Weder „San Fran“ noch „Frisco“ – 4 Tage in San Francisco

By | 22. September 2017

Kennt Ihr das ? Nach langer Planung und voller Erwartungen kommt Ihr endlich am Ziel an, und dann ist es doch nochmal VIEL besser als gedacht ?! Genau das ist San Francisco für mich. Ich habe schon hunderte Fotos der Golden Gate Bridge gesehen, ungefähr gleich viele von Alcatraz. Trotzdem ist es so unglaublich, wenn man dann plötzlich da ist und diese Orte „in the flesh“ sieht.

Aber lasst mich am Anfang beginnen…

Mein 12-stündiger Air New Zealand Flug landet ganz pünktlich am 29.03. um 12:15 Uhr in San Francisco, dabei bin ich am 29.03. um 19:24 Uhr in Auckland, Neuseeland gestartet. Verrückte Sache ! Natürlich habe ich nicht geschlafen, muss also bis heute Abend wach bleiben, um nicht vom Jetlag umgehauen zu werden. Sollte in so einer Metropole aber kein Problem sein.

Einen Platz in Lorrie´s Shuttle Bus habe ich schon vor Beginn meiner Reise gebucht, für 13 EUR. Der Fahrer wartet noch, bis 4-5 weitere Gäste im Wagen sitzen und dann geht es los. Die Außenbezirke der Stadt erscheinen mir erstmal schrecklich. Überall liegt Müll auf den Straßen. Ganze Zeltstädte haben die Obdachlosen zwischen dem Müll auf den Bürgersteigen errichtet. Abgemagerte, schmutzige, krank und/oder verwirrt aussehende Menschen stehen herum oder schreien einander über die Straße hinweg Dinge zu. Hoffentlich ist hier nicht mein Hostel ! Die Fahrt dauert und dauert. Mir tun die Leute leid, die bei Hotels ausgestiegen sind, in denen ich niemals übernachten möchte. Gleichzeitig frage ich mich, wo ich am Ende wohl landen werde. Mit dieser Armut so konfrontiert zu werden ist für mich extrem ungewohnt, komme ich doch aus einem kleinen, wohlbehüteten Kölner Vorort, wo es gefühlte 2 Obdachlose gibt und die auch nicht gezwungen sind, draußen zu schlafen. Da gehen einem ja schon Gedanken durch den Kopf. Was wird für diese Menschen vor Ort getan ? Wie kann der aktuelle Präsident im Hinblick auf die Situation allen Ernstes die „Obama-Care“ abschaffen ? Und wie gut geht es den Menschen bei uns in Deutschland bitte ?! Ja uns, die so gerne über alles meckern und nie zufrieden sind. Was so ein Blick über den Tellerrand doch alles bewirken könnte 😉

Fort Mason

Am Ende ist alles gut. Nachdem ich der letzte im Shuttle bin, habe ich eine sehr nette Unterhaltung mit dem Fahrer. Er versichert mir mehrmals, dass ich so ziemlich in einem der besten Stadtteile gelandet bin.

Fort Mason ist eine historische, ehemalige Kaserne der US Army. Schon während des Amerikanischen Bürgerkriegs 1861-1865 wurden Befestigungen und Artilleriestellungen gebaut. In einem der größeren Gebäude befindet sich das HI San Francisco Fisherman´s Wharf Hostel, wo ich die nächsten Tage bleiben werde. Dummerweise vergesse ich beim Check-In den Coupon in meiner Tasche. Wenn man sich auf der HI Hostel Homepage registriert, bekommt man einen Gutschein, bei dem die 3. Nacht gratis ist. Allerdings machen nicht alle Hostels bei der Aktion mit und ich bleibe nur in San Francisco so lange. Da hätte ich mal schön 37 USD (34 EUR) sparen können.

