, den ich vorab extra per eMail kontaktiert hatte und der mir versichert hatte, sie würden Gas da haben, hat natürlich kein Gas da ! Und so ziehen wir kreuz und quer durch Kangerlussuaq, von einem Shop in den nächsten, doch nirgendwo gibt es passendes Gas. Und für das Gas, welches überall verkauft wird, kann man nirgendwo einen passenden Kocher bekommen 🙂 Mich beschleicht der Verdacht, dass man hier einen Outdoor Laden aufmachen sollte, wo man zentral alles bekommen kann, was man für den Arctic Circle Trail braucht. Letzte Hoffnung ist ein Taxifahrer, der uns zu einem Laden bringt, in dem es evtl. etwas für uns geben könnte. Aber der Laden hat zu, ist ja immerhin Montag und schon fast mittag, also Zeit für Feierabend 🙂 Wir lassen uns dann vom Fahrer bis nach Kellyville fahren, hier beginnt der eigentliche ACT. Die Schotterpiste bis dahin, immerhin gute 15 km lang, ist landschaftlich nicht besonders reizvoll und nachdem wir schon ewig Zeit und Energie mit der Suche nach Gas vertan haben, wollen wir jetzt endlich starten.

 

So werde ich die Infos aus dem Buch einbinden :
1. Etappe Kangerlussuaq – Kellyville / 15,1 km / 3-4 Stunden / leichte Etappe (per Taxi)
2. Etappe Kellyville – Ostufer des Qarlissuit / 17 km / 6-7 Stunden / leichte Etappe

 

Schon nach ein paar Kilometern merke ich, wie an einer Ferse eine Blase entsteht, also pappe ich da direkt mal ein Blasenpflaster drauf. Komisch, habe extra Merinosocken gekauft und die in Kombination mit den Wanderstiefeln schon mehrmals getragen ohne Probleme. Egal, die Sonne scheint, super Wetter und gefühlt 8°C bei leichtem Wind.
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Das Zelt schlagen wir etwas oberhalb des Qarlissuit auf, doch auch hier gibt es abends immer noch eine Menge Mücken, die es einem nicht leicht machen, ruhig zu bleiben beim Aufbau. Zum Glück haben wir kein Gas, können uns also auch nichts warmes draussen vor dem Zelt kochen, sondern verkriechen uns gleich nach drinnen.
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Dienstag, 11.08.
3. Etappe Ostufer Qarlissuit – Hütte Katiffik / 6,9 km / 4 Stunden / leichte Etappe

Heute morgen ist es ziemlich frisch. Und ich war von tagsüber 15 bis 20°C ausgegangen, so wie ich es in einigen Reiseberichten über den ACT von 2014 gelesen habe. Egal, ich hab ja eh nur langärmelige Shirts dabei, unter anderem ein dickes Merinoshirt von Woolpower, damit wird mir bestimmt nicht so schnell kalt nachts. Die heutige Etappe ist angenehm kurz, nur am Ende verlieren wir den Weg aus den Augen. Da wir laut GPS aber noch in die richtige Richtung laufen, gehen wir einfach querfeldein weiter. Dieser Weg führt uns über einen Berg, anstatt aussen drum herum, und vor allem auf der anderen Seite steil wieder herunter.
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Aber dafür sieht man beim Abstieg schon die Hütte am Seeufer stehen.
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Die Hütte ist leer, also machen wir es uns schonmal gemütlich. Und endlich komme ich mal dazu, nach meinem Blasenpflaster zu sehen. Als ich die Socke runter ziehe, klebt das Pflaster daran fest – und am Pflaster klebt die Haut ! Habe jetzt an der einen Ferse eine Fläche von ca. 5×3 cm ohne Haut, wo es schön nässt. Da muss ich jetzt den restlichen Tag frische Luft dran lassen und hoffen, dass alles schnell trocknet, damit morgen da wieder ein Blasenpflaster drauf haftet. AUAAAA !!! Nach einer Weile kommt ein Ehepaar aus Köln an, die hatten wir heute morgen schon beim Bachüberqueren gesehen. Danach kommt ein Amerikaner rein. Unten liegen jetzt die drei, Sven und ich oben. Es gäbe also noch einen Platz bei uns oben und dann ist die Hütte voll. Tatsächlich kommen noch einige Leute vorbei, alles deutsche, und alle gehen weiter bzw. schlagen draussen um die Hütte rum ihre Zelte auf. Am frühen Abend fängt es an zu regnen, gerade als Sven und ich von einer kleinen Testfahrt mit einem der Kanus zurück sind, die am Ufer liegen und die man sich einfach nehmen kann. Noch später wird aus dem Regen Schnee. Und als es dann ein bischen dunkel wird, viel dunkler als am frühen Abend wird es nachts auch nicht, kommt noch ein Pärchen aus Kanada an. Beide sind klitschnass und durchgefroren, machen sich mit zitternden Händen was warmes zu Essen und ziehen trockene Sachen an. Sie krabbelt mit ihrem Schlafsack nach oben zu Sven und mir auf die Pritsche, Er legt auf dem Fussboden eine Plastikfolie aus, darüber die Isomatte und steigt dann auch in seinen Schlafsack. In der kleinen Hütte mit so vielen Leuten wird es dann nach einer Weile ganz schön warm und ich schwitze nachts sogar ein wenig, während draussen der Schnee die Zelte der anderen Trekker einschneit.

 

Mittwoch, 12.08.
4. Etappe Hütte Katiffik – Landzunge am Amitsorsuaq / 11,5 km / 6 Stunden / mittelschwere Etappe

Zusätzlich zu dieser Etappe machen wir heute noch 10 km von der 5. Etappe, um bis zum Kanucenter zu kommen.

