Olympic National Park & Peninsula – Washington

By | 27. Februar 2018

Ein Landstrich, so abwechslungsreich wie kaum ein anderer, das ist die Olympic Peninsula in Washington. Hier donnern die Wellen auf wilde Strände voller Treibholz, übersät mit etlichen aus dem Meer ragenden Felsen. Flüsse aus Gletschereis, Schnee und natürlich Regen streben dem Pazifik entgegen. Jene Flüsse, in denen zum Sommerende hin die Lachse in die entgegengesetzte Richtung zum laichen schwimmen. Schroffe, verschneite Berggipfel ragen über dem endlosen gemäßigten Regenwald auf. All dies bildet zusammen ein spektakuläres Ökosystem, einzigartig auf unserem Planeten und absolut sehenswert!

Die Olympic Halbinsel bekommt im landesweiten Vergleich mit den meisten Regen ab, was dem Bundesstaat Washington den Beinamen „Evergreen State“ eingebracht hat. Allein diese Halbinsel ist Heimat von 8 Ureinwohner Stämmen, unter anderem die vermutlich aus „Twilight“ bekannten Quileute . Bei der Planung meiner Weltreise habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden, von San Francisco aus nach Norden zu fahren. Es gibt schon gefühlt hunderte Berichte zum Grand Canyon und dem Südwesten der USA, aber den Nordwesten scheint kaum jemand auf dem Zettel zu haben. Zeit, das zu ändern !

Von Astoria, Oregon aus überquere ich den Columbia River nach Washington und fahre sogar noch einen kleinen Schlenker Richtung Mount St. Helens. Da der Weg ab dem 1. Visitor Center aber noch ganz schön lang ist, habe ich diesen Besuch auf später verschoben. Erst möchte ich die riesige, wilde Halbinsel erkunden und ich habe auch schon eine erste Basis-Station…

Olympic Peninsula

Olympic Peninsula Roadtrip Map Washington USA

Die Kalaloch Lodge liegt im Küstenabschnitt des Nationalparks. Eine Übernachtung kostet 139 USD und für meine 2 Übernachtungen inkl. aller Gebühren, Steuern und Restaurantrechnungen bin ich 392,64 USD los. Und Mitte April ist ja theoretisch noch Off-Season, also eigentlich ein Schnäppchen ;) Im Sommer kostet eine Nacht inzwischen 215,50 USD !

Am ersten Abend mache ich nicht viel. Nur runter zum Strand gehen und ein bisschen über Treibholz klettern. Nach dem kostspieligen, aber sehr leckeren Essen (NY Strip Steak + 2 Bier = 47 USD) setze ich mich in einen Sessel im Kaminzimmer und lese mein Buch weiter, wozu ich bisher in den USA noch nicht so häufig gekommen bin. Später gesellen sich weitere Gäste dazu und es ergeben sich einige nette Gespräche.

Kalaloch Lodge Driftwood Sunset Olympic Peninsula Washington USA

Room 1 (mein Zimmer) ist nicht vom Haupthaus erreichbar, sondern nur von außen über die Terrasse. Das Zimmer befindet sich neben der Küche, daher wohl auch so „günstig“. Trotzdem schöner Blick auf´s Meer ! Und Küchenzeit ist von 7 Uhr bis 22 Uhr, also stört das auch kaum.

Kalaloch Lodge Ocean View Sunset Olympic Peninsula Washington USA

Zur Lodge gehören auch einige Cabins. Wenn man zu zweit oder noch mehr reist, könnte so eine Hütte günstiger sein. Man kann in der Küche sein eigenes Essen kochen und muss nicht ins teure Restaurant der Lodge. Im kleinen Supermarkt an der Straße gibt es eigentlich alles, was man braucht.

Vielleicht fragt Ihr Euch, warum ich ausgerechnet hier für 2 Tage bleibe ?

  • Nach den ganzen Motels und Hostels will ich mal in einem richtigen Hotel mit Restaurant übernachten, wo man im Kaminzimmer sogar noch Leute kennenlernen kann.
  • Die Lage ist für mich ideal, um die Strände und auch den Regenwald zu erkunden.
  • Lake Quinault Lodge ist zu weit weg vom Meer und in Forks möchte ich auf keinen Fall übernachten, weil ich keine Lust habe auf Twilight Kram. Außerdem will man da nicht gerade lange bleiben, dazu aber später mehr.

