In Guatemala einen Vulkan besteigen, um einem in nächster Nähe gelegenen Vulkan beim Ausbruch zusehen zu können – das war jetzt nicht gerade ein Traum meiner Kindheit! Aber Vulkane allgemein faszinieren mich schon länger. Und bei der Vorbereitung auf die Mittelamerika Rundereise bin ich auf die Möglichkeit gestoßen, in Guatemala ganz nah an aktive Vulkane heran zu kommen. Das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen und plante die Besteigung des inaktiven Volcan de Acatenango in die Route mit ein …

Voller Vorfreude fliege ich mit meinem Kumpel Jeff von Panama City nach Guatemala City. Eine Taxifahrt später kommen wir in Antigua Guatemala an, beziehen unser Zimmer in einem Hostel und beginnen die Erkundung des kolonialen Antigua. Meinen etwas detailierteren Bericht über Guatemala findest Du hier:
Mittelamerika Rundreise – Mein Urlaub in Guatemala.

Am zweiten Morgen werden wir früh von Gilmer abgeholt. Er betreibt eine kleine Firma, die Touren auf den Vulkan Acatenango organisiert. Bei Tripadvisor findet man ihn in den Kommentaren. Der Kontakt findet nur über WhatsApp statt, was mich erst zweifeln lässt, ob die Tour auf den Vulkan überhaupt stattfindet. Aber er ist ja da, und auch die anderen Bewertungen sind ja meist positiv. Die Tour kostet 400 Quetzales (45 EUR) und beinhaltet den Transport, Essen, Guides, Unterkunft im Basislager und Eintritt in den Nationalpark.

In zwei Minibussen werden die insgesamt 14 Teilnehmer aus Antigua in ein kleines Dorf gebracht. Ich glaube, wir stehen kurz darauf im Garten von Gilmer. Hier bekommen wir unsere restliche Ausrüstung. Wer will, kann sich Rucksäcke, Daunenjacken, Handschuhe und Mützen ausleihen. In den Rucksack kommt noch etwas zu Essen für unterwegs und ein Frühstück. Das wichtigste ist Wasser, mindestens 4-5 Liter würde ich empfehlen! Für 5 Q leihe ich mir einen Wanderstab aus und werde noch froh sein, ihn dabei zu haben.

Als alle fertig ausgerüstet sind, wird die gesamte Gruppe über eine schöne, gewundene Straße durch das Hochland Guatemalas zum Startpunkt der Wanderung gefahren. Um 10 Uhr kommen wir dort an, auf einer Höhe von etwa 2400 Metern. Gilmer wünscht allen viel Spaß und verschwindet dann wieder. Unsere Gruppe ist alleine mit 4 Guides, die so gut wie kein Englisch sprechen. Zum Glück sprechen aber die meisten aus der Gruppe Spanisch und können übersetzen. Der größte Teil von uns besteht aus Deutschen, ein paar Engländer und Holländer sind dabei, sowie drei Amerikaner. Kaum jemand ist älter als 30, daher sind Jeff und ich mit Abstand die ältesten. Aber wir kommen alle gut klar und haben viel Spaß unterwegs!

Besteigung des Vulkan Acatenango

Die ersten paar hundert Meter bringen gleich mal den Kreislauf in Schwung. Es geht konstant bergauf und der Boden besteht aus Sand und loser Erde, man sinkt also richtig schön ein bei jedem Schritt. Die Vegetation ist noch schön saftig grün, die Sonne scheint ab und zu durch die grauen Wolken – alles ideale Voraussetzungen für eine unvergessliche Wanderung auf den dritthöchsten Vulkan Mittelamerikas. Schon jetzt lohnt sich der Wanderstab, denn er bietet zusätzlichen Halt auf dem lockeren Untergrund.

Vulkan Acatenango Besteigung

In vielen Berichten zur Wanderung auf den Vulkan Acatenango habe ich gelesen, dass es eine der anstrengendsten Erfahrungen aller Zeiten sei. Gut, es sind immerhin um die 1400 Höhenmeter bis zum Basislager zu bewältigen, das ist nicht ohne. Aber wenn man schon mal einen Berg bestiegen hat und gelegentlich etwas Sport treibt, kann man auch den Acatenango besteigen. Man sollte halt nicht versuchen, mit den schnellsten der Gruppe mitzuhalten, sondern sein eigenes Tempo gehen. Beim letzten in der Gruppe ist die ganze Zeit einer der Guides hinter ihm und passt auf, dass nichts passiert und er nicht den falschen Weg geht. Außerdem machen wir etwa alle 30-40 Minuten eine längere Pause. Mittags halten wir an einer Art Kiosk an, wo es auch ein einfaches Plumpsklo gibt – die einzige Möglichkeit unterwegs übrigens. Hier sollte man aber nicht zimperlich sein. Nase zu und durch!

