Zum Crater Lake und Roadtrip mitten durch Oregon

By | 29. Dezember 2017

Auf meinem US Westcoast Roadtrip erreiche ich heute den landschaftlich wunderschönen Staat Oregon. Zusammen mit Washington und Teilen der angrenzenden Staaten bilden diese den „Pacific Northwest“…

Es gibt mehrere große Gebirgszüge – die Coast Mountains, die Cascade Mountains und die Rocky Mountains. Mount Rainier (4302m) und Mount Hood (3425m) sind mit die höchsten Berge der Cascades. Durch hohe Niederschlagsmengen und geringe Bevölkerungsdichte ist der Pazifische Nordwesten eines der meist bewaldeten Gebiete der USA. Die größten Städte sind Seattle, Portland und Vancouver im kanadischen British Columbia. Der längste Fluss ist der Columbia River mit 1953 km. Oregon hat 3,8 Mio. Einwohner, von denen 19% angeben, deutsche Vorfahren zu haben.Map Oregon Roadtrip Teil 1

Roadtrip

Bevor ich Crescent City in Kalifornien verlasse, tanke ich nochmal voll. Mein *Cadillac war gestern ziemlich durstig und die Nadel ist ganz unten angekommen. 36 USD (31 EUR) kostet die komplette Füllung. Für deutsche Verhältnisse ist das spottbillig, aber hier ächzen schon einige aufgrund dieser Preise pro Gallone. Was mir nicht klar ist, während ich so vor mich hin tanke: In Oregon darf man per Gesetz nicht selber sein Auto betanken! Das ist mir jetzt gerade noch nicht bekannt, aber ich bin ja auch noch nicht im „Beaver State“. Es wird aber später noch zu einer kuriosen Situation kommen…

Und los geht’s. Über den Hwy 199 und dann auf die 62 Richtung Prospect. Da ist das heutige Highlight schon ausgeschildert:

Crater Lake

Crater Lake Entrance Oregon USA

Im Moment ist nur der westliche Eingang zum National Park geöffnet. Nicht mal ein Park Ranger sitzt in dem Kontrollhäuschen, man kann einfach durch fahren. Dank dem „America the Beautiful“ Pass in meinem Geldbeutel, hätte ich eh keinen Eintritt zahlen müssen. Schnell ist auch klar, warum niemand am Eingang ist; der Schnee neben der Straße häuft sich höher an als mein Auto. Zu dieser Jahreszeit kommen einfach nicht so viele Leute in den Park. Aber trotzdem wird die Straße vom Schnee befreit, ich passiere zwei Mal die riesigen Räumfahrzeuge, die die Schneemassen am Straßenrand auftürmen. Wie durch einen weißen Tunnel windet sich der Weg stetig bergauf. Ich kann nichts sehen außer dem Schnee und, in den Kurven, ein paar Bäume. Beim Visitor Center halte ich an, um ein paar Informationen zu bekommen und auf der Karte zu gucken, wie weit es noch ist. Gewohnt nette Park Ranger empfangen die wenigen Gäste und stellen gerne alles an Infos bereit, was man benötigt.

Crater Lake Road Oregon USA

Der Crater Lake ist ein Kratersee des Vulkans Mazama, der einst über 3500 Meter hoch war. Bei seiner Eruption vor ca. 7000 Jahren entstand der Krater, welcher weder Zu- noch Abfluss besitzt. Das tiefblaue Wasser besteht demnach nur aus Regen- und Schmelzwasser und gilt als das sauberste in ganz Nordamerika. Der See ist mit 594 Metern der tiefste in den USA. Die Insel im Crater Lake heisst Wizard Island, keine Ahnung woher dieser Name stammt. Aber auf der Insel ist auch nochmal ein Vulkankrater drauf, ein Krater im Krater :)

Crater Lake National Park Oregon USA

Zur Mittagszeit kehre ich im Café ein, dass es selbstverständlich hier oben gibt, um für das leibliche Wohl der naturhungrigen Amerikaner und aller anderen Touristen zu sorgen. Und im Souvenirshop daneben ist das Sortiment an 3XL T-Shirts dementsprechend groß. Ich beschränke mich auf ein Sandwich, das ich halb gegessen liegen lasse. Wasser gibt es draußen sowieso gratis, muss ich also nicht kaufen. Man kann ruhigen Gewissens sagen, dass das Essen hier nicht gut ist. Hat so einen „Heiße Hexe“- Flair irgendwie, wenn Ihr das noch von früher kennt vielleicht. Ich empfehle Euch, entweder vor oder nach Eurem Besuch etwas essen zu gehen. Oder gleich Euren eigenen Proviant mitbringen und draußen am See essen.