Gegen 16 Uhr kann ich dann meine Sachen im Dorm unterbringen und mache mich direkt auf den Weg zum Wasser. Hinter dem Hostel führt ein kleiner Weg über mehrere Treppen direkt zum Aquatic Park Pier. Von hier hat man eine großartige Sicht auf Alcatraz und die Skyline von San Francisco:

San Francisco Skyline Kalifornien USA

Vom Pier braucht man eigentlich nur dem Ufer zu folgen und kommt automatisch in den touristischsten Teil der Stadt; Jefferson Street, Fisherman´s Wharf und Pier 39. Hier reihen sich Restaurants, Souvenirläden, Fahrradverleiher, Geschäfte und Straßenkünstler aneinander. Für den Anfang sehe ich mir nur ein paar Souvenirläden an und gönne mir bei Cioppino´s eine leckere Clam Chowder (cremige Muschelfleischsuppe). Zurück im Hostel ist noch Zeit zu duschen und mit den anderen aus meinem Zimmer ein Bier zu trinken. Dafür müssen wir gar nicht irgendwo hin gehen, das Hostel hat ein eigenes kleines Cafe mit übersichtlicher, aber guter Speisekarte und auch einige Biersorten im Angebot. Zum Sonnenuntergang gehen dann alle an der Restaurantseite die Treppe runter, wo einen dieser Anblick erwartet. Die ganze Show dauert übrigens nur wenige Minuten, dann ist die Sonne verschwunden. Da muss man sich vorher gut überlegen, von wo man sein Foto machen möchte 😉

San Francisco Golden Gate Bridge Sonnenuntergang Kalifornien USA

Walking Tour

Am nächsten Morgen geht es mir richtig gut, besonders nach dem reichhaltigen Frühstück. Es gibt gratis Bagels, Müsli, Yoghurt und Obst. Wer da gut zulangt kann sich das Mittagessen sparen. Auch die Guided Walking Tour ist umsonst, allerdings kann man dem Guide nach 4-5 Stunden Führung ruhig ein paar Dollar Trinkgeld zustecken. Wir brechen gegen 10:30 Uhr auf, die Gruppe besteht nur aus Leuten aus unserem Hostel. Zuerst gibt es die obligatorische Kennenlernen-Runde und dann bekommen wir schon die ersten Zahlen verpasst, was die Geschichte von Fort Mason betrifft.

Über die Van Ness Avenue geht es durch viele kleine Seitenstraßen und Hinterhöfe, bis wir plötzlich am oberen Ende der bekannten Lombard Street stehen. Ob sie die kurvenreichste Straße der Welt ist, weiß man nicht. Sie ist aber definitiv ein Touristenmagnet. Ebenso wie einige andere Straßen in unmittelbarer Nähe, allesamt mit extremen Steigungen von bis zu 31%

San Francisco Walking Tour Lombard Street Kalifornien USA

San Francisco Walking Tour Filbert Street Kalifornien USA

Nächster Stopp ist Telegraph Hill mit dem Coit Tower von 1933. Von hier hat man auch gute Sicht auf die San Francisco Bay Bridge mit Treasure Island und Oakland im Hintergrund.

San Francisco Walking Tour Bay Bridge Kalifornien USA

San Francisco Walking Tour Coit Tower Kalifornien USA

Die Greenwich Steps führen uns wieder bergab. Man hat das Gefühl durch die Vorgärten der Anwohner zu laufen, aber es ist ein öffentlicher, sehr steiler Weg. Er führt an einigen eher eigensinnigen Gebäuden vorbei, es ist halt auch ein Künstlerviertel. Ein Blick zurück zum Coit Tower kann auch nicht schaden, finde ich jedenfalls.