Überraschung beim Blick aus dem Fenster am morgen, der Schnee liegt noch. Dafür ist der Himmel grau und es ist windig und kalt. Alles andere als gemütlich da draussen. Trotzdem packen wir unseren Kram zusammen, was mit dem schlafenden Kanadier auf dem Fussboden nicht ganz einfach ist.
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Unten am Ufer nehmen wir das Kanu, das wir gestern getestet hatten, schmeissen die Rucksäcke rein und paddeln los. Unerfahren wie wir sind, fahren wir immer schön im Zick-Zack-Kurs über den See. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, weht uns die ganze Zeit Wind entgegen, der auch Wellen mit sich bringt, die uns evtl. kentern lassen könnten, wenn wir das Kanu parallel zu ihnen ausrichten würden. Aber soviel Ahnung haben wir dann doch, dass wir immer auf die Wellen zufahren.
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Immerhin sehen wir auf der rechten Seite des Sees nach einer Weile 3 Rentiere, die uns kurz beobachten, verächtlich lächelnd mit den Köpfen schütteln und weiter ziehen. So 3 Stunden später haben wir so krass Gegenwind, dass wir sofort rückwärts treiben, wenn wir aufhören zu paddeln ! Jetzt ist es genug, wir entscheiden uns, zu Fuss weiter zu gehen. Das Kanu ziehen wir an Land die Böschung so weit hoch, dass Wanderer es auf jeden Fall nicht übersehen können und es auch nicht beschädigt wird oder zurück in den See geraten kann. Bis zum Kanu-Center sind es noch die restlichen ca. 6 km der 4. Etappe plus nochmal ca. 10 km von der 5. Etappe. Wir könnten auch irgendwo dazwischen das Zelt aufbauen, aber das Kanucenter bietet Platz für 20 Leute und hat ausserdem richtige Toiletten zu bieten, die ich so langsam echt gebrauchen könnte. Ausserdem erhoffen wir uns, dass dort vielleicht jemand Gas zurückgelassen hat, welches wir gut gebrauchen könnten. Aber bis da hin folgen jetzt erstmal 16 km reiner Schmerz, immer einen Fuss vor den anderen setzend ! An dem anderen Fuss habe ich jetzt auch eine dicke Blase, das spüre ich, ohne es tatsächlich zu sehen. Irgendwie schaffe ich es dann aber trotzdem bis zum Kanu-Center, obwohl ich unterwegs hunderte Male daran dachte aufzugeben und umzudrehen…Wenigstens scheint die Sonne und es ist relativ warm, als wir da ankommen.
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Wir können sogar ziemlich ungestört in der Sonne sitzen und etwas entspannen, und die nassen Sachen trocknen auch wunderbar schnell. Am Nachmittag kommt dann ein Pärchen aus der Schweiz, die hatten die letzte Nacht in einem Minizelt im Schnee verbracht irgendwo vor der 1. Hütte und haben heute schon ordentlich Kilometer geschafft. Dann kommt noch der Amerikaner Bill aus Minnesota. In mir regt sich der Neid, als die anderen sich was warmes zu Essen kochen und wir Müsliriegel essen müssen, aber so ist es nunmal.
Zur Erklärung: Das Kanu-Center ist eine grössere Hütte mit einem Schlafraum mit 6 Etagenbetten, einem Wohnzimmer mit Tisch, Bänken und weiteren Betten. Ausserdem einer Kochecke und einem Ofen, wenn man es denn schafft, ihn ans laufen zu bekommen. Weiter durch ist ein kleiner Flur mit 2 Trockentoiletten. Hier wird ein Plastiksack in die Toilette gehangen, man erledigt sein Geschäft, bindet idealerweise den Sack zu und bringt ihn nach draussen in eine grosse Holzkiste. Der Inhalt dieser Kiste wird angeblich am Saisonende von Einheimischen in einer grossen Tonne mit reichlich Brennstoff verbrannt. Vor Jahren gab es jedenfalls mal den Versuch an diesem See einen Kanuverleih aufzuziehen, hat sich anscheinend nicht gelohnt und die Hütte wurde einfach sich selbst überlassen. Von der Ausstattung profitieren heute die Wanderer, die hier aus beiden Richtungen des Arctic Circle Trails vorbei laufen.

 

Donnerstag, 13.08.
5. Etappe Landzunge am Amitsorsuaq – Abfluss des Amitsorsuaq am Westufer / 14 km / 6 Stunden / leichte Etappe (davon haben wir ja schon ca. 10 km geschafft)
6. Etappe Abfluss des Amitsorsuaq am Westufer – Ikkatooq Hütte / 19,2 km / 8-9 Stunden / schwere Etappe