Noch ein letztes Mal steige ich über den Schnee rauf zum Kraterrand und lasse den Blick über den See schweifen. Die Sonne blendet durch den Schnee echt heftig, aber ich kann nicht genug bekommen. Dieses tief-dunkle Blau ist der Hammer und die Farbe des makellosen Himmels ist nicht weniger genial !

Crater Lake National Park Oregon USA

Über den Hwy 97 geht es fast schnurgerade nach Norden. Die Fahrt dauert ca. 3,5 Stunden und ist auf jeden Fall auch wieder eine neue Erfahrung. Zuerst schalte ich den Tempomat auf 68 mph ein und rolle ganz entspannt über die Straße. Aber nach einer Weile wird dieses ewige nur geradeaus fahren richtig anstrengend. Fast bin ich froh, wenn mal ein winziges Kaff kommt und man die Geschwindigkeit reduzieren muss. Als dann langsam Bend näher kommt, tauchen links ein paar schneebedeckte Berge auf – Mt. Bachelor und die Three Sisters. Kurz darauf erreiche ich Bend.

Mt Bachelor Three Sisters Cascade Mountains Bend Oregon

Nun kommt es also zu der am Anfang dieses Berichts erwähnten Situation an der Tankstelle: Langsam rolle ich auf die Zapfsäule zu, springe aus dem Wagen und gehe zum Zapfhahn. Noch bevor ich den Stutzen in der Hand habe, erscheint ein Angestellter und bittet mich, ihn das für mich machen zu lassen. Ich lehne dankend ab, weil ich für so eine Art Service kein Geld ausgeben möchte. Dann erst weist er mich auf das Gesetz hin und ich muss ihm die ganze Sache überlassen.

Auf diese Art schafft der Staat scheinbar Arbeitsplätze für Menschen, die vielleicht sonst keinen Job hätten. Ob und wie sich das auf den Benzinpreis in dem Moment auswirkt, habe ich nicht ausgerechnet. Soll er halt seinen Job machen. Das ist so ähnlich wie mit den Leuten im Supermarkt an der Kasse, die für einen die Einkaufstüten packen. Als wären die an der Kasse nicht eh schon mega langsam, brauchen die Eintüter fast nochmal so lange. Und verbrauchen ganz nebenbei doppelt so viele Plastiktüten wie nötig gewesen wären. Aber für ein freundliches „How are you today?“ ist natürlich immer Zeit :)

Das ist alles Teil der Kultur hier, und ein Teil der Erfahrungen, die man auf so einer langen Tour macht. Für alles mögliche gibt es ein erstes Mal und es ist ja auch irgendwie spannend, in unerwartete Situationen zu geraten. Gerade das macht das Reisen ja aus und deswegen lieben wir es doch auch, oder nicht ? Für uns effiziente Deutsche ist das halt was komplett anderes. Das ist kein Aldi, wo man so schnell wie möglich von der Kasse weg muss, weil die nächsten schon warten :)

Als der Wagen für 25 USD wieder vollgetankt ist, fahre ich zum Motel 6, welches in Bend zu den günstigsten Unterkünften gehört. Auf der anderen Straßenseite, bei Hardy´s Burgers & Ice Cream, bekomme ich das erste richtige Essen heute. Super leckerer Burger, Pommes und hausgemachter Ice Tea für 15 USD (13 EUR), da kann man nicht meckern. Da es im Restaurant viel gemütlicher ist, als in meinem Motel Zimmer, bleibe ich einfach hier, plane den Tag morgen und gönne mir zum Schluss auch noch ein richtig gutes Eis.

Am nächsten Tag: Das Auto ist ja schon voll getankt, es kann direkt los gehen. Die Vulkankette auf der linken Seite lenkt ganz gut vom fahren ab, bis es plötzlich in einen fetten Canyon runter geht. Zuerst frage ich mich, ob ich aus Versehen in Arizona gelandet bin. Hier, östlich der Cascade Mountains, wo es viel seltener regnet, ist die Landschaft trocken und rot-verbrannt. Als ich auf der anderen Seite des Canyons wieder rauf komme, steht da einfach mal der riesige Mt. Hood direkt vor mir und es ist auch wieder alles grün und bewaldet.

