Weltreise 2016 – Die Südlichen Alpen

By | 28. Dezember 2016

Die Südlichen Alpen, oder auch die Neuseeländischen Alpen genannt, sind ein Faltengebirge wie die Alpen bei uns in Europa. Allerdings entstanden sie bereits vor über 100 Millionen Jahren und durchziehen die Südinsel Neuseelands einmal der Länge nach. Der höchste Gipfel dieser Gebirgskette (und auch von ganz Neuseeland) ist Aoraki/Mount Cook mit 3724 Metern. Nationalparks wie der Mount Aspiring National Park bei Wanaka und der Mount Cook National Park gehören ebenso zum Gebiet der Südlichen Alpen wie die bekannten Gletscher Franz-Josef und Fox. Der längste Gletscher ist der Tasman Glacier am Aoraki mit aktuell einer Länge von etwa 27 km. Diese Berge sind mein Ziel für die nächsten Tage.

The Mountains are calling, and i must go“ – John Muir

Nach einer Woche Action und Fergburger futtern in Queenstown brauche ich dringend etwas Bewegung. So lenke ich am Dienstag, den 08. März meinen Campervan Richtung Wanaka. Um halb 11 breche ich auf und mit einigen Stopps am Kawarau River erreiche ich am Nachmittag das Ufer des Lake Wanaka. Auf den Parkplätzen stehen noch viele andere Camper und Wohnmobile, also geselle ich mich einfach dazu und werde mindestens eine Nacht hier verbringen. Das Zentrum der kleinen Stadt Wanaka, am Ufer des gleichnamigen Sees gelegen, erscheint wie eine kleinere Version von Queenstown; Bars, Restaurants, Souvenirläden und Touren-Anbieter für alle denkbaren Sportarten auf und neben dem See.

Unter einen Baum am Ufer sitzend schaue ich den Stand-up Paddlern und Kayakern zu, wie sie über den See schaukeln. Als dann die Dämmerung anbricht, gehe ich zum Camper, hole meine Kamera und folge dem Seeufer Richtung Südwesten, hin zur Mount Aspiring Road. Der Weg ist nur kurz und das Ziel, der Wanaka Tree, ist gut an den Leuten mit fetter Kamera und Stativ zu erkennen, die in ehrfürchtiger Entfernung stehen, um das beste Motiv von Wanaka zu bekommen:

That Wanaka Tree

Roys Peak Track

Schon früh am morgen fahre ich die Straße Richtung Mount Aspiring National Park entlang, bis ein Schild mit der Aufschrift „Roys Peak Track Carpark“ auftaucht. Ich hätte nicht erwartet, dass der Parkplatz schon halb voll ist. Schnell die Wanderschuhe geschnürt, Rucksack geschultert und los geht’s…

Roys Peak Track Start

Im Prinzip geht es konstant bergauf, die ganze Zeit. Aber ich hab ja nichts weiter vor, so kann ich mir mein Tempo einteilen. Das Wetter heute ist mal wieder top und es gibt keinen Grund sich zu beeilen. Unterwegs komme ich immer mal wieder an anderen Wanderern vorbei, sehr viele Deutsche darunter. Ab und zu halten manche an und es ergibt sich ein kurzes Gespräch. So treffe ich eine Frau aus Frankreich, die ebenfalls alleine durch Neuseeland reist. Wir unterhalten uns eine Weile und am Ende bietet sie an, ein Foto von mir zu machen. DAS Foto auf dem Roys Peak Track, das so gut wie jeder macht 🙂

Roys Peak Track

Bis zum Gipfel sieht es nicht mehr weit aus, aber der Eindruck täuscht. Der Weg zieht und windet sich in Serpentinen. Manchmal denke ich, dass doch gleich die Spitze zu sehen sein muss; ist aber nicht so. In diesen seltenen Momenten halte ich einfach kurz an, mache eine Pause und genieße die sensationelle Aussicht auf die Südlichen Alpen. Danach geht es wieder mit neuer Energie weiter.

Roys Peak Track

3 Stunden brauche ich bis zum Gipfel. Die 360° Rundumsicht auf die Berge ist wahnsinnig schön und lässt einen die Anstrengung vorher vergessen. Absolut verständlich, warum so viele Menschen diesen Berg hoch steigen. Ich kann es auch jedem nur raten, sich dieses Panorama mit eigenen Augen anzusehen! Sogar der 3033 Meter hohe Tititea/Mount Aspiring lässt sich ganz hinten links sehen.