San Francisco Walking Tour Coit Tower Kalifornien USA

Als nächstes gehen wir zum Levi´s Store, entweder kurze Toilettenpause oder das „Levi´s Museum“ ansehen. Dafür muss man wohl ein echter Fan sein, für mich sind da nur haufenweise Jeans ausgestellt. Durch Chinatown, wo es Glückskekse zum probieren gibt (und wo man Kekse mit seinen eigenen Sprüchen drin herstellen lassen kann) laufen wir zum Cable Car Museum. Hier gibt es wieder ordentlich viele Zahlen und Fakten zur Geschichte der bekannten Straßenbahn. Die erspare ich Euch jetzt mal, ich fand sie nämlich echt öde und habe keine Lust die Info bei Wikipedia rauszusuchen 🙂 An der Ecke Taylor und California Street steht die Grace Cathedral. Die schauen wir uns noch gemeinsam an und dann endet die Tour.

San Francisco Walking Tour China Town Kalifornien USA

Unsere Gruppe löst sich danach komplett auf, alle haben irgendwas zu tun. Bis hierhin hat die Tour etwa 4,5 Stunden gedauert und wir sind locker 6 km gelaufen. Ich mache mich alleine auf den Weg zu Fisherman´s Wharf. Dazu muss ich nur die Jones Street komplett runter zum Wasser laufen. Wieder auf der Jefferson kann ich mich ohne Probleme orientieren, hier war ich ja gestern schon. Heute will ich endlich zum Pier 39 und den ganzen anderen Touri-Attraktionen.

San Francisco Pier 39 Kalifornien USA

Am Fisherman´s Wharf gibt es einige vielversprechende Stände, wo es fangfrische Meeresfrüchte zu kaufen gibt. Beim Anblick der gegrillten Krabben läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Ich will aber unbedingt bei Bubba Gump Shrimps essen. Hätte ich mal lieber bei den Straßenständen zugeschlagen! Die Shrimps bei Bubba Gump sind zwar in Ordnung, kosten aber locker das 3-fache. Tja, so ist das halt, wenn man ein totaler Film Nerd ist und Forrest Gump schon 10 mal gesehen hat. Dann MUSS man einfach zu Bubba Gump 🙂

San Francisco Pier 39 Kalifornien USA

Pier 39 ist der Supergau. Souvenirläden, Restaurants, Fressbuden – alles auf engstem Raum. Hier werdet Ihr euer Geld los, keine Sorge ! Ich stöbere mich durch Stapel von Souvenir-T-Shirts und mein Rucksack wird langsam schwer. Also hole ich mir ein Eis und setze mich am Ende des Piers auf die Besucherbänke, um mit Dutzenden anderen Leuten den Seelöwen beim chillen zuzusehen.

San Francisco Pier 39 Kalifornien USA

San Francisco Pier 39 Kalifornien USA

Die entspannte Stimmung der Tiere überträgt sich. Total entspannt sitze ich da, genieße mein Eis, die Sonne, die Meeresluft…bis auf einmal BÄM eine fette Möwe von oben voll auf meine Hand mit dem Eis donnert, sich die Waffel schnappt und damit ins Wasser platscht, wo dann auch alle anderen Möwen darüber her fallen. Fliegende %!*=/< cher !! 4 Dollar Eis weg 🙁 Da bin ich erstmal bedient und gehe auf das Pier genau gegenüber von Pier 39. Hier befindet sich Forbes Island und im Hintergrund kann man auch Alcatraz erkennen. Eigentlich bin ich aber hier rüber gekommen, um mal aus der Sicht der Seelöwen auf Pier 39 zu schauen. Ist schon irgendwie verrückt, wieviele Menschen sich da auf den Bänken tummeln, um die Tiere beim Nichtstun zu beobachten.