Mt. Hood National Forest

Für den besten Blick auf Mt. Hood will ich zum Trillium Lake. Gebt einfach mal diese beiden Namen bei Google Bilder ein und Ihr versteht warum :) Am Parkplatz des Trillium Lake steht ein Park Ranger vor verschlossener Schranke und informiert gerade das Auto vor mir darüber, dass die Zufahrtsstraße noch gesperrt sei. Die Leute drehen um und verschwinden. Ich parke mein Auto und mache mich, mit Erlaubnis des Rangers, zu Fuß auf den Weg zum See. Er meinte das ist kein Problem, wäre nur ca. 1 Meile die Straße runter. Nach einer Stunde komme ich am Schild für den Trillium Lake an. Eine Stunde !! Der kann mir nicht erzählen, dass das 1,6 km gewesen sein sollen. Ich bin schon ziemlich schnell gegangen, vor allem weil es irgendwie spooky war, mitten auf der Straße durch diesen stillen Wald zu laufen. Jedes Mal, wenn von den Ästen der Schnee auf die Fahrbahn klatscht, bin ich zusammengezuckt wie ein verängstigtes Reh. Die ganze Zeit gingen mir Bilder durch den Kopf, von touristenfressenden Bären und Pumas. Gefolgt von Szenen aus dem Albtraum-Film meiner Kindheit „Bigfoot und die Hendersons“. Ja das ist lächerlich, aber ich hatte immer schon Angst vor Harry dem Bigfoot und das hat sich nicht geändert. Immerhin bin ich hier mitten im Pacific Northwest, das ist definitiv Bigfoot-Land !

Trillium Lake Mt Hood National Forest Oregon USA

Na jedenfalls stehe ich an dem Schild zum See und der Pfeil zeigt mitten rein in meterhohen Schnee. Natürlich versuche ich es trotzdem, schließlich bin ich ja nicht umsonst hierher gelatscht. Schon nach 2 Schritten sinke ich bis zur Hüfte ein, was ganz schön frisch ist, da ich bei dem mega Wetter heute nur eine kurze Hose trage. Der Weg zum See soll auch nochmal ½ Meile lang sein, was wohl mindestens 1 Stunde durch hüfthohen Schnee bedeutet. Ziemlich resigniert kämpfe ich mich zurück zur Straße und rechne schon damit, dass die Raubtiere im Unterholz, die sich gerade noch über mich amüsiert haben, jetzt zum Angriff übergehen, um das Abendessen klar zu machen. Ich nehme die Beine in die Hand und jogge zurück zum Auto. Bis auf einen LKW voller Baumstämme begegne ich keiner Menschenseele und bin überglücklich, als ich um die letzte Kurve komme und den Parkplatz sehe. Der Park Ranger ist längst verschwunden, dem kann ich also nicht mehr für den tollen Tipp danken ;-)

Mt. Hood

Das schöne Foto von Mt. Hood habe ich also noch nicht bekommen. Alternativ kann man sich den höchsten Berg Oregons aber auch ganz aus der Nähe ansehen. Es gibt nämlich ganz oben ein großes Skigebiet, das man über den Timberline Hwy erreichen kann. Die Straße schlängelt sich in vielen Kurven den 3425 Meter hohen Berg hinauf. Also natürlich nicht bis zur Spitze, sondern bis zum Besucherzentrum, wo sich auch die Skilifte befinden. Außerdem steht dort oben auch die Timberline Lodge, die vor allem durch dem Film „Shining“ von Stanley Kubrick bekannt ist.

Während meines Besuchs wird leider gerade an der Lodge gearbeitet, sie ist fast komplett verdeckt von Abdeckplanen oder Baugerüsten. Daher kann ich Euch keine Fotos dieses eigentlich ziemlich hübschen Gebäudes zeigen. Gleich dahinter aber endet eine der vielen Skipisten. Von hier hat man eine tolle Sicht zum Gipfel des Mt. Hood.

Mt Hood Peak Timberline Lodge Oregon USA

Das Essen im Restaurant des Skigebiets/Besucherzentrums ist, wie schon am Crater Lake, ziemlich mies. Wieder lasse ich fast die Hälfte liegen, als ich mich auf den Weg zurück ins Tal mache. Über eine schöne Landstraße fahre ich nach Norden, Richtung Columbia River. Unterwegs muss ich allerdings immer wieder anhalten, weil es so viele tolle Aussichtspunkte auf Mt. Hood gibt.

