Weltreise 2016 – Northland

By | 18. Juni 2017

Der letzte Teil meines Roadtrips durch Neuseeland führt mich nach Northland, in den Norden der Nordinsel. Ich möchte unbedingt die größten Bäume Neuseelands sehen und danach die letzten Tage genießen, und zwar möglichst am Meer und in der Sonne.

Zum nördlichsten Punkt der Nordinsel, dem Cape Reinga, werde ich allerdings nicht fahren. Das gesamte Northland ist sehr hügelig und die engen, gewundenen Straßen lassen hohe Geschwindigkeiten nicht zu. Außerdem ist die Umgebung so schön, dass man immer wieder anhält, um alles aufzusaugen, was auch jedes Mal Zeit kostet. Ich beschränke mich also auf zwei Gebiete; den Waipoua Forest und die Bay of Islands. Im Hafenort Russell bin ich auch mit den Schweden verabredet, die ich in Mangaweka kennengelernt habe. Die Zeit reicht einfach nicht, um noch einen halben Tag bis zum Cape Reinga zu fahren. Aber so habe ich einen weiteren Grund, nochmal her zu kommen, denn anschauen möchte ich mir den Leuchtturm am Kap auf jeden Fall irgendwann.

Über den Highway 1 geht es nach Norden. Irgendwo übersehe ich ein Schild, das mich vor einer Maut warnt. Ich hätte die Chance gehabt, über eine Umgehungsstraße die 2,40 NZD (1,60 EUR) zu sparen und vermutlich auch schönere Landschaft zu sehen, aber ich verpeil´s irgendwie und bleibe auf dem Highway. Auf einem späteren Schild steht dann auch eine Internetadresse, auf der ich die Maut per Kreditkarte bezahlen kann. Mautstellen habe ich jedenfalls keine gesehen. Nach einer Weile biege ich vom SH1 auf den SH12, überquere bei Dargaville den Wairoa River, welcher mit seinen 150 km der längste Fluss im Norden ist, und halte zum Mittagessen kurz bei Countdown an.

Waipoua Forest

Etwa 60 km nördlich von Dargaville, was ca. 1 Stunde Fahrzeit entspricht, befindet sich die Grenze des Waipoua Forest. In diesem Wald stehen die letzten Kauri Bäume Neuseelands. Der erste Stopp ist bei den „Four Sisters“ – einer Gruppe von … naja, 4 Kauri Bäumen halt 😉 Aufgrund des schmalen Boardwalks um die Bäume herum habe ich es nicht geschafft, alle 4 auf ein Bild zu bekommen.

Four Sisters Waipoua Kauri Forest Neuseeland

Als nächstes führt der Weg zum „Vater des Waldes“ Te Matua Ngahere. Sein Stamm hat einen Umfang von über 16 Metern, was ihn zum dicksten Baum Neuseelands macht. Er war bis 2007 etwa 30 Meter hoch, doch bei einem Wintersturm wurde die Krone zerstört. Aktuell misst Te Matua Ngahere noch knapp über 10 Meter. Sein Alter wird auf 2000-3000 Jahre geschätzt !

Te Matua Ngahere Waipoua Forest Neuseeland

Mit dem Camper geht es nach diesem kurzen Spaziergang weiter den SH12 entlang, bis zu einem weiteren Parkplatz. Auch hier wird dazu aufgefordert, sich vor dem Betreten die Schuhe an den vorhandenen Bürsten zu säubern, damit nichts eingeschleppt wird, was die empfindliche Vegetation zerstören könnte.

Über einen kurzen Boardwalk erreicht man Tane Mahuta, den „Herrn des Waldes“. Er ist mit 51,5 Metern der größte noch lebende Kauri Neuseelands. Sein Umfang beträgt 13,8 Meter und er soll über 2000 Jahre alt sein.

Tane Mahuta Waipoua Forest Neuseeland

Tane ist der Sohn von Ranginui, dem Himmelsvater, und Papatuanuku, der Mutter Erde. Tane drängte sich zwischen seine Eltern, die in Liebe eng umschlungen waren, um für Licht zu sorgen. Für Raum zwischen Himmel und Erde und Luft zum atmen, damit das Leben gedeihen konnte.