Die 3 anderen aus der Hütte sind schon weg, da stehe ich erst auf. Alles dauert ewig heute und ganz tief in meinem Inneren will ich Sven offenbaren, dass mir alles weh tut und ich wieder zurück gehen will, bevor wir diese Mörderetappe starten. Doch ich sage nichts, sondern präpariere mich mit Blasenpflastern, packe mein Zeug zusammen, nutze nochmal die Toilette aus und dann geht es wieder weiter. Schon nach den ersten paar Metern tun die Blasen wieder richtig weh. Die heutige Etappe wird zu grossem Teil durch Sumpfgebiet gehen, aufgeweicht von all dem Schmelzwasser, das die Berge runter geflossen kommt. Jeder zweite Schritt sinkt tief ein und der nächste wird nur noch schwerer. Irgendwann sind Schuhe und Socken komplett nass. Egal. Weiter. Das linke Knie tut durch die Stösse in tiefe Löcher mit schwerem Rucksack jetzt auch weh. Egal. Weiter !
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Ich denke die ganze Zeit nur daran, wie meine Fersen gerade aussehen müssen, anstatt die wunderschöne Natur zu bewundern, denn teilweise kommen wir auch ein paar Berge rauf und haben fantastische Aussichten.
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Ich sehe das alles und bin begeistert, nur richtig geniessen kann ich es wegen der Schmerzen nicht. Zum Glück macht Sven die ganze Zeit Fotos, meine Kamera ist im Rucksack und ich habe kein Verlangen, diesen auszuziehen und danach zu suchen. Wieder im Moor angekommen denke ich „Jeden Meter, den ich gerade gehe, muss ich auch wieder zurück, wenn ich Sven überredet bekomme umzudrehen.“
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Aber wir drehen nicht um. Und das ist auch gut so, denn durch diese schreckliche Etappe will ich nicht nochmal durch ! Irgendwie, keine Ahnung wie genau, schaffen wir die ca. 25 km zur nächsten Hütte, die sich anfühlen und auch beim Blick zurück aussehen wie 200 km.
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Die 3 anderen sind auch da und sind völlig überrascht, dass wir es geschafft haben. Sie haben ja meine Füsse gesehen und hatten gewettet, dass ich einen Tag Pause im Kanu-Center einlegen müsste. Damit haben sie absolut recht, hätte ich machen sollen, aber jetzt sind wir hier und in dieser Hütte (für 6) ist noch Platz für uns. Als Krönung des Ganzen bieten die beiden Schweizer uns an, auf ihrem Kocher Wasser zu kochen. Nach 4 Tagen gibt es endlich wieder etwas warmes zu Essen. Köstliches Lachspesto mit Pasta. Wir unterhalten uns noch eine Weile abends, lange halte ich aber nicht durch und falle hundemüde in meinen Schlafsack.

 

Freitag, 14.08.
7. Etappe Ikkatooq Hütte – Eqalugaarniarfik Hütte / 12,6 km / 6 Stunden / mittelschwere Etappe

Eigentlich wollen wir heute in der Hütte bleiben und etwas die Blasen und Schmerzen auskurieren, aber dem Knie geht es mittags wieder richtig gut. Also packen wir „schnell“ zusammen und gehen den anderen hinterher, die schon einige Stunden Vorsprung haben und uns heute bestimmt wieder nicht erwarten werden.
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Am Anfang geht es steil bergauf und mir geht es ganz gut, wir filmen sogar ein bischen mit der GoPro. Später, als wir dann alles, was wir am Anfang bergauf gekraxelt sind, wieder runter müssen, tut es mir unter dem rechten grossen Zeh ziemlich weh. Ich gucke nach und entdecke eine schöne Blutblase auf der kompletten Unterseite – super, mal was neues 😉 Auch die anderen Blasen schmerzen, aber das Wetter ist einfach zu gut, um in der Hütte zu gammeln. Und wer weiss, ob es morgen nicht regnet, also lieber bei gutem Wetter weiter wandern !
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Am Nachmittag müssen wir die Rucksäcke abschnallen, Schuhe und Socken ausziehen und die Hosen hochkrempeln: Es fliesst ein Fluss mitten durch unseren Weg und da müssen wir durch waten. Das Wasser ist eiskalt und hat auch eine gute Strömung, aber es ist mal echt eine Abwechslung zum sonst eintönigen Laufen und macht mir richtig Spass !
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Danach geht es durch ein trockeneres Gebiet in Flussnähe, sehr angenehm zu laufen, leider nicht sehr lange.
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Denn dann kommt wieder lange Zeit Moorgebiet und das Knie meldet sich direkt wieder. Noch eine letzte Anhöhe hinauf und wir sehen die Hütte. Parallel auf einem kleinen Pfad kommt gerade Bill vom Wasser holen zurück, wir treffen gemeinsam bei der Hütte ein. Die beiden Schweizer sind wohl noch ein Stück weiter gegangen, berichtet er uns. Wir sind also zu dritt in der Hütte, in der es Matratzen für vier gibt. Später kommt dann noch Simon aus der Nähe von Stuttgart rein. Ihn haben wir schon in Kangerlussuaq kennengelernt, seitdem aber nicht mehr gesehen. In der Hütte gibt es eine fast leere Dose Gas und mit Bill´s Kocher können wir uns ein warmes Abendessen kochen !! Da hat sich das wandern trotz der Schmerzen ja heute gelohnt 🙂 Ausserdem unterhalten wir uns alle noch eine ganze Weile und der Tag geht mit guten Gefühlen und einer schönen Lichtstimmung draussen zu Ende.
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Samstag, 15.08.
Ruhetag

Heute bleiben wir wirklich in der Hütte. Am morgen nutzen wir nochmal Bill´s Kocher und es gibt ein Trek´n´eat Gericht mit heissem Tee zum Frühstück. Den Rest des Tages verbringen wir zum grössten Teil in der Hütte. Draussen scheint die Sonne und es ist auch recht warm und windstill, aber das bedeutet halt auch, dass es von Mücken nur so wimmelt. Mittags wird wieder ordentlich Bepanthen auf die wunden Füsse geschmiert und dann halt ein wenig geschlafen. Am Abend probiere ich Maggi Asia Nudel Snack mit kaltem Wasser. Leute, macht das nicht, das ist echt ekelhaft 🙂 Vor allem das Pulver löst sich im kalten Wasser nicht richtig auf, sondern treibt so klumpig drin herum. Aber immerhin werden die Nudeln weich…und schmecken halt wie kalte, nasse Nudeln. Was machen wir sonst noch heute ? Wir sortieren alles Essen, für das man heisses Wasser braucht, aus und lassen es in der Hütte zurück. Da wir jetzt einen Tag hinter den anderen her sind, ist es unwahrscheinlich, dass wir nochmal was warmes bekommen. Nur von den 3 oder 4 Trek´n´eat Beuteln kann ich mich nicht trennen, die waren einfach zu teuer, die einfach für andere Trekker liegen zu lassen. Nach der Aussortier-Aktion wirkt auch der Rucksack gleich viel leichter.

