Wälder, Wasserfälle und Vulkane – Roadtrip in Washington

By | 29. April 2018

Der Bundesstaat Washington ist wie geschaffen für einen spannenden, abwechslungsreichen Roadtrip. Von den Vulkanen in den Cascade Mountains, über die Olympic Peninsula, in die Juan de Fuca Meerenge, rüber nach Osten durch Wälder und noch mehr Berge. Mit dem finalen Ziel, in einer der lebenswertesten Städte der Welt die Reise zu beenden: Seattle !

Roadtrip Map Washington State USA

Roadtrip

Die Tage auf Fidalgo Island waren eine dringend benötigte Auszeit vom ständigen Wechsel der Unterkünfte. Tagsüber die Insel erkunden und Abends entweder am Hafen oder am Kamin sitzen, das hat die Batterien wieder aufgeladen. Leider muss ich weiter, es gibt noch so viel zu sehen im Evergreen State. Ein weiteres Mal ist es ein Touristenmagnet, der auch mich anzieht…

Die 82 Meter hohen Snoqualmie Falls. Natürlich mit Besucherzentrum (was bedeutet: Souvenirshop) und riesigem Parkplatz. Entsprechend voll ist es hier. Aber von oben auf den 30 Meter breiten Wasserfall zu blicken ist schon richtig klasse, auch wenn man sich die Aussicht an einem schönen Tag wie heute mit vielen anderen Menschen teilen muss. Ich brauche aber auch noch etwas Bewegung nach der Zweistündigen Fahrt von Anacortes hierher, also entscheide ich mich noch zu dem kurzen Fußweg zur unteren Aussichtsplattform.

Upper Snoqualmie Falls Platform Washington USA

Upper Snoqualmie Falls Platform Washington USA

Hier trennt sich mal wieder die Spreu vom Weizen. Den meisten Gästen genügt es scheinbar, vom Parkplatz zur Plattform zu gehen, Fotos zu machen und weiterzufahren. Ich begegne auf dem kurzen Stück bergab durch ein Wäldchen kaum jemandem, und wenn schnaufen die ganz ordentlich. Meiner Meinung nach lohnt sich der Weg auf jeden Fall, denn von unten hat man einen absolut fantastischen Blick auf die Snoqualmie Falls. Hier treffe ich 2 junge Frauen aus Neuseeland. Wir unterhalten uns ein wenig und machen noch ein Beweisfoto von mir vor dem Wasserfall. Eigentlich mag ich ja keine Bilder von mir aus dieser Nähe, schon gar nicht vor so einem phänomenalen Hintergrund. Aber weil ich das Foto mit dieser netten Begegnung verbinde, kommt es auch in diesen Bericht. Schließlich ist ein großer Teil des Reisens ja der Kontakt mit neuen Leuten !

Snoqualmie Falls Lower Platform Washington USA

Der Weg zurück bergauf führt wieder durch das grüne Wäldchen, welches sich großspurig Snoqualmie Forest nennt. Von Ahornbäumen über Erlen, Fichten und Zedern stehen hier zwar schon eine Menge Bäume. Vergleichbar mit den riesigen Wäldern der Olympic Peninsula ist das aber nicht. Trotzdem ist es nett, vor allem aber angenehm still und saftig grün.

Snoqualmie Forest Hike Washington USA

Snoqualmie Forest Hike Washington USA

Von den Snoqualmie Falls geht es über die Interstate 90 Richtung Süd-Osten. Habe ich gerade noch gesagt, das Wäldchen vorhin war nicht sonderlich beeindruckend ? Nun, der Wenatchee National Forest, durch den die Straße führt, ist definitiv beeindruckend ! An einem Rastplatz halte ich kurz an, um mir die Beine zu vertreten und mache einen Schnappschuss von der Aussicht auf die Wenatchee Mountains.