Roys Peak Track Mount Aspiring

Gut eine halbe Stunde verbringe ich auf dem Gipfel, bis ich mich mit einigen anderen Deutschen auf den Rückweg mache. Runter geht es schneller als rauf und so benötige ich für den gesamten Weg inkl. Pause auf der Spitze 6 Stunden. Hier habe ich einige Infos für Euch zusammen gefasst:

Roys Peak Track Info

Zurück im Camper überlege ich mir, was ich mit dem restlichen Tag noch anstelle. Es ist ja erst knapp 14 Uhr. Zu meinem nächsten Ziel ist es zu weit, aber auf etwa halbem Weg liegt Omarama. Von diesem Ort habe ich zum ersten Mal erfahren, als ich die BluRay „Wildes Neuseeland“ sah. Scheinbar ist Omarama ein idealer Ort für Segelflieger. Da hätte ich doch morgen echt Lust drauf. Kurzer Hand schmeiße ich das Navi an und fahre die 116 km über den Lindis Pass (mal wieder) entspannt in 2 Stunden. Heute übernachte ich auf dem Omarama Top 10 Holiday Park für nicht ganz günstige 36 NZD (24 EUR). Aber die Betreiber nehmen dafür Kontakt mit GlideOmarama.com für mich auf, um zu klären, ob ich morgen über den Aoraki segeln kann. Bisher sieht es ganz gut aus, eine klare Auskunft gibt es aber erst morgen. Das Wetter lässt sich nicht vorhersagen und wenn es nicht optimal ist, kann man auch nicht segeln.

Donnerstag, 10. März

Um 9 Uhr bekomme ich die Info, dass es heute nichts wird mit Segelfliegen. Habe ich mir schon gedacht. Der Himmel ist komplett bewölkt. Es heißt, vielleicht morgen oder übermorgen wieder. Leider kann ich nicht mehrere Tage hier warten, sondern muss weiter. Somit bleibt Segeln weiterhin auf der Bucketliste für Neuseeland, ein weiterer Grund nochmal her zu kommen. Für heute ist dann das Ziel klar: Aoraki /Mount Cook.

Schon als ich vom Highway 8 kurz vor dem Lake Pukaki links abbiege auf die Mount Cook Road (Hwy 80), sehe ich schon, warum heute niemand segeln wird. Über den Alpen haben sich massig Wolken angesammelt und es sieht nach Unwetter aus. Am ersten Viewpoint halte ich an und gehe runter zum Seeufer für ein paar Fotos.

Lake Pukaki

Der türkis-farbene Lake Pukaki wird vom Tasman- und vom Hooker Gletscher gespeist, durch deren Sedimente die einzigartige Farbe entsteht.

Während ich fotografiere überlege ich die ganze Zeit, ob ich weiter Richtung Mount Cook Village fahren soll oder nicht. Den Hooker Valley Track werde ich bei dem Wetter bestimmt nicht wandern können. Das war eigentlich das Ziel für heute. Ich entschließe mich trotzdem dazu, zum Village zu fahren und einfach mal zu gucken, wie das Wetter da aussieht. Je näher ich den Bergen komme, desto heftiger wird der Wind. Ab und zu kommen Böen auf, dass ich Angst habe, von der Straße gefegt zu werden. Dann kommen mir plötzlich dutzende Wohnmobile entgegen, so als ob die alle fluchtartig das Weite suchen. Sollte ich mir Sorgen machen ? Inzwischen stürmt und regnet es heftig. Vor dem Village biege ich rechts ab auf die Hooker Valley Road und folge dieser bis zur White Horse Hill Campsite. Hier startet der Hooker Valley Track. Es gibt ein Gebäude mit großem Aufenthaltsraum und einigen Kochgelegenheiten, außerdem Toiletten. Der Aufenthaltsraum ist vollgestopft mit nassen Wanderern, die alle ihre Sachen zum trocknen ausgebreitet haben. Ich unterhalte mich mit ein paar Leuten über das Wetter und sie meinen, dass es morgen komplett anders, nämlich sehr schön, werden soll. Gut, ich warte also bis morgen. Aber nicht hier in Kälte und Regen!