 

Sonntag, 16.08.
8. Etappe Eqalugaarniarfik Hütte – Innajuattoq II Hütte / 20,7 km / 8-9 Stunden / schwere Etappe

Viel zu früh werde ich heute morgen wach, da geht gerade die Sonne auf mit rosa Wölkchen. Aber wie gesagt, viel zu früh, also drehe ich mich nochmal rum und penne nochmal 2 Stunden. Irgendwann gegen 8 Uhr fangen wir langsam an Aufzubrechen und abermals 2 Stunden später geht es dann auch schon los 🙂 Den ganzen Tag ist es grau und nach einer Weile kommen die ersten Tropfen runter.
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Nach dem steilen Anstieg direkt am Anfang kommen wir öfters durch schlickige Abschnitte und Schuhe und Socken sind dann auch endlich wieder schön nass. Danach geht es auch noch ewig lange an 2 großen Seen am Ufer entlang, sodass der linke Fuss immer am Hang auftritt, was ganz besonders toll für die Blase auf dieser Seite ist.
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Irgendwann erreichen wir das im Buch angekündigte Moor, wo mein Knie auch mal wieder ordentlich was abbekommt. Egal, es regnet, also weiter gehen.
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Hinter dem Moor kommt man um eine Kuppe und erblickt eine Hütte. Von dieser nochmal 30 Minuten weiter zur 2. Hütte dieser Etappe, da gibt´s wieder ein richtiges Klo. Es ist niemand da, aber auf der Küchenarbeitsplatte liegt ein Kocher und auch eine halbleere Dose Gas. Sven bastelt ein bischen daran herum und wir haben etwas warmes zu Essen abends, gut dass ich die Trek´n´eat Beutel mitgeschleppt habe ! Später schaut noch eine dänische Familie vorbei, aber die wollen nur die Küchenzeile zum essen kochen nutzen. Nachdem sie alle gegessen haben ziehen sie sich in ihre Zelte zurück, die draussen im Regen stehen. Na gut, haben wir halt die 10 Mann Hütte für uns alleine.

 

Montag, 17.08.
9. Etappe Innajuattoq II Hütte – Nerumaq Hütte / 17,5 km / 6-7 Stunden / leichte Etappe

Geht heute toll los, direkt am Anfang nasse Füsse beim Fluss-queren. Es ist einfach keine Stelle zu finden, wo man sicher von Stein zu Stein hüpfen kann. Irgendwo rutscht man ab, steht bis zur Wade im kalten Wasser und von da an ist es eh egal.
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Unmittelbar nach dem Fluss geht es an dem See entlang, an dem die Hütte steht. Immerhin diesmal auf der rechten Seite, dafür aber wieder Mücken ohne Ende. Immerhin scheint die Sonne, das ist ja schonmal was 🙂
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Dann entweder über Geröll, überwuchertes Geröll oder durch Schlick. Zum Glück wird es noch kalt und windig, so wird der Tag noch perfekt abgerundet. Aber hey, bei Kälte und Gegenwind gibt es zumindest sehr wenig Mücken, yay ! Bin nach 6 Stunden total am Ende und will nur noch in die Hütte. Und dann erreichen wir die Nerumaq Hütte und das Ding ist von innen komplett weiß gestrichen und die Türe geht nicht richtig zu. Herrlich. „Leichte Etappe“ my ass !! Um 18 Uhr legen wir uns hin und hoffen, dass wir morgen dann vielleicht schon früher los kommen.
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Dienstag, 18.08.
10. Etappe Nerumaq Hütte – Hütte am Fjord Kangerluarsuk Tulleq / 17,5 km / 6-7 Stunden / mittelschwere Etappe

Alles fast super heute. 6 Stunden durchgelaufen ohne Pause, weil überall Mücken ohne Ende. Am Anfang ist der Weg echt noch ok, nach der 3. Flussdurchquerung haben wir dann aber wieder nasse Socken.
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Dextro Energen wirkt auf halber Strecke wieder Wunder, gibt einen guten Schub Energie und hebt die Laune ein bischen. Auf eine Hochebene geht es steil bergauf und die Hütte kommt in Sicht, wir müssen aber noch ca. 1 Stunde mit Gegenwind kämpfen.
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Aber dafür ist die Hütte ganz gut und vor allem finden wir wieder passendes Gas, fehlt nur eine Toilette. Zu der wollten wir eigentlich heute noch gehen, wären nochmal 5 km weiter steil bergauf gewesen. Wir haben aber noch so viel Zeit, bis wir in Sisimiut sein müssen, da brauchen wir heute keinen Stress machen sondern bleiben hier. Bis wir morgen das Klohaus erreichen halte ich schon noch aus.