Je höher wir kommen, desto anstrengender wird die Besteigung des Vulkans. Immer öfter wünsche ich mir ein paar Serpentinen herbei. Mein Flehen wird jedoch nie erhört, es geht einfach nur steil bergauf. Wir kommen unterwegs öfters durch ausgewaschene Hohlwege, die durch zahllose Regenfälle entstanden sind. Nicht selten müssen wir dabei Geröll überwinden, was die ganze Wanderung zu einem Abenteuer macht, das wohl niemand so schnell vergessen wird. Mit der Höhe wird auch der Sauerstoff knapper, was die Anstrengung nochmals erhöht. Aber es wird auch kühler und vor allem sehr neblig. Bei den Pausen sollte man also unbedingt etwas warmes überziehen, auch wenn man gerade tierisch schwitzt!

Vulkan Acatenango Besteigung

Basislager Acatenango

Gegen 16 Uhr erreichen wir das Basislager. Es befindet sich auf einer Höhe von ca. 3600 Metern, also 300 Meter unterhalb des Gipfels. Hier stehen Zelte bereit, die schon mit Isomatten und Schlafsäcken ausgestattet sind. Unter einer Plane wird bereits heißer Kakao für uns gekocht und wir setzen uns alle um das wärme spendende Feuer herum. Ich blicke in glückliche Gesichter, denn alle sind froh, die Besteigung des schlafenden Riesen Acatenango geschafft zu haben. Etwas abseits des Basislagers steht ein Plumpsklo mit Aussicht auf den Volcán de Fuego, wenn das Wetter denn eine Aussicht zulassen würde. Im Moment blickt man lediglich in eine graue, undurchdringliche Nebelsuppe. Da es nichts zu sehen gibt, verputzen wir, was uns die Guides zu Essen kochen und unterhalten uns eine Weile…

Bis es anfängt zu regnen. Erst nur leicht, aber schon bald wird es immer heftiger und geht in Hagel über. Jetzt werden die Guides unruhig. Sie werfen sich Mülltüten als Schutz gegen den Regen über und laufen mit Schaufeln ausgestattet in die Dunkelheit hinaus. Nach einer Weile kommt einer zurück und erklärt uns, dass sie oberhalb des Basislagers Gräben schaufeln müssen, um das Regenwasser am Lager vorbei zu leiten. Und sie haben nicht zu knapp damit angefangen, denn kurz darauf läuft ordentlich Wasser durch das Hauptzelt und an unseren kleinen Zelten dran vorbei. Wer von uns Regenjacken dabei hat, bietet sie den Guides an, was ich echt toll finde. Die haben nämlich so gut wie keine Ausrüstung mit und müssen sich, wie erwähnt, Mülltüten überziehen. Wir sind auf jeden Fall alle dankbar für ihren Einsatz und bedanken uns mehrmals, bevor wir uns in den Zelten für die Nacht hinlegen.

Allerdings ist an Schlaf kaum zu denken, wenn die Gefahr besteht, jeden Moment vom Vulkan runter gespült zu werden. Dazu donnert der unablässige Regen auf die Zeltwände, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Die meisten Zelte bleiben jedoch dicht und irgendwann übermannt mich die Müdigkeit, sodass ich doch einschlafe. In der Nacht wache ich immer wieder auf, geweckt durch ein neues Donnern. Das kommt aber nicht vom Regen, der hat aufgehört, sondern vom Vulkan Fuego gegenüber. Auch die Erde bebt immer wieder, und zwar recht heftig.
Aufgrund des Wetters haben die Guides ausgeschlossen, dass wir um 4 Uhr morgens Richtung Gipfel des Acatenango aufbrechen. Wir werden trotzdem früh geweckt, etwa um 5:30 Uhr. Ich höre die Guides draußen herum laufen, sie klopfen an alle Zelte und rufen aufgeregt immer wieder “Lava! Fuego!”

Vulkan Fuego Eruption Guatemala

Ich bin gerade aus dem Zelt raus und habe die Kamera eingeschaltet, da gibt es einen mega lauten Knall. Mit mächtig Getöse speit der Fuego eine riesen Menge Lava und Asche aus. Zufällig halte ich in dem Moment den Apparat drauf, so gelingen mir diese Fotos. Mit offenem Mund stehe ich vor dem Zelt und starre gebannt auf den gewaltigen Vulkan, an dessen Flanke langsam die rot-orange glühende Lava herunter rutscht.