Am anderen Ende des Lake Pukaki, am Visitor Center und dem Mt. Cook Alpine Salmon, ist es warm und die Sonne scheint. Das Unwetter in den Bergen ist von hier nur zu erahnen 🙂

Aoraki Mount Cook Lake Pukaki

Am nächsten Morgen lasse ich mir viel Zeit. Inzwischen hab ich gelernt, dass es morgens oft bewölkt und noch kühl ist, gegen Mittag aber immer besser werden kann. Zur Checkout Zeit vom Twizel Holiday Park breche ich auf und fahre dann die selbe Strecke wie gestern nochmal. Dieses Mal aber wirklich bis ins Mount Cook Village, weil immer noch viele Wolken im Hooker Valley zu sehen sind. Im Hermitage setze ich mich in die Kantine mit Ausblick auf die Berge, besorge mir einen Pott heißen Tee und lese für 1-2 Stunden auf dem Kindle. Gegen Mittag verziehen sich die Wolken endlich und die Sonne kommt raus…

Hooker Valley Track

Dieser gut ausgebaute Wanderweg gehört zu den beliebtesten Wegen im Aoraki/Mount Cook National Park; bis zu einer halben Millionen Touristen waren letzte Saison hier. Das liegt vermutlich daran, dass der Track nur ca. 5 km (pro Strecke) lang ist und man gerade einmal 100 Höhenmeter überwinden muss. Für den Weg Hin und wieder Zurück werden etwa 4 Stunden veranschlagt. Dabei ist eine großzügige Pause am Hooker Gletschersee wohl mit eingerechnet. Am frühen Morgen oder am Abend soll man die schönsten Lichtverhältnisse haben, ich bin ja leider genau Mittags hier. Keine Sorge, der Weg ist wirklich leicht und auch bei einsetzender Dunkelheit machbar. Bringt einfach eine Stirnlampe mit und Ihr solltet keine Probleme haben.

Ausgangspunkt ist entweder das Besucherzentrum am Hermitage Hotel oder der White Horse Hill Campingplatz. Vom Hermitage ist der Weg dann allerdings ca. 4 km länger.

Hooker Valley Track White Horse Hill

Es geht meist durch flaches Gelände mit Tussockgras. 3 Hängebrücken müssen überquert werden und ganz selten steigt man über ein paar Felsen. Durch ein kleines Moor gelangt man über einen Holzbohlensteg. Der gesamte Weg ist tatsächlich eher ein Spaziergang, man braucht also nicht zwingend dicke Wanderschuhe mitnehmen. Aber auf schlechtes, kaltes Wetter und Regen sollte man vorbereitet sein, denn die Bedingungen können hier tief in den Bergen sehr schnell wechseln. Ich ziehe mir übrigens einen netten Sonnenbrand zu, weil ich das Wetter mal wieder unterschätzt und keine Sonnencreme dabei habe. Im übrigen ist der Weg sehr den Elementen ausgesetzt mitten im Tal, daher kann schonmal ein ordentlicher Wind durchpfeifen.

Hooker Valley Track

Hooker Valley Track

Die Picknick-Tische am Ende des Tracks sind der dem Aoraki am nächsten gelegene Aussichtspunkt überhaupt. Näher kommt man an den höchsten Berg Neuseelands nicht ohne weiteres ran!

Hooker Valley Track Aoraki Mount Cook

Mehr Informationen zu diesem und weiteren Wanderwegen im Aoraki/Mount Cook National Park bekommt Ihr hier.

Nach dem Hooker Valley Track habe ich noch etwas Zeit und fahre bis nach Fairlie, um morgen nicht allzu lange fahren zu müssen. Übernachte auf dem recht netten Fairlie Holiday Park.

Arthur´s Pass

Es geht durch Farm- und Weideland, immer an den östlichen Ausläufern der Alpen entlang. Ich komme sogar nochmal an der Kreuzung vorbei, die mich nach „Rohan“ bringen würde. Bald darauf biege ich links ab auf den Highway 73, auch bekannt als Arthur´s Pass. Dieser ist einer von nur drei Passstraßen, die die Alpen überqueren. Und er ist an seinem höchsten Punkt mit 930 Metern auch der höchste Pass.