 

Mittwoch, 19.08.
11. Etappe Hütte am Fjord Kangerluarsuk Tulleq – Sisimiut / 22,5 km / 8 Stunden / mittelschwere Etappe

Etwa 2 Stunden brauchen wir für den steilen Anstieg dieser Etappe. Kurz bevor man oben angelangt ist, kommt eine ebene Fläche, und an deren Rand steht einfach so ein Klohäuschen.
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Ich habe keine Ahnung, warum das da steht, aber ich bin dankbar dafür. Nicht cool ist allerdings, dass anscheinend einige Leute dieses Häuschen mit einem Mülleimer verwechseln. Es liegen eine Menge Red Bull Dosen und sonstiger Plastikmüll auf dem Boden verteilt.
Nur ein paar Kilometer weiter den Weg entlang soll eine Hütte des Schneescootervereins von Sisimiut stehen. Hier wollen wir wieder übernachten, weil wir eigentlich erst am 22.08. in Sisimiut sein müssen um unseren Flug zu erwischen. Aber entweder ist die Hütte nicht mehr da oder wir übersehen sie einfach, jedenfalls laufen wir immer weiter und fragen uns, wann wohl diese Hütte kommen soll. Nachdem wir heute schon 4 Stunden gelaufen sind, müssen wir dran vorbei sein, kein Zweifel. Eigentlich wollten wir heute insgesamt nur 4 Stunden gehen, aber auf dieser Hochebene ohne Windschutz kann man nirgendwo ein Zelt aufbauen, also gehen wir weiter. Später kommen uns 3 Wanderer entgegen, die meinen, dass wir in 3 Stunden locker in Sisimiut sein könnten. Na ganz toll ! So war dieser Tag ja überhaupt nicht geplant gewesen, aber Alternativen gibt es auch keine, weil wir einfach keine vernünftigen Zeltplätze finden. Gehen wir also dann heute doch die gesamte Strecke.
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Übrigens werden aus den 3 Stunden, die uns angekündigt wurden, mal locker-flockige 5 Stunden. Davon eine, sobald Sisimiut in Sicht kommt. Man sieht die Stadt schon gegenüber am Fjord liegen, aber bis man da ist, zieht sich noch eine Schotterstraße ganze schön lange hin.
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Sisimiut ist die Zweitgrösste Stadt Grönlands mit ca. 5600 Einwohnern und erstreckt sich gefühlt über dutzende Kilometer. Allein vom Ortseingang bis zum Vandrehjem ist man gute 30 Minuten unterwegs. In der Jugendherberge treffen wir dann viele wieder, die wir unterwegs auf dem Trail schon kennengelernt haben. Ein Tip: Euer Handy sollte im Ausland zum Telefonieren freigeschaltet sein. Meins ist anscheinend vom Anbieter blockiert für abgehende Anrufe. SMS verschicken geht, telefonieren nicht. Jedenfalls ist der Betreiber der Herberge nicht sehr oft vor Ort, sondern kommt hin, wenn man ihn anruft. Als er dann da ist, bekommen wir ein Zimmer mit Hochbett und Schrank für 167 EUR für 3 Nächte. WiFi kostet extra und zwar richtig, ich nehme 4 Stunden und zahle 26 EUR ! Erster Stop ist die Dusche. Endlich nach 11 Tagen wieder richtig sauber zu sein ist unbeschreiblich !! In der Gemeinschaftsküche kann man alles benutzen, also kochen wir Wasser und futtern die letzten Mahlzeiten, die noch mit heissem Wasser aufgeschüttet werden können. Sauber und satt gehen wir dann alle ins örtliche Pub, wo später die Locals sehr zutraulich werden. Könnte am Alkoholpegel liegen oder weil wir einfach eine Gruppe Fremder sind und die sich uns einfach mal genauer ansehen möchten. Jedenfalls ist es ein netter Abend mit Konversationen mehr mit Händen und Füssen, aber alle verstehen sich und haben Spaß !

 

Donnerstag, 20.08.

Das Frühstück ziehen wir mal richtig in die Länge, haben ja auch sonst heute absolut nichts vor. Gegen 11 Uhr brechen Sven und ich dann doch zu einem Stadtrundgang auf, der ganze 3 Stunden dauert inkl. Besichtigung jedes einzelnen Geschäfts. Die Stadt ist halt echt nicht auf Touristen eingestellt, obwohl hier dauernd Kreuzfahrtschiffe halten und auch Wanderer immer durchkommen.
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Im Spar kaufen wir uns dann Würstchen und Kartoffelsalat (ja, wir sind echt typisch deutsch) für´s Mittagessen und noch ein bischen was für die nächsten Tage. Nach dem Essen spielen wir dänisches Scrabble und hängen einfach nur rum, gut dass ich etwas online-time gekauft habe. Um 19 Uhr ziehen wir mit Simon los zum Soemandshjem, wo wir uns ein leckeres Abendessen erhoffen. Die Küche ist aber schon geschlossen. Also weiter zum nächsten Imbiss, der aber ebenfalls geschlossen hat. Es ist Donnerstag abends kurz nach 19 Uhr wohlgemerkt und die ganze Stadt hat schon die Bürgersteige hochgeklappt ! Wir kaufen uns dann im Spar Hackbraten und Pommes und machen uns das in der Küche der Jugendherberge. Bill und die beiden Kanadier gesellen sich später dazu und wir haben wieder einen netten Abend.

 

Freitag, 21.08.

Ausgeschlafen und richtig langes Frühstück mit den anderen. Sven ist schon seit 9 Uhr unterwegs zum Nasaasaaq, dem quasi Hausberg von Sisimiut. Heute soll richtig gutes Wetter werden, alle anderen machen sich auch fertig für die Tour da rauf. Nur ich werde mir das ganz gewiss nicht antun, meine Achillessehnen sind entzündet, meine Blasen machen gerade Fortschritte, das mache ich bestimmt nicht schlimmer, indem ich einen Berg besteige. Allerdings verpasse ich das hier:
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So bin ich ab 11.30 Uhr alleine in der Herberge und lümmel einfach nur rum. Mittags ziehe ich mir dann doch die Schuhe an und bringe Postkarten weg, was immerhin auch gute 40 Minuten dauert. Danach gibt es einen Becher Instant Asia Noodles und noch ein bischen Fußpflege. Heute bin ich echt froh, dass ich mir WiFi Access gekauft habe, wäre sonst echt langweilig geworden. Nachmittags kommt Sven zurück und wir gehen zum Hafen an eine Imbissbude ganz traditionelle grönländische Spezialitäten essen: Cheeseburger mit Pommes und Cola 🙂