San Francisco Pier 39 Kalifornien USA

San Francisco Pier 39 Kalifornien USA

Dann geht langsam die Sonne unter und ich mache mich auf den Weg zurück zum Hostel. Vorher gehe ich aber nochmal zum Aquatic Park Pier für einen tollen Blick auf Alcatraz. Beim Hostel schauen sich wieder alle die da sind zusammen den Sonnenuntergang an. Danach setze ich mich ins Cafe und blättere die Flyer durch. Für morgen habe ich noch gar nichts vor, will aber nicht schon wieder den ganzen Tag durch die Stadt laufen. Da findet sich doch bestimmt eine Tour…

San Francisco Alcatraz Kalifornien USA

Sonoma und Napa Valley

Eine Weintour ? Warum nicht ?! Ich bin zwar kein Weintrinker, aber die Tropfen aus Sonoma und dem Napa Valley sind weltberühmt und müssten daher sehr gut sein. Sollen sich die Weingut-Betreiber doch mal Mühe geben, aus mir einen Weinkenner zu machen! Im schlimmsten Fall werde ich den ganzen Tag durch herrliche Landschaften mit schönen Weingütern gefahren und bekomme eine Menge Alkohol zu probieren. Es kann wahrlich schlechtere Tage geben 🙂

Ich buche die Napa & Sonoma Wine Tour & Tasting – Best Seller. 9 Stunden Tour zum Preis von 83 USD (74 EUR) inkl. Fahrer, Guide und Alkohol klingt ziemlich gut. Pünktlich um 9 Uhr starten wir in San Francisco in einem bequemen Mercedes Sprinter. Insgesamt sind wir 7 Gäste + unser Fahrer/Guide, der sich am Anfang direkt Mühe gibt, dass wir uns schnell kennenlernen.

So vergeht die Zeit schnell, bis wir am 1. Weingut ankommen. Das Madonna Estate ist ein traditionelles Familienunternehmen seit 1922, welches organische Weine produziert. Offenbar genießt der Wein aus Deutschland, speziell der von Rhein und Mosel, großes Ansehen. Die Betreiber des Madonna Estate quetschen mich direkt nach Infos aus, als sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme. Na da sind die ja genau an den richtigen geraten 🙂 Total verdattert starren sie mich an, als ich gestehe, dass ich eigentlich keinen Wein mag. Nur um gleich darauf die Gläser zu füllen, um mich zu bekehren.

Madonna Estate Napa Valley Kalifornien USA

Nachdem alle Teilnehmer von allen Weinsorten probiert haben, geht es weiter. Sebastiani Vineyards and Winery gibt es bereits seit 1904. Der Verkaufsraum und die großen alten Holzfässer gefallen mir gut. Die vielen Namen der unterschiedlichen Weine kann ich mir allerdings nicht merken. Chardonnay, Pinot Noir, Merlot, Cabernet Sauvignon … und dann gibt’s noch Gewurztraminer, Riesling und Zinfandel. Die sollten mir angeblich bekannt vorkommen, schließlich wohne ich ja am Rhein Oo hmm, naja, ne leider nicht 🙂

Sebastiani Vineyards Sonoma Kalifornien USA

Als wir zurück zum Wagen gehen, spüre ich schon die ersten Auswirkungen. Gläserweise Vino auf leeren Magen ? Keine gute Idee ! Zum Glück habe ich eine große Flasche Wasser mitgebracht. Unser Guide hat schon genug Erfahrung und schlägt jetzt die Mittagspause vor. Fröhlich stimmen alle zu und wir fahren zum Sonoma Plaza, einem großen Platz im Zentrum von Sonoma, bei Sebastiani die Straße runter. Hier steht unter anderem die Mission San Francisco Solano von 1823, was für amerikanische Verhältnisse ja quasi antik ist 😉 Lecker Happen-Pappen gibt’s genau gegenüber bei La Casa.

Sonoma Mission San Francisco Solano Kalifornien USA

Sonoma Mission San Francisco Solano Kalifornien USA

Gut gesättigt von hausgemachter Paella und mit einem leckeren Schoko-Eis in der Hand springen wir in den Sprinter und sind bereit für das letzte Gut heute: Sutter Home im Napa Valley. Auch hier probieren wir uns durch´s Angebot. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wo ich die Flasche Portwein gekauft habe, die ich mit zurück nach Deutschland gebracht und hier verschenkt habe. Das war der einzige Wein von allen, der mir geschmeckt hat. Ich mag halt, wenn überhaupt, eher süß und lieblich. Mit dem trockenen Zeug, wo die Zunge am Gaumen von kleben bleibt kann man mich jagen. Anstatt bei Sutter die Weine alle zu probieren, streife ich lieber draußen über das weitläufige Grundstück. Vineyard Besitzer müsste man sein 🙂

