Island geht auch günstig – Roadtrip für Sparfüchse

By | 21. Juni 2018

Ein Roadtrip einmal rund um Island, das steht auf der Bucket Liste von vielen Reisenden. Die Ringstraße (Hringvegur), auf der die meisten dafür unterwegs sein dürften, umrundet Island auf einer Strecke von etwa 1332 Kilometern. Entlang dieser Route gibt es die volle Breitseite an spektakulärer Natur, die so einzigartig nur auf dieser Insel im hohen Norden zu finden ist.

Das hat sich allerdings inzwischen herumgesprochen. Island erfährt seit einigen Jahren einen enormen Anstieg an Touristen! Was natürlich verständlich ist bei der Fülle an Möglichkeiten, wie man seine Zeit auf der Insel verbringen kann. Allerdings gilt Island auch als ein sehr teures Reiseland. Nicht zu unrecht, denn teilweise sind die Preise ziemlich extrem.

Trotzdem kann man das Land bereisen, auch mit kleinerem Budget. Wie das geht und welche Tipps ich Dir für´s sparen auf einem Roadtrip in Island geben kann, erfährst Du in diesem Artikel !

Entscheidend: Planung

Ein Roadtrip ist immer ein kleines Abenteuer. Man möchte spontan sein, sich überraschen lassen und einfach abwarten, was der Tag so bringt. Jedoch sollte man vorab folgende Dinge recherchieren und planen, wenn man den Urlaub genießen und sich nicht über unnötige Ausgaben ärgern will:

1. Reisezeit

Während des isländischen Sommers, also etwa von Juni bis September, ist es potentiell am wärmsten tagsüber. Ein weiterer Vorteil ist, dass es sehr lange hell ist und man dadurch mehr Zeit hat, das Land zu erkunden. Auch die beliebten Papageitaucher (Puffins) sind im Sommer recht häufig anzutreffen – besonders im Süden bei Vík und auf der Halbinsel Snæfellsnes. Allerdings besuchen während der Sommermonate auch die meisten Touristen die Insel. Das bedeutet, dass man sich die bekanntesten Orte mit sehr vielen anderen Menschen teilen muss. Hier kann ich aus persönlicher Erfahrung zu Island im September raten ! Denn als ich 2017 da war, empfand ich die Menschenmengen durchaus ertragbar und das isländische Wetter war angenehm.

Eine Alternative könnte auch der Winter sein. In den kalten Monaten sind weniger Touristen unterwegs und man hat bestimmt oft die schönsten Plätze für sich alleine. Ich sage nur „eingefrorene Wasserfälle“. Außerdem besteht eine höhere Chance darauf, die wundervollen Nordlichter zu erleben. Aber alles hat seinen Preis. Im Winter soll es oft sehr stürmisch sein und es liegen Unmengen an Schnee. Das dürfte eine Fahrt über die Ringstraße erschweren, wenn nicht gar an einigen Stellen unmöglich machen. Zumindest wird man wohl ein teureres Fahrzeug mit 4×4 mieten oder wenigstens Reifen mit Spikes aufziehen müssen. Dafür ist es dann aber auch ein richtiges Abenteuer!

2. Hin kommen

Wenn die Reisezeit fest steht, ist die nächste Überlegung, wie man am besten nach Island kommt. Da gibt es zwei sehr beliebte Möglichkeiten:

1) Mit dem Flugzeug. Ich bin mit WOW Air von Düsseldorf ohne Zwischenstopp nach Keflavik (Island´s internationaler Flughafen) geflogen. Hin- und Rückflug haben mich 278,66 EUR gekostet, inkl. 1 aufgegebener Koffer. Wenn man auf der Homepage etwas mit den Daten spielt, kann man vielleicht auch noch günstiger fliegen. Aber bedenke, dass es eine richtige Billig-Airline ist! Da kostet alles extra – Handgepäck, Koffer, Verpflegung an Bord. Auch während des Fluges Filme schauen kannst Du vergessen, denn es gibt keine Monitore. Ein wenig mehr Komfort, aber auch höhere Preise, bietet dagegen Icelandair an, unter anderem mit Direktflügen ab Frankfurt. Die Flugzeit beträgt allerdings auch hier nur 3,5 Stunden. Ich finde, die kann man im Billigflieger genauso gut aushalten. Essen, Trinken und Handy mitnehmen ist ja nicht verboten ;)

2) Mit der Fähre. Unterwegs habe ich oft Fahrzeuge mit Kennzeichen der verschiedensten Länder gesehen. Sehr beliebt scheint die Anreise mit dem eigenen Gefährt besonders bei Besitzern sogenannter Expeditionsfahrzeuge zu sein. Der Vorteil ist klar: Man muss kein Auto für teures Geld mieten und man kennt sein eigenes Fahrzeug in der Regel in- und auswendig. Bei Smyril Line kannst Du für ca. 1400 EUR auf die Fähre. 3 Übernachtungen an Bord und schon bist Du in Seyðisfjörður im Osten Islands mit dem eigenen PKW angekommen.