 

Samstag, 22.08.
Heute Tag der Verabschiedungen. So ziemlich alle verlassen heute das Vandrehjem, bis auf Bill, der noch 3 weitere Tage bleiben wird, weil er die Zeit irgendwie falsch kalkuliert hat. Unser Flug geht erst gegen 14 Uhr, wir haben also jede Menge Zeit und gehen zu Fuß zum Flughafen.
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Das dauert so etwa 75-80 Minuten, wenn man gemütlich geht, die Sonne geniesst und auch mal für ein paar Fotos hält. Und trotzdem kommen wir 2 Stunden zu früh an, sehen aber immerhin noch den Start von Simon´s Flieger. Der Flughafen besteht aus einer Start/Landebahn, einem „Tower“ und einem Container-grossen Gebäude, welches als Check-In und Wartezimmer dient.
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Der Flug nach Ilulissat dauert mit einem kurzen Zwischenstop etwa 45 Minuten. Irgendwann kommen die Eisberge in Sicht und kurz darauf sieht man nur noch Eis statt Wasser, so weit man sehen kann.
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Ilulissat ist sehr viel touristischer als Sisimiut oder Kangerlussuaq. Hier legen andauernd Kreuzfahrtschiffe an, es werden geführte Touren angeboten, es gibt Souvenirläden, eine Touristinfo und sogar 4 oder mehr Cafés. Wir kaufen im Spar wieder ein paar Vorräte ein, machen einen kleinen Stadtrundgang zum Hafen und bewundern die riesigen Eisberge, die im Wasser treiben. In der Entfernung sieht es aus, als ob da eine Stadt wäre, aber da ist nur das Meer und irgendwann Kanada.
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Sonntag, 23.08.

Morgens ist es ja fast immer bewölkt und bessert sich dann im laufe des Tages meist. Hier oben, so weit nördlich des Polarkreises, ist es allerdings echt schwer das vorherzusehen. Manchmal klart es doch nicht auf und dann ist der ganze Tag bewölkt, es nieselt teilweise und kalt ist es dann auch. So ein Tag verspricht es heute auch zu werden, jedenfalls sieht es so aus, als wir gegen 11 Uhr am Eisfjord ankommen.
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Zum Eis führt ein Weg auf Holzstegen, der dient zum einen dem Schutz der Vegetation, zum anderen ist er auch sehr angenehm zu gehen für all die Touristen, die hierhin kommen. Nach kurzer Zeit dreht der Weg vom Meer ab zurück Richtung Stadt.
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Hier geht man entweder zurück oder folgt einem blau markierten Pfad, der immer oberhalb des Ufers entlang geht.

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Mittags kommen wir in eine windgeschützte Bucht und die Sonne kommt ein bischen raus. Ausserdem gibt es hier keine Mücken, das nutzen wir aus für ein kleines Schläfchen und Fotos machen.
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Von dieser Bucht aus führt der Pfad dann bergauf über jede Menge Geröll zur Stadt zurück und macht echt nur wenig Spaß. Ich würde jedem empfehlen, den Weg zurück zu gehen, den man gekommen ist, dann kann man sich nochmal die ganzen Eismaßen ansehen anstatt über Steine zu stolpern und sich bergauf und -ab zu quälen ! Zurück im Apartment erstmal duschen und gleich danach gehen wir die Straße runter in ein kleines Café was essen. Der Lachs schmeckt ganz gut, ist aber auch nur so ein Standard Tiefkühlseelachs. Die Pizza von Sven sieht da schon viel besser aus und das Rentierfleisch darauf schmeckt sogar echt lecker. Ich glaube die nennt sich Pizza Caribou. Mehr oder weniger satt gehen wir noch bei der Post vorbei und ich werfe nochmal Postkarten in den Kasten. Abends bin ich so ko, dass Sven alleine nochmal zum Sonnenuntergang los muss um Fotos vom Eis zu machen.
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Montag, 24.08.

Richtig Service heute: Wir wurden nicht nur am Flughafen Ilulissat abgeholt vom Hotel Icefjord, die bringen uns auch wieder hin. Der Flug geht planmässig und so stehen wir um kurz nach 13 Uhr wieder in Kangerlussuaq an unserem Schliessfach und packen da alles rein, was wir für die nächste Nacht nicht brauchen. Direkt gegenüber vom Flughafen gibt es einen kleinen Souvenirladen, dort kann man auch Mountainbikes leihen. Wir mieten uns 2 Stück um damit zum Inlandeis bzw. Russel Gletscher zu fahren. 80 % von Grönlands Landfläche ist von Eis bedeckt. Es gehört zu einer von nur zwei Eiskappen weltweit und existiert bereits seit ca. 18 Millionen Jahren. Das besondere ist, dass eine Straße dort hin führt. Wobei Straße wirklich sehr höflich ausgedrückt ist, denn eigentlich ist es eine ziemlich üble Schotterpiste mit Hubbeln und grossen Steinen ohne Ende. Ausserdem ist ein ziemlich langes Stück dieser Straße aus reinem Sand. Straße wird die Piste wohl genannt, weil ein Automobilhersteller diesen Weg angelegt hat, um im Winter seine Fahrzeuge hier zu testen. Da dann Schnee und Eis über der Straße liegen, ist der Untergrund ja eigentlich fast egal, was man der Qualität auch ansieht. Wie auch immer, nach 20 Minuten auf dem Rad tut mir schon mächtig der Hintern weh.
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Keine Ahnung, ob Mountainbikesättel so derart hart sein müssen, aber bequem ist anders. Dazu geht es in fröhlichem Wechsel steil bergauf und bergab und für eine Weile durch Sand, wie schon erwähnt. Angeblich sind es bis zum Eis 25 km, aber wir schätzen eher, dass man ab 25 km das Eis sehen kann. Um bis dran zu kommen, muss man nochmal so 10 draufpacken. Wir kommen oberhalb von einem Tal an, auf der anderen Seite sieht man den Fuß des Gletschers. Hier stellen wir unser Zelt auf und kochen uns was fast warmes zu Essen, der Kocher spinnt irgendwie.
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Da ich total hinüber bin, fährt Sven mit dem Rad alleine bis zum Gletscher und ihm gelingen einige richtig geile Bilder, hier ein kleiner Ausschnitt:
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Gegen 0 Uhr nachts liege ich alleine im Zelt und friere so krass, dass ich nichtmal schlafen kann. Ich ziehe alle Klamotten an, die ich dabei habe, ziehe den Reisverschluss bis oben zu, aber dann ist meine Nasenspitze immer noch eiskalt. Irgendwann in der Nacht taucht Sven dann wieder auf, dadurch wird es aber leider auch nicht wärmer im Zelt.