Wenatchee Mountains Interstate 90 Washington USA

Auch auf dem 919 Meter hohen Snoqualmie Pass halte ich kurz an. Überall Schnee und Berge. Die I-90 führt quer durch die Cascade Range, zu denen Mt. Rainier, Mt. Hood und auch Mount St. Helens gehören. Von der Tankstelle am Pass aus kann ich allerdings keine schönen Bilder der Umgebung machen. Es ist schon spät und noch ein gutes Stück bis Ellensburg, wo ich heute im Super 8 Motel übernachten werde. Direkt gegenüber ist ein Wendy´s praktischerweise, das bedeutet leckere Burger zum Abendessen :)

Abends sitze ich dann am Laptop und plane den nächsten Tag. Ich will eventuell Rafting auf dem Columbia River machen. Also suche ich einen Anbieter raus und versuche da anzurufen. Die haben eine merkwürdige Vorwahl: 091-14…irgendwas. Jedenfalls wähle ich scheinbar die 911, und was das bedeutet könnt ihr Euch ja vorstellen. Ich lande aus Versehen beim Ellensburg Police Department, versichere der Frau am Telefon aber, dass ich keinen Notfall habe und alles in Ordnung ist. Keine 5 Minuten später klopft es an meiner Tür, durch das Guckloch sehe ich einen Cop auf dem Gang stehen. Als ich ihm öffne und er mit der Hand an seiner Waffe kritisch in mein Zimmer schaut, geht mir schon ein bisschen der Kackstift. Ich versichere auch ihm, dass alles Okay ist und ich mich lediglich verwählt habe. Plötzlich taucht neben der Tür noch ein zweiter Cop auf, den ich vorher nicht sehen konnte. Einerseits bin ich ja froh, dass die gekommen sind und nachschauen, auf der anderen Seite ist es krass zu erleben, wie die vorgehen müssen, um auch sich selbst zu schützen.

Nach diesem Erlebnis checke ich nochmal online meinen Kontostand. Das erste Mal, seit ich Neuseeland verlassen habe. Da trifft mich dann der Schlag; kaum noch Geld auf dem Konto! Zum Glück habe ich das Rafting nicht gebucht, das war nämlich ziemlich teuer. Kurzfristig schmeiße ich meine Pläne um und entscheide mich, früher als geplant nach Seattle zu fahren.

Vulkane der Cascades

Am nächsten Tag fahre ich über die Interstate 82 Richtung Süden. Gestern und heute sind Hitzerekorde in Seattle gebrochen worden, und auch hier in den Bergen ist es richtig heiß. Außerdem sieht es hier teilweise aus wie in der weiten Steppe. Trockenes Grasland so weit das Auge reicht. Hinter der Fred G. Redmon Memorial Bridge halte ich auf einem Rastplatz, um ein Foto der Brücke zu machen. Da steht ein Schild mit einer Warnung: Klapperschlangen !

Fred G. Redmon Memorial Bridge Selah Creek Yakima Washington USA

Über den White Pass geht es wieder Richtung Westen. Ich möchte zum Mt. Rainier National Park. Unterwegs sind aber alle Zufahrtswege gesperrt, Longmire Visitor Center ist geschlossen. Da bleibt mir erstmal nichts weiter übrig, als in Randle zu halten und im Mt. Adams Cafe beim Mittagessen einen neuen Plan auszubrüten. Mit der Hilfe der Kellnerin entschließe ich mich dazu, zum Mount St. Helens zu fahren. An der Stelle möchte ich noch die tollen Aussichtspunkte entlang des White Pass erwähnen. Da wäre die tolle Spiegelung im Rimrock Lake, die Aussicht auf die Clear Creek Falls und der Mt. Rainier Lookout mit schöner Sicht auf diesen riesigen Vulkan !! Und das Essen im Mt. Adams Cafe ist auch richtig gut, falls Ihr da mal vorbei kommen solltet.

Rimrock Lake Reflection White Pass Washington USA

Clear Creek Falls White Pass Washington USA

Mt. Rainier Lookout White Pass Washington USA

2 Stunden dauert die Fahrt insgesamt. Ich komme auch wieder an dem Visitor Center vorbei, an dem ich schon auf dem Weg zum Olympic National Park kurz angehalten hatte. Dieses Mal freue ich mich auf die Strecke über den Spirit Lake Highway. Überall gibt es Trailheads, von denen aus man bestimmt tolle Wanderungen unternehmen kann. Dafür habe ich allerdings im Moment kein Auge, denn in der Ferne ist bereits Mount St. Helens zu erkennen.