3. Fahrzeug mieten

Es gibt so unglaublich viele Anbieter, wo man sein Auto mieten kann. Tagelang habe ich mich während der Planung damit beschäftigt. Fahrzeuge vergleichen, Anbieter vergleichen, Preise vergleichen. Am Ende bin ich bei SAD Cars gelandet. Die bieten mit die besten Preise und, ganz wichtig, die Fahrzeuge sind nicht mehr Neu! Warum ist das wichtig ? Über kleinere Kratzer und Beulen wird auch mal hinweg gesehen. Trotzdem solltest Du alles bei der Fahrzeugübernahme dokumentieren, auch wenn der Kratzer noch so klein erscheint. Glaub mir, bei der Rückgabe wird diskutiert. Letzten Endes spielt dann ein neuer Kratzer aber keine große Rolle mehr.
Achtung! Unbedingt drauf achten, ob Du mit Deinem ausgewählten Fahrzeug auf die sogenannten F-Straßen darfst. Für die Ringstraße reicht ein normaler PKW. Aber solltest Du ins Hochland oder in die Westfjorde wollen, muss der Wagen dafür geeignet sein!!

Worauf Du bei der Anmiete achten solltest:

  • Super Collision Damage Waiver Insurance (SCDW). Unfallversicherung mit geringerer Selbstbeteiligung
  • Gravel Protection (GP). Versicherung der Windschutzscheibe, Scheinwerfer und Karosserie bei Schäden durch Schotter bzw. Steinschlag
  • Sand and Ash Protection (SAAP). Versicherung des Fahrzeugs bei Schäden durch Asche. Hätte ich in meinem Fall nicht gebraucht, aber wer weiß…
  • Theft Insurance (TI). Diebstahlversicherung
  • unbegrenzte Kilometer

Ich hatte das Insurance Bundle für 336 EUR. Die Gesamtrechnung sah dann so aus:

Mietwagen Island Preisübersicht

Gleichzeitig habe ich auch noch 2 Nächte im Bus Hostel Reykjavik gebucht. Da gab es auch nochmal einen Rabatt, wenn man von SAD Cars ein Auto mietet. Das läuft beides über das Büro im Hostel und die Autos stehen direkt vor der Türe.

mein Skoda Citigo von SAD Cars in Island

4. Übernachtungen

Bei den Unterkünften ist wieder entscheidend, wann Du in Island unterwegs bist. Im Sommer solltest Du überlegen, ob das Vorbuchen nicht sinnvoll ist. Besonders die günstigsten Unterkünfte sind normalerweise am schnellsten ausgebucht. Da im September nicht mehr viele Touristen unterwegs waren, musste ich nicht zwingend alles vorbuchen und war etwas flexibler.

Trotzdem habe ich mich von Anfang an für die günstigsten Übernachtungen entschieden, die ich finden konnte, um Geld zu sparen. Und das waren Hostels. In Reykjavik das Bus Hostel und fast überall sonst in Island die HI Hostels. Auf deren Homepage siehst Du auf der Karte, wie schön die Hostels entlang der Ringstraße verteilt sind. Mit der Karte als Anhaltspunkt und mit der HI Hostel Mitgliedskarte ausgerüstet, steht dem erlebnisreichen Roadtrip eigentlich nichts mehr im Wege.

Erwähnenswert finde ich noch, dass man in den Hostels immer selbst kochen kann und somit nicht Auswärts Geld ausgeben muss. Bei Preisen von 25 Euro für eine Pizza mit Getränk besteht also ordentlich Sparpotential. In der Nebensaison sind auch die Dorm Rooms nicht immer voll, was bedeutet, dass man mit etwas Glück den ganzen Raum für sich hat.

gemütliches HI Hostel in Seyðisfjörður

gemütliches HI Hostel in Seyðisfjörður

5. Verpflegung

Apropos Pizza für 25 Euro. Hier ist Island wirklich unfassbar teuer. Essen zu gehen kann die Reisekasse sehr schnell belasten. Eine kleine Portion Fish & Chips in Reykjavik kostet gerne mal 10 Euro. Der Burger mit Pommes im Víkurskáli Grill in Vík kostet 17 Euro. Der ist aber immerhin lecker! Trotzdem heißt die Devise generell: selber kochen.