Mt Hood Oregon USA

Ab und zu sind auch richtige Viewpoints ausgeschildert. An einem davon halte ich auch nochmal an, genieße eine Weile das schöne Wetter und die tolle Aussicht, bevor ich dann dem Berg für eine Weile den Rücken zuwenden muss. Denn heute habe ich noch einiges vor…

Mt Hood Viewpoint Oregon USA

Im nächsten Teil des Roadtrips durch Oregon komme ich an den Columbia River, der mich zurück zum Pazifik führt. Auch dort gibt es wieder viel zu erleben, also schaut wieder rein. Ich unterbreche den Bericht eigentlich nur ungern. Aber wäre es nur ein einziger Oregon Artikel geworden, wäre er vermutlich locker 5000 Wörter lang, eher noch mehr ! Hoffentlich hat Euch dieser Teil gefallen und Ihr seid gespannt auf mehr – denn es wird noch einiges kommen. Oregon hat noch eine Menge Highlights zu bieten, also steigt ein und genießt den Roadtrip mit mir zusammen !!

Weltreise Oregon Roadtrip Teil 2

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US-Westküste bisher:

10 thoughts on “Zum Crater Lake und Roadtrip mitten durch Oregon

  1. Kathrin

    Wahnsinn, wie viel Schnee bei dir lag! Aber schade, dass er dir den Weg zum See versperrt hat :-(
    Geniale Fotos vom Crater Lake!

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Ja der Crater Lake ist schon klasse, nicht wahr ? ;) Ihr seid ja selbst da gewesen und habt das tolle blau gesehen. Da hat mich der Schnee noch nicht gestört. Erst später, als ich nicht zum Trillium Lake konnte. Man kann halt nicht alles haben! Trotzdem ist Oregon mega und ich komme da hoffentlich irgendwann nochmal hin. Vor allem am Meer würde ich gerne noch mehr Zeit verbringen, Newport und die Sand Dunes und Wale beobachten.

      Reply
  2. Johannes

    Hallo Schwerti,
    vielen Dank für die tollen Berichte über die Westküste. Im Herbst ich fahre auch da hin und Du hast so schöne Tipps, ich versuche möglichst viele davon auch zu sehen. Die Bilder vom Crater lake sind genial

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hi Johannes,
      Mensch, da bin ich ja direkt neidisch. Im Herbst muss Oregon ganz besonders schön sein. Wünsche Dir ganz viel Spaß. Kleiner Tipp noch, wo ich aber leider nicht war: Thor´s Well und Cape Kiwanda ;)
      VG, Schwerti

      Reply
  3. Jens

    Waaaass? Wie geil ist denn bitte Oregon? Ok, da fahren wir auf unserem Trip jetzt auf jeden fall auch durch. Vielen Dank Schwerti für die vielen Infos,hoffentlich kommt da noch mehr, bevor wir im Herbst rüber fliegen?
    Viele Grüsse,
    Jens

    Reply
  4. Pingback: U.S. Route 101: Ein Roadtrip an der Oregon Coast (USA) | TRAVEL more - BABBLE less

  5. Pingback: Kaskadenkette: Highlights & Tipps für den Besuch der Cascade Mountains › Takly on tour • Der Reise - und Camping - Blog

  6. Lisa

    Hi Schwerti! Wow, was für tolle Bilder vom Crater Lake und überhaupt von Oregons Natur :-)! In welchem Monat warst du denn dort? Wir würden auch gerne im späten Frühjahr reisen – ein paar Grad wärmer als bei dir (zumindest den Fotos nach zu urteilen) dürfte es aber gerne sein ;-) Deine Route muss ich mir mal noch genauer anschauen, da sind bestimmt noch einige gute Tipps dabei!
    Liebe Grüße, Lisa

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hey Lisa, erstmal danke für Deinen tollen Kommentar! Ich war Anfang bis Mitte April 2016 in Oregon, davor in Kalifornien und danach in Washington. Warm war es meistens auch, es lag halt nur noch überall Schnee ;) Wenn ich mir so Eure bisherigen Roadtrips ansehe, dann ist PNW auf jeden Fall genau was für euch, macht das!! Wenn Du noch Fragen hast, gerne her damit.
      VG, Schwerti

      Reply
      1. Lisa

        Super, ganz lieben Dank – auf dein Angebot mit den Fragen kommen wir gerne zurück :-)! Ich glaube auch, dass uns die Region sehr gut gefallen wird. Mal schauen, wann es soweit ist!
        Liebe Grüße, Lisa

        Reply

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