Olympic National Park

Olympic National Park Sign Washington USA

Beach 4 ist nur ein paar Minuten den Highway 101 rauf Richtung Norden und gut ausgeschildert. Zur Ebbe kann man in den sogenannten Tide Pools Meereslebewesen wie Anemonen, lila Seesterne und vieles mehr finden. Wie gewohnt ist der Weg vom Parkplatz nicht weit. Nur kurz bergab durch ein Stückchen Wald und schon ist man am Strand. Leider fängt es auch an zu schütten wie aus Eimern und ich bin in kürzester Zeit komplett nass. So bleibe ich einfach da, mache aber nur noch wenige Fotos, bevor meine Kamera den Geist aufgibt. Die Infos von der Lodge vorab stimmen, es gibt tatsächlich eine Menge Vielfalt in den kleinen Pools, die sich in den Felsen gebildet haben.

Tide Pools Olympic Peninsula Beach 4 Washington USA

Tide Pools Olympic Peninsula Beach 4 Washington USA

Tide Pools Olympic Peninsula Beach 4 Washington USA

So klitschnass kann ich allerdings nicht weiter fahren, also kurz zurück zur Lodge, heiß duschen und trockene Sachen anziehen. Natürlich ist der Weg jetzt zum Ruby Beach etwas länger, dafür hört unterwegs der Regen auf und ich komme trocken bis zum Strand. Hier ist es zum Glück „nur“ heftig windig :) Tide Pools finde ich keine mehr, dafür stehen überall fette Felsbrocken rum, die so typisch für die Küsten im Pacific Northwest sind.

Ruby Beach Olympic Peninsula Washington USA

Ruby Beach Olympic Peninsula Washington USA

Ruby Beach Olympic Peninsula Washington USA

Auch wenn es durch den Wind richtig kalt ist und es bei dem Himmel jederzeit wieder anfangen könnte zu regnen, bleibe ich doch ziemlich lange hier am Ruby Beach. Das ist einfach genau das, was ich mir immer unter dem PNW vorgestellt habe! Wer weiß, wann ich nochmal her kommen kann? Also bleibe ich so lange es geht, schaue auf´s Meer hinaus und spiele etwas mit meiner Kamera rum. Das Stativ habe ich schließlich durch Australien und Neuseeland auf dieser Reise geschleppt und erst 2 oder 3 Mal benutzt. Sogar ein Bild mit Vordergrund kommt dabei raus. Und dabei stehe ich eigentlich gar nicht so sehr auf diese Art Bilder. Gefällt mir aber trotzdem ganz gut, daher teile ich es an dieser Stelle mal.

Ruby Beach Olympic Peninsula Washington USA

Ruby Beach Olympic Peninsula Washington USA

Nach diesem „Shooting“ geht es noch etwas weiter nach Norden und dann rechts ab Richtung Hoh Rainforest Visitor Center. Der Eintritt in den National Park ist frei, da brauche ich meinen Annual Pass gar nicht erst raus holen. Über die kurvige Straße sollte man auf jeden Fall langsam und aufmerksam fahren ! Nicht nur, um keinen Unfall zu bauen oder irgendwas zu überfahren – der Wald ist voller Leben und wer weiß, was man verpasst, wenn man blind drauf los fährt ?! Aus dem Augenwinkel fällt mir eine Bewegung auf und ich halte an, hinter mir ist eh niemand. Rechts neben der Straße, auf einer Lichtung, stehen jede Menge Roosevelt Elk´s.

Roosevelt Elk Hoh Rainforest Olympic Peninsula Washington USA

Roosevelt Elk Hoh Rainforest Olympic Peninsula Washington USA

Roosevelt Elk Hoh Rainforest Olympic Peninsula Washington USA

Einen der vielen Wanderwege vom Visitor Center aus kann ich mir abschminken. Es schüttet wieder ohne Ende. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob ich ganz alleine durch diesen Wald stapfen möchte. Es weiß ja niemand, dass ich hier bin. So verlockend es auch wäre, für eine Weile durch die saftig-grünen Wälder zu streifen, so riskant ist es meiner Meinung nach auch. Zumindest für mich alleine, der zum ersten Mal überhaupt hier ist. Als der Regen aber kurz nachlässt, springe ich doch schnell aus dem Auto und drehe eine große Runde um das Visitor Center. Nur ein paar Minuten, die mich aber wieder total begeistern. Die Kamera weg stecken geht eigentlich gar nicht ;)

Hoh Rainforest Olympic Peninsula Washington USA

Hoh Rainforest Olympic Peninsula Washington USA

Auf dem Weg zurück Richtung Lodge parke ich an einer Stelle mit tollem Blick auf den Hoh River und sitze bestimmt eine Stunde hier in der Hoffnung, dass sich noch irgendwelche Tiere zeigen. Leider tut sich nichts mehr, aber der Tag war sowieso ziemlich genial, also kein Problem.