Die Supermarktkette Bonus gilt als eine der besten und günstigsten Einkaufsmöglichkeiten in Island. Allerdings gibt es entlang der Ringstraße nur ganz wenige Filialen, daher würde ich auf jeden Fall alles Benötigte schon in Reykjavik besorgen. Ich gab im Durchschnitt beim Einkaufen im Supermarkt 3000 ISK (23,86 EUR) aus. Da ist dann eine Packung Brot dabei, Wurst, Marmelade, Philadelphia, Saft, Softdrinks, etwas Obst und Gemüse. Hier ein paar Preisbeispiele:

  • 150 g Camembert = 469 ISK (3,73 EUR)
  • ½ geschnittenes Brot = 369 – 459 ISK (2,94 – 3,65 EUR)
  • 0,5 l Cola = 398 ISK (3,17 EUR)

Da ich absolut nicht kochen kann, gebe ich mich mit sehr wenig zufrieden, wenn es sein muss. Im Fall Island war das Essen ein Posten, den man sehr gut beeinflussen konnte. Schon während der Wanderung auf dem Arctic Circle Trail habe ich die Fertiggerichte von Trek`n Eat zu schätzen gelernt. Einfach nur heißes Wasser in den Beutel kippen, paar Minuten warten – essen. Allerdings sind die Packungen mit 6,95 EUR nicht gerade günstig, schmecken aber recht gut und machen vor allem richtig satt.

Zusätzlich habe ich noch Instant Asia-Nudeln (Ramen), Teebeutel, Tütensuppen, Snickers, Kaminwurzn und Fertig-Kartoffelpüree von zu Hause mitgebracht. Ja, alles nicht so richtig gesund, ich weiß. Manches davon kann man aber wunderbar mit frischem Gemüse aus dem Supermarkt kombinieren und hat so doch eine relativ günstige Mahlzeit. Und auf einem 2-wöchigen Roadtrip wird man schon keine Mangelerscheinungen erleiden, wenn man nicht jeden Tag Gemüse isst. Daher also mein Tipp: Haltbare Lebensmittel daheim im Supermarkt kaufen und im Koffer mitbringen.

Riesen Sparfaktor !! Das Wasser in Island gilt als eines der saubersten der Welt und kann bedenkenlos aus dem Wasserhahn getrunken werden. Man braucht eigentlich für Getränke nichts zu bezahlen während der Reise, wenn man sich eine leere Flasche mitbringt ! An manchen Orten riecht das Leitungswasser merkwürdig. Das ist der Geruch von Schwefel, der meistens in den Geothermal-Gebieten vorkommt. Das Wasser ist aber trotzdem trinkbar.

6. Aktivitäten

Das Herrliche an Island ist ganz klar die umwerfende Naturschönheit. Deswegen fliegen so viele Leute dort hin. Und das Beste – Islands Natur ist vollkommen gratis! An keinem Ort, wo ich war, musste ich Eintritt bezahlen. Selbst die Parkplätze waren alle umsonst. Bis auf den am Seljalandsfoss, da stand ein Parkautomat. Meiner Meinung nach ist das eines der herausragendsten Features auf so einem Roadtrip, wenn man kein Geld ausgeben muss, um die Natur zu bestaunen!

Gut, wandern bzw. spazieren gehen kostet also schonmal nichts. Allerdings möchte man ja manche Orte vielleicht auch mal aus der Nähe sehen. Oder ein bestimmtes Erlebnis unbedingt mitnehmen. Diese Dinge kosten dann natürlich auch etwas. Ich stelle Dir jetzt die Touren vor, die ich mitgemacht habe und verrate, ob sie sich lohnen oder nicht.

Also die Gletscherlagune Jökulsárlón ist wirklich unfassbar schön. Wie die riesigen Eisberge da auf dem Wasser dahin treiben, im Hintergrund die Berge und Gletscher. Das sind schon echt unvergessliche Aussichten. Ich hatte erwartet, bei dieser Tour mit dem Amphibienfahrzeug ganz nah an die Brocken ran zu kommen. Leider müssen die Fahrzeuge einen Sicherheitsabstand einhalten, weil die Eisberge auch unerwartet einfach umkippen können. Und zum Gletscher selbst, also da wo die Eisbrocken abbrechen, fahren die Boote gar nicht erst. Ich würde Euch eher zu der Zodiac Tour raten. Die ist teurer, aber die Boote sind viel schneller und man sieht insgesamt viel mehr. Es gibt auch einen Anbieter für Kayak Touren. Ich glaube, das würde ich beim nächsten Mal wohl machen. Die sind nämlich direkt vom Ufer aus in gerader Linie auf den Gletscher am anderen Ende der Lagune zu gepaddelt. Großartig!