 

Dienstag, 25.08.

Total gerädert komme ich aus dem Zelt, die Sonne scheint und es ist ganz gut auszuhalten. Geschlafen habe ich so gut wie gar nicht, bei Sven bin ich mir nicht sicher. Wir packen alles zusammen und schwingen uns gegen 10 Uhr auf die Räder, um 13 Uhr müssten wir eigentlich die zurück geben. Der Rückweg ist ein wenig angenehmer, es geht häufiger bergab und ich kann dann stehend rollen. Sitzen geht auf dem Untergrund gar nicht und bergauf schiebe ich lieber. Aber wie gesagt, zurück geht es etwas leichter und wir sind tatsächlich um kurz nach 13 Uhr wieder in Kangerlussuaq und geben die Räder zurück.

Auf der Flughafentoilette kann man sich notdürftig etwas waschen und aus unserem Schliessfach nehmen wir uns halbwegs frische Sachen. Da wir wissen, dass Bill heute von hier aus nach Kopenhagen fliegt, schauen wir mal ins Café des Flughafen rein und finden ihn tatsächlich dort sitzend. Sein Flug hat ein paar Stunden Verspätung, weil man wohl noch wartet, bis ein anderer Flieger aus Sisimiut ankommt, in dem Leute sitzen, die auch nach Kopenhagen wollen. Okay. Um 16 Uhr verabschieden wir uns, bis der Flieger startet vergeht aber mindestens nochmal eine Stunde. Unser eigener Flug ist morgen früh um 11 Uhr, was bedeutet, noch 18 Stunden hier am Flughafen rumhängen und warten.
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Immerhin gibt es hier was vernünftiges zu essen: Traditionellen Moschusochsenburger mit Pommes und Cola 🙂 Gegen 22 Uhr leert sich der Flughafen, das Café schliesst und wir räumen unser Schliessfach aus. Ich bringe den Schlüssel nach oben zur Rezeption und irgendjemand verrechnet sich bei der Abrechnung. Von meiner Anzahlung bekomme ich 75 % zurück und muss auch nichts mehr nachzahlen. Somit kostet uns das Schliessfach für 16 Tage (oder so) gerade mal 6-7 EUR. Okay, vielen Dank 🙂 In aller Ruhe packen wir unsere Rucksäcke. Zum Glück waren wir schlau genug, von zu Hause frische Klamotten mitzubringen für den Rückflug, die lagen ja jetzt 2 Wochen hier im Flughafen bereit. Mit Ohrstöpseln und Buff über den Augen versuche ich etwas zu schlafen, aber so richtig klappt das nicht. Bestenfalls mal ein paar Stunden dösen ist drin. Echt merkwürdig, da ich ja letzte Nacht schon nicht gepennt habe. Nunja …

 

Mittwoch, 26.08.

…um 6 Uhr sitze ich jedenfalls wieder und sehe dem Sonnenaufgang über dem Rollfeld zu. Ich sehe auch, dass die Putzkolonne kommt und wieder geht. Das ist die Chance, den Waschraum zu benutzen, solange er noch sauber ist, bevor die ersten Gäste ankommen. Es tut gut, in saubere Sachen zu steigen, auch wenn man selber nicht mehr ganz so frisch riecht. Ebenfalls super finde ich, dass man sein Gepäck schon einchecken kann, sobald der Schalter öffnet. Also gebe ich meinen Rucksack um 8 Uhr ab und habe nur noch mein Handgepäck. Die restlichen Stunden bis zum Abflug gehen auch irgendwie rum, genau wie der Flug nach Kopenhagen.
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Dort kommen wir wegen der Zeitumstellung gegen 20 oder 21 Uhr an, setzen uns eine ganze Weile in den Burger King und gehen dann langsam Richtung Departure Halle.

 

Donnerstag, 27.08.