Tane ist der Lebensbringer. Alle lebenden Kreaturen sind seine Kinder.“

Tane Mahuta Waipoua Forest Neuseeland

Nur ein paar Minuten zurück auf der Straße verlasse ich den Waipoua Forest schon wieder und komme in Omapere kurz ans Meer. Hier an der Westküste biegt der Highway 12 scharf ab Richtung Ostküste. Ich folge der gut ausgebauten, aber kurvigen Straße, durchquere den Norden einmal in der Breite. Es geht durch sanfte, grüne Hügel mit Blick auf Bergketten in der Ferne. Die Sonne scheint und ich sitze zufrieden und entspannt am Steuer.

Northland New Zealand Neuseeland

Irgendwann gabelt sich die Straße vor mir, was echt blöd ist. Ich müsste eigentlich genau geradeaus weiter fahren, mein Ziel ist nämlich die Fähre in Opua. Ich weiß jetzt, ein Jahr später, auch nicht mehr mit Sicherheit, ob ich die nördliche oder die südliche Route gewählt habe. Kurz vor Opua komme ich jedenfalls nochmal an einem netten Strandabschnitt vorbei und vertrete mir kurz die Beine, tanke etwas Sonne und dann geht es weiter.

Waikare Inlet Northland New Zealand Neuseeland

Keine Minute zu lang dauert dieser kurze Stopp. Als ich in Opua am Fähranleger ankomme, will gerade die letzte Fähre des Tages starten. Es ist noch genau Platz für ein Auto. Ich fahre also auf´s Boot, hinter mir geht die Klappe hoch und es geht direkt los. Das nenne ich mal Glück! Der Preis für die ca. 5-minütige Überfahrt beträgt 12,50 NZD (8 EUR) und wird an Bord einkassiert, man muss nicht mal aussteigen. Auf der anderen Seite, in Okiato, spuckt die Fähre alle Fahrzeuge wieder aus. Jetzt sind es nur noch 8 km bis Russell. Ich steuere ganz automatisch den Top 10 Holiday Park an, die haben mich bisher selten enttäuscht. Und dieser hier ist sogar mit Abstand der schönste von allen bisherigen. Was sich leider auch beim Preis bemerkbar macht: 55 NZD (36 EUR) für einen Stellplatz mit Strom, pro Nacht ! Da ich zwei Nächte bleiben werde, tut das im Geldbeutel ordentlich weh, aber dafür habe ich auch einen wunderschönen Stellplatz, einen sauberen Park mit allen Annehmlichkeiten und am Abend eine mega Aussicht auf die Bucht !

Sunset Russell Bay of Islands New Zealand Neuseeland

Bay of Islands

Russell ist ein winziger Ort mit 720 Einwohnern, gelegen auf einem Landvorsprung als Teil der Bay of Islands. Durch den Hafen bekam der Ort große Bedeutung für Händler und Walfänger zu Beginn des 19. Jahrhunderts. 1840, nach dem Unterzeichnen des Vertrages von Waitangi, war Russell sogar kurzfristig die Hauptstadt Neuseelands. Heute kommen meist Touristen her, vor allem wegen der schönen viktorianischen Hafenfront und weil am Pier viele Passagierfähren und Ausflugsboote anlegen.

Auch wir machen uns gegen Mittag auf den kurzen Weg zum Hafen. Wir haben über das Büro des Top 10 Campgrounds Plätze auf der R. Tucker Thompson gebucht. Leider nur eine Halb-Tagestour. Der Preis beträgt 50 NZD (33 EUR), was ich völlig in Ordnung finde. Wer will, kann gleich am Anfang mithelfen, die Segel zu setzen.

Russell Bay of Islands R Tucker Thompson Neuseeland

In gemütlichem Tempo geht es vorbei an felsigen Ufern, hinter denen dicht bewaldete Hügel liegen. Der Kapitän und die Crew geben Infos zu dem Segelschiff, auf dem wir gerade sitzen und auch die gesamte Gegend wird erklärt. Snacks werden rumgereicht und wer Geld dabei hat, kann sich auch an den Bier- und Weinflaschen bedienen, die gekühlt bereit liegen. Auch einiges an Seemansgarn wird gesponnen. Natürlich gibt oder gab es auch auf diesem Schiff einen Geist. Na klar 😉 Mit dem Blick auf´s Meer, die Sonne im Gesicht und ein kaltes Bier in der Hand geht es mir während der Tour so richtig gut und mir ist ganz egal, was für Geschichten gerade erzählt werden. Ich genieße einfach nur das sanfte Auf und Ab der Wellen und die Wärme an Bord.