Vulkan Fuego Eruption Guatemala

Gleichzeitig geht so langsam die Sonne auf. Inzwischen sind wir alle auf den Beinen und genießen das gesamte Spektakel. Der Volcán de Fuego stößt immer wieder Rauchwolken aus, allerdings keine Lava mehr. Ich habe also die heftigste Eruption mit meiner Kamera festgehalten! Der Blick löst sich jetzt auch vom Fuego und richtet sich auf den Volcán de Agua und den dahinter liegenden Pacaya. Beide wirken äußerst mystisch, wie sie so dunkel und erhaben in der Landschaft stehen und sich hinter ihnen der Himmel mit dem Sonnenaufgang verfärbt.

Sonnenaufgang Vulkan Agua Pacaya Guatemala

Als es dann richtig hell ist, kann man auch endlich den Vulkan Fuego komplett erkennen. Das ist also der Grund, weshalb wir den beschwerlichen Weg auf uns genommen haben. Und es hat sich völlig gelohnt, wenn Du mich fragst. Dieses Erlebnis – gegenüber eines ausbrechenden Vulkans zu stehen – werde ich wohl nie wieder vergessen. Ich bin so froh, dass ich die Besteigung des Acatenango in die Rundreise durch Mittelamerika eingebaut habe!! Da bereue ich es auch nicht, dass wir einige weitere Highlights in Guatemala auslassen müssen bzw. auf´s nächste Mal verschieben werden.

Vulkan Fuego Guatemala Rundreise

Abstieg vom Vulkan Acatenango

Zum Frühstück gibt es etwas Obst, Cornflakes und Milch, was wir gestern selber rauf getragen haben. Nicht gerade ideal, um uns für den anstrengenden Abstieg zu stärken, aber was will man für den Preis von 350 Quetzales für die gesamte Tour auch erwarten? Wir packen unsere Sachen zusammen, wobei ich mein allerliebstes Star Wars T-Shirt an einer Wäscheleine vergesse. Hoffentlich weiß einer der Guides dieses schöne Teil zu schätzen! Mit einem letzten Blick auf die atemberaubenden Vulkane Guatemalas machen wir uns an den 3-stündigen Abstieg vom Acatenango. Wie schon auf dem Weg bergauf befürchtet, wird es teilweise sehr rutschig. Besonders zwischen den Bäumen und in den Hohlwegen gleitet so manch einer aus. Abermals bin ich froh, den Wanderstab ausgeliehen zu haben. Bevor wir das letzte Stück durch den losen Sand angehen, machen wir noch eine Pause. Die Zeit nutzen wir, um Trinkgeld für die Guides zu sammeln. So wie deren Ausrüstung aussieht, verdienen die bestimmt nicht viel. Und wir als westliche Touristen können so zumindest unsere Dankbarkeit ausdrücken für die hervorragende Arbeit, die sie für uns geleistet haben. Wir übergeben das Geld auch sofort, bevor wir von Gilmer abgeholt werden, und er nicht mitbekommt, dass die Guides von uns etwas bekommen haben.

Fazit Acatenango Tour

Gilmer Soy gibt an, soziale Projekte vor Ort zu unterstützen. Überprüft habe ich das bisher nicht, muss ich zugeben. Die Guides werden jedenfalls (meiner Ansicht nach) nicht besonders unterstützt, sind aber eigentlich das Gesicht von Gilmer Soy. Schließlich verbringen wir mit ihnen die meiste Zeit, und mit Gilmer selbst nur ein paar Minuten. Alle waren sehr freundlich, zu scherzen aufgelegt und haben richtig geackert, damit wir eine gute Zeit haben. Die Tour auf den Vulkan Acatenango ist ein unvergessliches Abenteuer, welches ich nur empfehlen kann. Ob es aktuell möglich ist, den Vulkan zu besteigen, weiß ich nicht. Der Fuego war sehr aktiv in der letzten Zeit, da wäre mir das Risiko zu groß, seinen direkten Nachbarn zu besteigen!

Tipp
Informiere Dich bitte unbedingt vor einer Besteigung des Acatenango bei örtlichen Behörden, ob derzeit von Ausbrüchen ausgegangen wird. Sehr hilfreich ist auch die Seite Insivumeh.gob.gt, die morgens aktuelle Informationen ausgibt – allerdings nur auf Spanisch.

Vulkan Agua Sonnenaufgang Guatemala

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