Mount St. Helens Spirit Lake Highway Washington USA

Auch an der Hoffstadt Creek Bridge halte ich nicht an, obwohl die sicher einen Blick wert ist, so wie sie hier mitten in die Wildnis gebaut wurde. Doch ich will jetzt endlich den letzten der bekannten Vulkane in Washington sehen, den ich noch nicht kenne. Dummerweise ist die Straße ab Coldwater Lake gesperrt und ich kann nicht bis zum Johnston Ridge Observatory fahren. Ich parke also an einem guten Aussichtspunkt und mache es mir auf der Motorhaube meines Mietwagens bequem. In der Sonne brutzelnd kann ich den Blick nicht vom Mount St. Helens abwenden. Was für ein wundervoller Vulkan, der durch die unfassbare Kraft der Explosion 1980 seine jetzige Form erhalten hat. Nach ein paar Stunden steht für mich fest: Das da drüben ist mein Lieblingsberg !

Hier geht es zur Blogparade mit dem Thema „Meine 3 Lieblingsberge“

Mount St Helens Washington USA

Bevor es dunkel wird, mache ich mich schweren Herzens auf den Rückweg. Zu gerne würde ich den Sonnenuntergang hier erleben. Aber ich habe noch keine Ahnung, wo ich heute übernachten soll und es gibt keinen Empfang hier draußen, um Motels zu googeln.

Mount St Helens Washington USA

Letzten Endes lande ich im Motel 6 in Kelso an der Interstate 5. Hier räume ich meinen Mietwagen komplett leer und schaffe alles auf mein Zimmer. Jetzt weiß ich auch, warum ich fast kein Geld mehr auf dem Konto habe :) Die vielen Souvenirs auf meiner 3 Monate dauernden Weltreise haben sich ganz schön angehäuft, obwohl ich zwischendurch etwas per DHL nach Hause geschickt habe. Mein Trolley ist voll, ebenso mein Tagesrucksack. Trotzdem liegen noch T-Shirts, Panoramaposter, Wein aus Napa und ein Bumerang aus Sydney auf dem Bett. Natürlich kann ich nichts davon einfach hier lassen, also fahre ich nochmal schnell zum nächsten Target und besorge eine kleine Sporttasche. Hier findet alles Platz, plus die Sachen, die ich garantiert noch in Seattle kaufen werde.

Roadtrip-Ende

Fast einen ganzen Monat bin ich jetzt im Pazifischen Nordwesten der USA mit meinem *Cadillac SRX unterwegs. So viele großartige Orte habe ich besucht und ein paar tolle Leute kennengelernt. Und heute geht dieser Roadtrip zu Ende. Allerdings habe ich mir eine Route zum Flughafen überlegt, die mich nochmal an einem Highlight vorbei führt. Ich fahre nicht stumpf über die Autobahn Richtung Seattle. Nein, ich biege auf die 12 ab und dann auf die 7 Richtung Tacoma. Zum Glück habe ich mich für diese Strecke entschieden. Der Eingang zum Mt. Rainier National Park ist offen !!

Mt. Rainier National Park Entrance Washington USA

Gut, bis zum Flughafen sind es zwar noch über 100 km, aber ich gebe den Wagen ja auch 2 Tage früher als geplant zurück. Da wird sich wohl niemand beschweren, wenn ich erst am späten Nachmittag aufkreuze. Also rein in den National Park, für den ich wieder mal meinen Annual Pass nicht brauche. Es ist National Park Week, die Parks feiern ein 100-jähriges Jubiläum und diese Woche dürfen alle Gäste umsonst rein. Allerdings ist heute ein Arbeitstag und auch erst kurz vor Mittag, es ist also nicht viel los. Ich fahre eine Weile durch den Park, drehe dann um und parke am 1. Viewpoint nach dem Eingang. Von hier startet ein kurzer Weg zu einem Aussichtspunkt auf den 4392 Meter hohen Mt. Rainier.