Um 6 Uhr startet unser Flieger nach DDorf. Ich hatte gedacht, bis dahin könnte ich etwas schlafen, immerhin bin ich jetzt schon 2 oder 3 Tage wach, ich weiss es schon gar nicht mehr. Dummerweise finden in der Abflughalle arbeiten mit der Schlagbohrmaschine statt, mitten in der Nacht. Also wohl doch keinen Schlaf. Ich lasse Sven auf seiner Isomatte liegen und verziehe mich eine Halle weiter und versuche dort mein Glück auf den Wartesitzen. Die haben aber alle Armlehnen an jedem Sitz, sodass man sich nicht hinlegen kann. Ich gebe endgültig den Versuch auf, noch zu schlafen und logge mich ins Airport WiFi ein. Gucke ich mir halt noch ein paar Stunden Youtube Videos von mehreren Travel-Vloggern an, kein Problem. Dann endlich ist die Zeit zum einchecken gekommen, wir werden unsere fetten Rucksäcke los und setzen uns oben in den Transitbereich. Eine halbe Stunde vor´m Boarding schlage ich vor, schonmal zum Gate zu gehen. Zum Glück, denn kurz darauf kommt eine Durchsage, die uns beide dazu aufruft doch mal allmählich bei unserem Gate vorbeizuschauen, sonst fliegen die nämlich ohne uns ! So kommt es, dass wir nach quasi 2 Tagen Heimreise zum letzten Flug noch rennen müssen 🙂 Aber es geht alles gut, wir werden in DDorf von Sven´s Frau abgeholt und kommen zum Frühstück wohlbehalten in der Heimat an.

 

Fazit: Eine für mich mega anstrengende Tour. Vielen vielen Dank an Sven, dass Du mich da durch geschleppt hast und nicht auf mich gehört hast, als ich sagte, ich will zurück gehen !! Man kann seinen inneren Schweinehund also besiegen, man muss nicht den „easy way out“ suchen. Dadurch wächst man auch innerlich, finde ich. Mir hat diese Reise jedenfalls viel beigebracht und ich nehme wichtige Dinge für mein Leben daraus mit. Nochmal würde ich die Tour aber nicht gehen. Die Natur ist überwältigend und wunderschön (von den Milliarden Mücken abgesehen) und man fühlt sich winzig klein und unbedeutend. Aber diese Erkenntnisse habe ich mit viel Schmerz erkauft. Wie gesagt, habe ich daraus gelernt, vor allem aber, mich auf sowas so schnell nicht wieder einzulassen. Die nächste Tour wird definitiv um einiges einfacher werden, das habe ich mir fest vorgenommen. Schliesslich ist das ja Urlaub und soll Spaß machen ! Seht Euch nur diese beiden Semi-professionellen Trekker an, wieviel Spaß sie haben beim GoPro einstellen 🙂

IF

Wenn Euch dieser Bericht gefallen hat oder Ihr Fragen oder Anregungen habt, dann ab in die Comments damit, das würde mich sehr freuen !

Ich habe auch nichts dagegen, wenn ihr diesen Bericht anderswo teilen würdet mit Euren Freunden usw 😉

Wollt Ihr selber auch mal nach Grönland ? Wo wollt Ihr unbedingt mal trekken ? Schreibt mir in die Comments !

7 thoughts on “150 km durch die Arktis – Der Arctic Circle Trail in Grönland (2015)

  1. Bernard

    Sehr sehr cooler Bericht. Liest sich gut. Macht Lust selbst mal die tour zu machen. Bis auf die Kälte und die Mücken…Find ich gut dass du deine eigenen Grenzen erreichen konntest und überwinden.

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Danke Dir, freut mich immer, wenn Berichte gut ankommen und dafür auch ein Feedback kommt. Grenzen erreichen und überwinden (zumindest teilweise) trifft es echt ziemlich genau !

      Reply
  2. Chris

    Hey Schwerti,
    habe eben schon Deinen Bericht auf ODS kommentiert.Nochmal Hut ab vor Eurer Leistung.Da ich den ACT gerne 2017 angehen will (2016 ist schon fest verplant),finde ich hier viele nützliche Infos.Würde Dir aber gerne noch 2000 Fragen stellen.
    Grüße aus Düsseldorf,
    Chris

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hallo Chris. Danke für Deine netten Worte !
      Freut mich, wenn Dir der Bericht weiterhilft. Fragen kannst Du gerne hier stellen.
      Wenn es dann doch 2000 sind, schreib mir doch einfach eine Mail.
      Viele Grüße zurück den Rhein hinab 😉

      Schwerti

      Reply
  3. Tina & Stefan

    Sehr schöner, intensiv geschriebener und informativer Bericht! Danke dafür! Wir können in Vorbereitung unseres eigenen Grönlandurlaubs viele Informationen sehr gut gebrauchen und freuen uns nun noch mehr darauf.

    Viel Spaß und Erfolg bei allen weiteren Touren wünschen wir Dir!

    Beste Grüße aus der Nachbarschaft

    Tina & Stefan

    Reply
  4. Kristin

    Hey Schwerti,
    toller Bericht und super schöne Fotos! Da würde ich am liebsten gleich in den nächsten Flieger steigen!!!
    Nur die Mücken nerven bestimmt ziemlich. Aber krasse Leistung, auch grade mit der Blase gleich am Anfang. Ich müßte auf jeden Fall erstmal trainieren, um die Strecke mit Gepäck laufen zu können. Ich hab mich letztes Jahr total in Grönland verliebt als wir im Nordost-Grönland-Nationalpark unterwegs waren. Das war allerdings bequem an Bord eines Expeditionsschiffs mit tagsüber Wandern ohne Gepäck 😉
    Aber deine Bilder vom Arctic Circle Trail sind genial, ich muss definitiv irgendwann noch mal nach Grönland!
    Liebe Grüße
    Kristin

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hej Kristin,
      freut mich, dass Dir der Bericht gefallen hat. Ja, die Mücken nerven schon sehr. Da wäre tagsüber wandern ohne Gepäck schön gewesen 😉
      Wird es zu Deinem Grönland-Trip noch einen Bericht geben ? Mit dem Schiff würde ich da auch nochmal hin, glaub ich.

      Viele Grüße,
      Schwerti

      Reply

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