Bay of Islands R Tucker Thompson Neuseeland New Zealand

Bay of Islands R Tucker Thompson Neuseeland New Zealand

Am späten Nachmittag kommen wir wieder in Russell an. Sehr hungrig schlendern wir eine Weile an der Promenade entlang, aber die Preise zB. im Duke of Marlborough Hotel-Restaurant oder im The Gables sind ganz schön gepfeffert. Auf der Parallelstraße dahinter finden wir dann eine super Pizzeria, die auch noch viele lokale Biersorten im Angebot hat, durch die wir uns den Abend über durchprobieren. Zurück am Campingplatz verabschieden wir uns schon voneinander; die beiden Schweden schlafen morgen aus und fahren nach Norden weiter, ich stehe früh auf und fahre nach Auckland.

Bay of Islands R Tucker Thompson Neuseeland New Zealand

Jetzt ist die Zeit in Neuseeland also wirklich schon rum. Unglaublich, wie schnell ein Monat vergeht. Aber dieses Land ist echt der Wahnsinn! Jeden Tag entdeckt man etwas neues und merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. Es gab wirklich keinen Tag, an dem ich nicht irgendwas unternommen habe. Klar, manchmal habe ich den Nachmittag im Camper gelegen und Serien geguckt oder auf einem Felsen den Sonnenuntergang beobachtet. Ist ja schließlich Urlaub, da darf man auch mal einfach nur abhängen 🙂

Bay of Islands R Tucker Thompson Neuseeland New Zealand

Die Rückgabe des Campers bei Wendekreisen am Flughafen läuft ganz problemlos. Ich drücke einem Mitarbeiter die Schlüssel in die Hand, nachdem ich alle meine Sachen in meinem Trolley verstaut habe und werde dann zum Flughafen gebracht. Ehrlich gesagt habe ich ganz schön bammel, dass mein Gepäck vielleicht zu schwer ist. Bei Souvenirs, vor allem T-Shirts, kann ich mich immer nur schwer bremsen. Aber alles geht gut, es sind sogar noch 4 kg Luft nach oben 😉

Jetzt kommt der Teil, den ich beim Reisen am wenigsten mag – das Fliegen. Mit Air New Zealand dauert es 12 Stunden nach San Francisco. 12 Stunden !! Zum Glück habe ich früh gebucht. Mein Platz am Notausgang hat riesige Beinfreiheit, das ist mir die 1043 NZD (682 EUR) auf jeden Fall wert. Schlafen kann ich natürlich wie immer nicht, aber das Entertainment Programm von Air New Zealand ist 1A, da kann ich mir einige Filme ansehen, die ich noch nicht kenne. Ein merkwürdiges Gefühl, während des Fluges jederzeit aus dem Fenster sehen zu können, und unter einem ist immer Wasser. 10487 km ist die Strecke lang, einmal quer über den Pazifik, dem größten Ozean der Welt. Interessanterweise entspricht die Länge der Strecke fast auch der tiefsten Stelle im Pazifischen Ozean, 11 km unter der Wasseroberfläche liegt dort der Meeresgrund.

 

Im nächsten Bericht erfahrt Ihr alles über meine Zeit in Kalifornien, der nächsten Etappe auf meiner 3-monatigen Reise um die Welt. Würde mich freuen, wenn Ihr dann wieder rein schaut.

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One thought on “Weltreise 2016 – Northland

  1. Christian

    Servus Schwerti, in 5 Monaten istes bei uns soweit. wir fliegen endlich nach Neuseeland. Dein Berichte haben uns schon so weiter geholfen, wir haben alle gelesen und die besten Plätze rausgesucht aus jedem Bericht. Danke dafür!
    Viele Grüße Christian

    Reply

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