Wenn sich die Möglichkeit zu einer Whale Watching Tour ergibt, ergreife ich diese in der Regel auch. Das Wetter am Tag vorher war absolut mies gewesen, deshalb kamen am Tag der Tour mehr Leute als scheinbar geplant. Wir mussten auf ein größeres Boot wechseln und damit hatte sich das „Carbon Neutral“ Thema erledigt, weil der Motor benötigt wurde. Trotzdem vergingen die Stunden auf dem Meer wie im Flug. Wetterbedingt gab es auch ordentlich Seegang, was einige Passagiere nicht gut verkraftet haben ;) Dafür haben wir aber auch immer wieder Buckelwale und Delfine gesehen. Eine tolle Tour mit einem super Guide oben im Ausguck, der viel erklärt hat. Ich kann den Anbieter nur empfehlen!

Wenn man erstmal die Basis von Viking Rafting gefunden hat, beginnt der Spaß. Im Sprinter und mit dem Schlauchboot auf dem Anhänger geht es über einen holprigen Pfad zum Ausgangspunkt der Tour. Nach der Einweisung am Ufer geht es dann endlich auf´s eiskalte Wasser und man ist froh, wenn man kräftig paddeln kann, um warm zu werden. Die Tour ist mit 6 Stunden angegeben – ich würde tippen, dass man davon etwa 3 Stunden tatsächlich auf dem Wasser ist. Vollkommen in Ordnung, wie ich finde. Es ist anstrengend und kalt und es ist Grade 4+ Whitewater Rafting, verdammt!! Ein mega Spaß, vor allem mit den Guides Steve und Ryan! Ich würd´s auf jeden Fall immer wieder machen. Ein absolutes MUSS, wenn man in Island ist. Dabei mag ich es eigentlich überhaupt nicht, Dir zu sagen „Du MUSST dies und das machen“. Aber glaub mir, diese Mischung aus Action und Fun willst Du nicht verpassen !

Viking Rafting Whitewater Action September 12th-06758

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Nützliche Links und Erfahrungsberichte

Das waren die 3 Touren, für die ich während meines Island Roadtrips Geld ausgegeben habe. Wie jetzt schon oft genug erwähnt, geht es eigentlich um die Natur. Es gibt einfach so viele Island Sehenswürdigkeiten! Zu meinen Favoriten gehören auf jeden Fall die Hotpots. Das sind naturnahe, angelegte Schwimmbecken, meist durch heiße Quellen beheizt. Und natürlich die Nordlichter. Im September Nordlichter gesehen zu haben war etwas ganz besonderes. Man muss auch gar nicht immer an die finstersten Orte fahren! Oft konnte ich die Polarlichter einfach aus dem Fenster heraus beobachten.

Als kleine Hilfe dienen diese Seiten hier ganz wunderbar:

Über die Planung eines Island Roadtrips haben sich schon viele Menschen sehr viele Gedanken gemacht. Die Übersichtlichsten, mit den besten Informationen, habe ich Dir mal rausgesucht:

  • Andreas hat die Superduper Monster Spartipps ;) auf Reisewut
  • Tini beschreibt detailliert ihren Roadtrip und hat viele Tipps auf Choices of Life
  • Kathrin & Kristin zeigen Dir ihre Roadtrip Highlights auf Travelinspired

Etappen meines Island Roadtrips:

1) Reykjavik
2) Golden Circle bis Skógafoss
3) Der Wilde Süden
4) Gletscher und Fjorde der Ostküste
5) Sehenswürdigkeiten im Norden
6) Highlights der Westküste

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2 thoughts on “Island geht auch günstig – Roadtrip für Sparfüchse

  1. Tanja

    Hallo Schwerti,

    vielen Dank für die tollen Tipps. Island steht schon lange auf unserer Reisewunschliste, aber tatsächlich schreckt uns gerade der Touristenboom ab. September klingt da ja wirklich gut. Kälte würde uns nichts ausmachen. Und Nordlichter zu sehen ist natürlich auch ein Traum, das würde dann ja gerade passen. Also rückt es wohl doch wieder etwas höher auf der Liste ;)

    Viele Grüße,
    Tanja

    Reply
    1. Schwerti Post author

      Hi Tanja. Schön, dass Dir der Artikel gefällt. Und danke für den netten Kommentar!
      Das mit den vielen Touris ist schon krass, ja. Also entweder 10 Jahre warten und hoffen, dass dann nicht alles ruiniert ist, oder in der Nebensaison auf etwas Glück vertrauen ;) Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Dir da gut gefallen wird. Viel Spaß schonmal bei der Planung ;-)
      LG, Schwerti

      Reply

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