Etwa 45 Minuten folge ich der Straße, bis ich das Schild sehe, auf das ich schon den ganzen Tag warte – Castle Hill Car Park.

Castle Hill

Bei der Kura Tawhiti/Castle Hill Conservation Area handelt es sich um ein weitläufiges Gebiet aus verstreut herumliegenden Kalkstein-Felsblöcken. Der Ort ist bei Kletterern sehr beliebt, da er sich aufgrund der vielen unterschiedlich großen Kalkbrocken gut zum Bouldern eignet. Außerdem ist die Niederschlagsmenge hier sehr gering. Die Wolken regnen sich meist auf der anderen Seite der Südalpen ab, somit herrscht hier oft gutes Wetter vor.

Castle Hill Kura Twahiti

Castle Hill Kura Twahiti

Castle Hill hat für die Maori auch spirituelle Bedeutung und sollte deshalb mit Respekt betreten werden. Auch der Dalai Lama soll über diesen Ort gesagt haben, er sei „ein spirituelles Zentrum des Universums“. Auf jeden Fall ist Castle Hill sehr schön anzusehen. Ich verbringe ein paar Stunden hier mit rumklettern zwischen den Felsen, Aussicht genießen und in der Sonne dösen. Die Touristenmassen sind hier übrigens noch nicht so schlimm. Ich würde nicht von Geheimtipp sprechen, aber man findet selten einen so schönen Platz mit verhältnismäßig so wenigen Besuchern.

Castle Hill Kura Twahiti

Castle Hill Kura Twahiti

Weitere Informationen findet Ihr hier und hier.

 

Generelle Ausrüstung für die Südlichen Alpen:

  • Festes Schuhwerk
  • Warme Kleidung
  • Regensachen
  • Ausreichend Wasser und Snacks
  • Sonnencreme und Mückenschutz

 

Ich folge dem Arthur´s Pass weiter Richtung Westcoast. Die Straße windet sich durch von Regenwald gesäumte Flusstäler und über Bergketten genauso wie durch weite Ebenen, bewachsen mit Tussockgras.

Arthurs Pass

Das Otira Viadukt befindet sich zwischen der Siedlung Otira und dem höchsten Punkt des Arthur´s Pass. Es wurde 1999 vollendet , ist 440 Meter lang und 35 Meter hoch. Gebaut wurde es zum einen, um die umgebende Natur zu schützen. Und weil die alte Straße durch Erdrutsche bedroht war, durch die das Befahren zu gefährlich wurde.

Otira Viaduct Arthurs Pass

Irgendwann erreiche ich die Tasmanische See. Mit der Westküste der Südinsel Neuseelands verbinde ich bisher gemischte Gefühle. Viel Regen und nervige Sandflies, aber auch wunderschöne Strände und Landschaften…

Wie es mir dieses Mal an der Westcoast auf meinem Weg nach Norden ergeht, erfahrt Ihr im nächsten Bericht. Also schaut bald wieder rein und hinterlasst mir Eure Meinungen gerne in den Kommentaren!!

4 thoughts on “Weltreise 2016 – Die Südlichen Alpen

  1. DieReiseEule

    Hach, da war ich doch gerade erst…
    Toller Bericht. Und schöne Bilder.

    Als ich die Spitze des Roys Peak erreichte, fing es mächtig an zu schneien. Am nächsten Morgen war die Kuppe weiß. Trotzdem möchte ich gerade diese Tour nicht missen. Egal wie anstrengend sie war, man wird mit sensationellen Ausblicken auf jeder Höhe belohnt.

    Es grüßt
    DieReiseEule

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Bist Du noch immer in Neuseeland ? Bin da ganz bei Dir, die Tour ist ein Knaller. Mit Schnee wäre es bestimmt auch schön gewesen als Motiv.
      Danke Dir für den netten Kommentar !

      Schwerti

      Reply
    1. Schwerti Post author

      Na das ist doch das schönste Lob, wenn ich Euch den Track schmackhaft gemacht habe. Freut mich sehr. Da werdet Ihr viel Spaß haben. Wenn ich mir Eure Reisepläne 2017 so ansehe, dann ist doch Ende des Jahres Platz für NZ, vor allem Ende Okt/Anfang Nov mit den zusätzlichen Feiertagen 😉

      Liebe Grüße aus Köln,
      Schwerti

      Reply

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