Mt. Rainier National Park Viewpoint Washington USA

Auch ein absoluter Prachtkerl dieser Berg. Immerhin der größte in der Cascade Range. Ich habe mir am St. Helens schon geschworen, dass ich auf jeden Fall nochmal wieder kommen werde. Wenn es soweit ist, will ich unbedingt auch den Mt. Rainier und den Nationalpark drum herum erkunden. Ist eine echt schöne Gegend und eine Schande, dass ich hier nur 1-2 Stunden mit dem Auto durchgefahren bin. Etwas geknickt kehre ich um zum Parkplatz und mache mich auf den Weg. Das letzte Stück zum Flughafen wartet.

Mt. Rainier National Park Viewpoint Washington USA

Bei Alamo gebe ich den Mietwagen ab, läuft alles ganz reibungslos. Dann suche ich im Departure Bereich des Flughafens nach Condor, weil ich mit denen ja in ein paar Tagen nach Hause fliegen will. Ich würde gerne meine zusätzliche Tasche schonmal vorab anmelden bzw. fragen, ob ich die mit an Bord nehmen kann. Aber die haben keinen Stand im Flughafen und deren Personal ist auch nur da, wenn ein Flug unmittelbar bevorsteht. Gut, dann halt erst beim Abflug. Ich folge den Schildern Richtung Shuttlebus und lande im Parkhaus bei Shuttle Express. Die Fahrt zum Hostel dauert 50 Minuten und kostet stolze 33 USD (28 EUR).

Was es in Seattle zu sehen und erleben gibt, erzähle ich Euch im nächsten Bericht.
Schaut wieder rein und erfahrt, warum Seattle zu einer meiner Lieblingsstädte wird !

 

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US-Westküste bisher:

6 thoughts on “Wälder, Wasserfälle und Vulkane – Roadtrip in Washington

  1. Manuela

    Ui, da sind ja richtig tolle Bilder dabei :-) Die Gegend steht auch schon länger auf meiner Wunschliste!

    LG Manuela

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Danke für die Blumen ;)
      Ja ist herrlich dort, wird Dir bestimmt gefallen, wenn Du mal da bist.
      VG, Schwerti

      Reply
  2. Wilde Hilde

    Hallo Stefan!
    Du verstehst es, Leute auf einen Roadtrip scharf zu machen :) Die Fotos sind absolut grandios. Der Mount St. Helens sieht atemberaubend aus… Schade, dass du den Sonnenuntergang nicht anschauen konntest. Ich vermute, dass du momentan in Seattle bist, daher: Viel Spaß!!
    Liebe Grüße aus dem Sauerland,
    die Wilde Hilde 🐿

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Liebe Wilde Hilde ;) danke für den netten Kommentar. Freut mich sehr, dass Dir der Bericht gefällt. Wenn Du dem Drang eines Roadtrips nicht mehr standhalten kannst…ja das kenne ich auch nur zu gut! Leider bin ich nicht in Seattle gerade. Aber Deine Vermutung passt schon, denn nach dem Roadtrip war ich noch ein paar Tage in der Stadt. Der Bericht dazu erscheint bald auf dem Blog, also schau nochmal rein ;) Aktuell bin ich gerade in der Heimat, der Pazifische Nordwesten ist jetzt schon ziemlich genau 2 Jahre her :( Wird bald mal wieder Zeit für einen weiteren Besuch.
      VG aus Kölle, Schwerti

      Reply
  3. Nadine

    Ach du sch..ße… Die Aktion mit den Cops war ja krass.. :D Aber ansonsten wieder ein ganz toller Artikel!

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hey Nadine, besten Dank für das Lob, da freue ich mich sehr drüber! Ja die Cops vor der Tür stehen zu haben, das war schon krass, brauch ich auch nicht nochmal ;)
      VG, Schwerti

      Reply

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