Sutter Home Winery Napa Valley Kalifornien USA

Abends sind wir wieder zurück in San Francisco. Nach der langen Fahrt mit Stau auf der Golden Gate Bridge habe ich schon wieder Hunger. Zum Glück ist das Hard Rock Cafe am Pier 39 nicht weit. Die haben bisher noch nie enttäuscht und auch dieses Mal schmeckt der Burger mit Guiness Sauce sehr lecker. Aber was ist jetzt mit dem Wein ? Bin ich ein Weinfreund geworden ? Ganz klar: Nein ! Ich habe auch ehrlich gesagt nichts gelernt bzw. behalten. Was ist Chardonnay ? Ist der rot oder weiß, trocken oder süß ? Keine Ahnung. Nach dem x-ten Glas schmecken die alle gleich. Mir hat die Tour aber großen Spaß gemacht, es war mal wieder eine Erfahrung, die nicht unbedingt jeder macht, wenn er San Francisco besucht. Wenn es also tagelang regnet in der Stadt und Ihr mal raus wollt, kann ich die Tour nur empfehlen !

Radtour nach Sausalito

Am nächsten Morgen schlafe ich richtig aus und lasse mir viel Zeit. Im Cafe liegt noch genau ein Bagel und eine Banane für mich zum Frühstück. Mit einer Flasche Wasser und Sonnencreme ausgerüstet mache ich mich auf den Weg zur Jefferson Street. Keine 10 Minuten zu Fuß entfernt ist eine Verleihstation von Blazzing Saddles. Hier miete ich mir ein Rad für heute inkl. Fährticket von Sausalito zum Pier 41. Die Mitarbeiter bei Blazzing Saddles sind super nett, so wie bisher alle Leute, die ich in San Francisco kennengelernt habe. Nach einer kurzen Einweisung und der Info, dass die um 19 Uhr dicht machen (wegen Fahrradrückgabe wichtig!) geht es auch schon los.

Vorbei an Fort Mason und runter zur Marina. Hier folge ich dem San Francisco Bay Trail, bis auf der linken Seite der Palace of Fine Arts zwischen den Bäumen hervorlugt.

San Francisco Palace of Fine Arts Kalifornien USA

Dieser Tempel im griechisch-römischen Stil steht seit einer Expo im Jahre 1915 hier. Nicht dass er irgendeine Bedeutung hätte, ich finde ihn einfach nur nett anzuschauen. Optisch passt er ja nicht so richtig in eine Metropole wie San Francisco. Aber er passt ganz wunderbar zum Spirit der Menschen, die hier wohnen !

San Francisco Palace of Fine Arts Kalifornien USA

Zurück auf dem Bay Trail fahre ich gemächlich auf die Golden Gate Bridge zu. Von der Torpedo Wharf, einem echt hässlichen Kai, der ein Stück in die Bucht rein ragt, gibt es eine geniale Aussicht auf die legendäre Brücke. Von hier kann man auch Fort Point links unterhalb der Brücke sehen. Da springen die Surfer mit ihren Brettern ins Wasser, um unter der Golden Gate Bridge die Wellen zu reiten.

San Francisco Golden Gate Bridge Kalifornien USA

Könnt Ihr noch ein paar Infos vertragen ? Ich fasse mich auch kurz: Die Bauzeit dauerte von 1933-1937 und die Kosten betrugen 35 Mio. USD, was einem heutigen Betrag von über 600 Mio. USD entspricht. Die Brücke ist 227 Meter hoch und mit ihren über 2,7 km Länge eine der längsten Hängebrücken der Welt. Sie ist offiziell Teil des US Highway 101 und wird täglich von 120.000 Fahrzeugen überquert. Die Golden Gate Bridge gilt seit 1995 als eines der Architektonischen Weltwunder der Moderne, neben dem CN Tower in Toronto (den ihr in diesem Beitrag sehen könnt), dem Empire State Building, dem Eurotunnel oder dem Panamakanal.