Hoh Rainforest Hoh River Olympic National Park Washington USA

Der nächste Morgen; Wieder gibt es ein üppiges, leckeres Frühstück. Ich bin so froh, dass ich von der Dame an der Rezeption beim Einchecken Coupons bekommen habe. Es ist halt noch vor der Saison und alles läuft irgendwie ganz locker. Ich habe das Gefühl, dass ich gerade das Versuchskaninchen für die neue Frühstückskarte spiele. Alle fragen dauernd, ob alles okay ist oder ob ich noch etwas mehr hiervon oder davon möchte. Trotzdem breche ich schweren Herzens auf. Die Zeit hier war wirklich schön, aber irgendwann muss es ja auch weiter gehen.

Schon nach etwa 40 Minuten erreiche ich Forks, das man kaum eine Stadt nennen kann. Eigentlich sieht es hier sogar extrem trostlos aus, fast wie eine Geisterstadt. Mal von den gelegentlich vorbei knatternden Pickup-Trucks abgesehen. Dennoch wird immer noch mit „Twilight“ Geld verdient. Im Ort biege ich links ab nach La Push, einer Siedlung der Quileute Indianer. Ich will unbedingt den Rialto Beach sehen mit dem ganzen Treibholz, den Felsen im Meer und den mächtigen Wellen, die hier rein rollen. Ein beeindruckender Anblick!! Ich bleibe auf einem der Baumstämme am Ufer sitzen und vergesse für vielleicht eine Stunde völlig die Zeit.

Forks La Push Rialto Beach Olympic Peninsula Washington USA

Forks La Push Rialto Beach Olympic Peninsula Washington USA

Forks La Push Rialto Beach Olympic Peninsula Washington USA

Tipp für Olympic National Park: Regenhose und Gummistiefel !

Noch mehr Tipps und Eindrücke bei

Port Angeles und Kanada

Dann geht es weiter, wieder auf den Hwy 101 Richtung Nordosten. Zum Mittagessen halte ich an der Lake Crescent Lodge am gleichnamigen See. Nur leider gibt es kein Essen, da die Lodge noch ein paar Wochen geschlossen hat, bis die Saison los geht. Schade, aber am Seeufer ist es trotzdem schön, sieht fast wie ein Fjord aus.

Lake Crescent Lodge Olympic Peninsula Washington USA

Lake Crescent Lodge Olympic Peninsula Washington USA

Bis zum heutigen Ziel, Port Angeles, geht es nach diesem Stopp in einem Stück durch. Der Himmel scheint endlich aufzulockern und auch der ständige Nieselregen lässt nach, daher fahre ich nicht direkt zum Hotel, sondern zum „Ediz Hook“, einer Landzunge gegenüber der Stadt. Von hier hat man eine super Sicht auf Port Angeles und die Olympic Mountains dahinter. Noch ein Tipp: Nicht zu nah an oder gar auf die Militärbasis fahren, da werden die ganz nervös. Zu meiner Verteidigung; ich wusste nicht, dass man da nicht weiter kann und bin einfach mal drauf los gefahren. Wenn ich bisher etwas gelernt habe, dann dass man immer ganz nah an alles ran fahren kann. Es sei denn es sind Militärstützpunkte!

Das Downtown Hotel hatte mir jemand in Portland empfohlen. Mit 45 USD (37 EUR) ist es günstiger als ein Motel und auch ein wenig komfortabler. Das Auto kann man gegenüber auf einem kleinen Parkplatz abstellen. Abends gehe ich im Kokopelli Grill noch einen leckeren Cheeseburger essen, bevor ich mich ziemlich müde ins Bett haue.

Am nächsten Morgen fahre ich mit der Black Ball Ferry Line nach Victoria, der Hauptstadt von British Columbia in Kanada. Da war ich ja 2014 bereits für 2 Nächte. Bei der Abfahrt in Port Angeles ist einfach mal absolut perfektes Traumwetterchen ! Man sieht die Olympic Mountains mit Schnee auf den Spitzen und strahlend blauem Himmel dazu. Und ich sitze auf der Fähre und fahre nach Kanada … Oo

Port Angeles Olympic Mountains Panorama Washington USA

Port Angeles Olympic Mountains Panorama Washington USA

Rein und nachher wieder raus aus Kanada ist als Fußgänger auf der Fähre ganz easy. Das machen täglich tausende Leute und es läuft alles glatt. Allerdings ist der Himmel in Victoria komplett grau und voller Regenwolken. Wieder ärgere ich mich, dass ich nicht in die Berge gefahren bin und stattdessen 37 USD (31 EUR) für die Fährtickets bezahlt habe. Als Fußgänger wohlgemerkt! Aber es war einfach zu reizvoll, mal eben noch ein weiteres Land auf meiner Weltreise hinzuzufügen :) Und die Stadt ist ja auch sehr schön, da kann man schon ein paar Stunden verbringen. Nur halt nicht so gut, wenn es regnet. Daher knipse ich mal das Parliament Building und verbringe danach etwas Zeit im Pub beim Fußball gucken. Als ich abends wieder in Port Angeles ankomme, sind auch hier Regenwolken aufgezogen. Die Entscheidung, heute nichts mehr zu machen, fällt leicht.