San Francisco Golden Gate Bridge Kalifornien USA

Auch heute sind hunderte Menschen auf der Brücke unterwegs, es kommt also nicht selten vor, dass ich das Fahrrad schieben muss, weil es so voll ist. Die meisten sind aber zu Fuß da, was bedeutet, dass sie nur bis maximal zur anderen Seite gehen werden und dort in einen Bus einsteigen. Für mich geht es hinter Vista Point rechts bergab auf die Alexander Avenue, direkt rein nach Sunny Sausalito.

Unten im Ort angekommen stoße ich gleich mal auf ein kleines Problem. Die Stadtverwaltung ist nämlich ganz schön clever: Es gibt nirgendwo Fahrradständer und überall ist das abstellen von Rädern verboten, außer an ausgewiesenen Fahrrad-Parkplätzen, die sogar bewacht werden. Man hat also über die Jahre angefangen, bei den vermutlich hunderten Radfahrern täglich, ordentlich abzukassieren. Der Stellplatz für mein Rad kostet mich 4 USD (3,58 EUR). Jetzt mag man argumentieren, dass das nicht viel Geld ist. Das stimmt auch, aber es ist numal einfach nur ein Fahrradständer ! Immerhin steht es da vermutlich immer noch, wenn ich später zurück komme.

Sausalito San Francisco Kalifornien USA

Sausalito liegt wie der große Nachbar San Francisco direkt an der Bay of San Francisco und hatte im Jahr 2000 etwa 7000 Einwohner. Ein kleiner Ort, in dem das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen zu den höchsten in den USA gehört. Als wären die Häuser hier nicht eindeutig genug dafür, dass hier viele Reiche leben 😉 Es gibt auch eine sehenswerte Hausbootkolonie. Und die Promenade. Von hier hat man eine gute Sicht auf Alcatraz und dahinter die Skyline von San Francisco. Der Barkeeper im Napa Valley Burger ist der Meinung, dass es Sausalito nur gibt, weil man von hier die Aussicht auf die große Stadt hat. Ganz unrecht hat er wahrscheinlich nicht. Und ganz recht hat er definitiv, als er mir zum Barbeque Bison Burger rät – ein verdammt geiler Burger, allerdings für stolze 18 USD (16 EUR).

Nach dem verdienten Essen besorge ich mir noch ein Eis und spaziere eine Weile durch den Ort. Bis mir einfällt, dass ich ja noch mein Rad holen und zur Fähre muss. Hatte ich irgendwie vergessen. Ist aber kein Problem, weil vor mir noch ca. 50 andere Menschen mit ihren Rädern anstehen. Die letzte Fähre des Tages ist immer besonders vollgestopft, verrät mir einer von der Crew an Bord. Aber kein Problem, alle finden einen Platz und es geht los. Vorbei an Alcatraz und Richtung Pier 41. Was allerdings eine echte Herausforderung darstellt: Mein Fahrrad wieder zu finden. Es steht inmitten von 20 anderen Blazzing Saddles Rädern, die alle gleich aussehen. Kann ich einfach irgendeins nehmen, passt der Schlüssel auf alle Schlösser ? Ich habe keine Ahnung. Als ich an Bord kam und gesehen habe, was die Crew mit den Rädern macht, habe ich aber schnell noch den Sattel um 180 Grad gedreht. Das hat sonst niemand gemacht und so bin ich mir sicher, dass ich das richtige Rad bekomme. Andere Passagiere sehe ich, wie sie versuchen herauszufinden, welches ihr Fahrrad ist. Ich bin mir aber sicher, dass am Ende jeder sein eigenes zurück erhält und alles glatt läuft 🙂

San Francisco Golden Gate Bridge Kalifornien USA

Die Rückgabe bei der Station von Blazzing Saddles läuft ohne Probleme und wieder sehr freundlich. Ich bin kurz vor Feierabend da, und obwohl die eigentlich zu machen wollen, fragen sie noch, wie mein Tag war und wir unterhalten uns bestimmt noch 15 Minuten. Diese Offenheit und Neugierde gefällt mir schonmal direkt sehr gut. Großartiger Auftakt für meine Zeit an der US-Westküste !! Abends im Hostel lerne ich dann wieder neue Leute in meinem Dorm kennen, denen ich gleich mal den Sonnenuntergang zeigen kann. Ich kenn´ mich ja aus 🙂

Walking Tour Route San Francisco Kalifornien USA

Und das war meine 1. Begegnung mit „The City“. So nennen die San Franciscans nämlich Ihre Stadt. Ich hoffe, dass ich eines Tages noch einmal her kommen kann, um noch mehr von dem speziellen Vibe zu finden, der hier überall herrscht. Jetzt beginnt aber erst mal der West Coast Roadtrip…

________________________________________

Nichts mehr verpassen !

Folgt mir bei BLOGLOVIN, Facebook oder Instagram

5 thoughts on “Weder „San Fran“ noch „Frisco“ – 4 Tage in San Francisco

  1. Kathrin

    Hey, uns hat San Francisco auch super gut gefallen. Haben auch die Fahrrad-Tour über die Golden Gate Bridge gemacht. Dabei habe ich mir den Sonnenbrand meines Lebens im Gesicht geholt und musste die nächste Woche als Krebs rumlaufen. Es war eigentlich gar nicht so heiß mit dem Wind, da haben wir die Sonne total unterschätzt.
    Eisessen und dabei Seelöwen gucken waren wir natürlich auch. Und total begeistert! Die Straßenbahnen fand ich auch toll und den genialen, langen Sandstrand am Ocean Beach. Übrigens auch ein super Spot zum Sonnenuntergang gucken 🙂

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hi Kathrin, klingt ja übel mit dem Sonnenbrand. Ich kenne das leider auch. Wenn der Wind geht merkt man die Sonne kaum und am Abend hat man den Salat. Für mich gibt es nichts schlimmeres als mit Sonnenbrand in die Sonne zu gehen. Eigentlich will ich mich dann 2-3 Tage nur einschließen und die Haut schonen 🙂 In SF war ich aber schon vorgebräunt durch die 2 Monate davor, da hätte ich die Sonnencreme eigentlich nicht gebraucht. Das Wetter war aber auch wahnsinnig gut! Ocean Beach kannte ich bis gerade eben noch nicht. Danke für den Tipp ! Schaue ich mir nächstes Mal bestimmt an. Sollte für den Sonnenuntergang echt ideal sein, da ist ja ausser Pazifik nichts mehr, nur irgendwann Japan 🙂

      Reply
  2. Jeanette

    Ich dachte ja eigentlich nach dem Neuseelandfinale, dass nicht mehr viel kommt. Aber das du auch noch in Amerika warst, wusste ich gar nicht. San francisco sieht echt toll aus, vielen dank für diesen bericht! lg

    Reply
  3. Jens

    Hallo Schwerti, ich schließe mich den anderen Meinungen an, super Bericht!
    Ich plane mit meiner Frau auch gerade unseren Urlaub für 2018. Wir wollen von Seattle bis Los Angeles fahren und unterwegs viele Sachen sehen. Deine Tipps für San Francisco sind genau unser Geschmack. Ab jetzt hast Du neue Leser, die auf noch viele Infos hoffen.
    Viele Grüße,
    Jens

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Oh wow, vielen Dank Jens.
      Du kannst Dir sicher sein, dass noch viele Berichte über die Westküste kommen.
      Hoffentlich ist da was für Euch dabei.

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.