Victoria British Columbia Parliament Building Kanada

Am Tag der Abreise in Port Angeles fahre ich endlich rauf zum Hurricane Ridge Visitor Center auf 1599 Meter. Heute ist wieder schlechtes Wetter, als hätte es den Tag gestern gar nicht gegeben. Je höher ich komme, desto dichter der Nebel. Es gibt ein paar Viewpoints unterwegs, sehen kann man aber nichts außer endlose Bergrücken, komplett mit Wald bewachsen.

Hurricane Ridge Olympic Mountains Washington USA

Ganz oben angekommen liegt Schnee und das Visitor Center ist geschlossen. Gut, drehe ich halt direkt wieder um und habe sogar mal Glück – auf dem Rückweg stehen 2 Maultierhirsche mitten auf der Straße. Fotos gibt es aber keine, sorry! Nur zur Abwechselung mal wieder etwas Schnee:

Hurricane Ridge Olympic Mountains Washington USA

Somit verlasse ich Port Angeles und kurz darauf auch die Olympic Peninsula. Die Fähre von Port Townsend nach Coupeville sollte man unbedingt vorbuchen, wenn man sie benutzen möchte! Es gibt ewige Warteschlangen am Fähranleger, als ich da ankomme. Mir und den Autos hinter mir wird geraten, eine Alternative zu nutzen, weil die Situation hier völlig überlastet sei.

Die Alternative: 56 km nach Kingston fahren. Die Fähre von Kingston nach Edmonds nehmen, dauert 30 Minuten und kostet 14,25 USD (12 EUR). Dann die Interstate 5 nach Norden und nach ca. 90 km abbiegen nach Fidalgo Island, meinem nächsten Ziel.

Hoffentlich seid Ihr nächstes Mal wieder mit dabei. Euch erwartet umwerfende Natur, diesmal in der Juan de Fuca Strait und ein echter Geheimtipp !

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US-Westküste bisher:

6 thoughts on “Olympic National Park & Peninsula – Washington

  1. Anke

    Wow, richtig schöne Eindrücke aus dem Olympic. Die Tide Pools sehen ja toll aus. Einer von vielen Gründen noch mal dorthin zu fahren, denn die haben wir bei unserem Besuch nicht gesehen. Lieben Dank für deine Verlinkung zu unserem Blog!

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hi Anke!
      Vielen Dank für den netten Kommentar. Gern verlinkt, ich mag Eure USA und Kanada Berichte total gerne. Bei Euren Foto-Skills kommen bestimmt irgendwann super Bilder der Tide Pools zustande. Ich kann auf jeden Fall gut verstehen, dass Ihr nochmal hin wollt. Mir geht´s genauso.

      Reply
  2. Nadine

    Oah, du hast Elche gesehen? Ich bin absolut neidisch!
    Witzig auch, wie ähnlich sich unsere Bilder sind. Als wären wir gemeinsam dort gewesen… ;)
    Vielen lieben Dank fürs Verlinken!

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Ja, da musste ich auch dran denken, als ich meine Bilder ausgesucht habe. Die ähneln Euren schon sehr.
      Die Hirsche waren übrigens echt toll, da habe ich so 15 Minuten bestimmt gestanden. Aber hey, wieder was für´s nächste Mal ;)

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  3. THphotography

    Ein sehr sehr schöner Artikel. Toll geschrieben und schöne bebilderte Eindrücke. Die Gegend sieht wirklich verlockend für eine Reise aus, wann nur soll man all diese grandiosen Ziele bereisen ;-)?
    Danke für das Vorstellen dieses mir bisher unbekannten wunderschönen Reiseziels.
    VG Torsten

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Danke Dir, Torsten!
      Statt wieder in den Südwesten zu fahren, könntest Du ja auch in den Nordwesten fahren ;) Ich bin aber froh, dass Du die Ecke jetzt auf dem Schirm hast. Kommen auch noch ein paar mehr Beiträge dazu. Wenn Du es mal dahin schaffst, bin ich gespannt, wie Deine Fotos wohl aussehen werden. Bis auf die LZBs bin ich nämlich extrem neidisch auf Deine krass guten Bilder! Bestimmt interessant, wie ein richtiger Fotograf die Gegend knipst.

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