Island Roadtrip – Über den Golden Circle zum Skógafoss

By | 10. August 2018

Mit dem gerade in Reykjavik übernommenen Mietwagen starten wir den Island Roadtrip auf direktem Weg zum Golden Circle, den man auch „Island im Kleinformat“ nennen könnte. Besonders beliebt ist diese Route bei Touristen, die einen Tagesausflug aus der Hauptstadt machen. Auf dieser eindrucksvollen Strecke liegen ganz besondere Orte wie der Þingvellir Nationalpark, das Geothermalgebiet Haukadalur und der Wasserfall Gullfoss.

In diesem Bericht nehme ich Dich mit auf die ersten beiden Roadtrip Tage durch Island. Ich zeige Dir einen Teil der Golden Circle Route und ein paar der spektakulärsten Wasserfälle, die ich zumindest je gesehen habe…

Der Golden Circle

Hinter Reykjavik fahren wir auf die 36 (Þingvallavegur) und folgen einfach den Schildern Richtung Þingvellir Nationalpark. Es ist komplett meine Schuld, dass wir am eigentlichen Þingvellir  einfach dran vorbei fahren. Der Ort, der dem Nationalpark seinen Namen gibt, und wir verpassen ihn! Sven trifft dabei als Fahrer keine Schuld, weil ich die Karte und den Plan habe. Aus irgendeinem Grund scheine ich den Ort, an dem bereits um das Jahr 930 ein Parlament (Althing) abgehalten wurde, für nicht sehenswert zu halten.

Auch die Silfra Spalte befindet sich hier ganz in der Nähe. Sie markiert die kilometerlange Verwerfung, die durch das Auseinanderdriften der Kontinentalplatten von Nordamerika und Europa entstand. In den letzten 10.000 Jahren hat sich die Schlucht um 70 Meter verbreitert. Die Spalte ist mit eiskaltem, kristallklaren Gletscherwasser gefüllt. Für Taucher und Schnorchler eine ganz besondere Stelle!

Für uns heißt der erste Stopp allerdings Öxarárfoss. Wir wollen unbedingt einen Wasserfall sehen und da kommt uns dieses 20 Meter hohe Exemplar doch gerade recht. Im Vergleich zu all den unglaublichen Wasserfällen, die auf diesem Roadtrip durch Island noch kommen werden, ist der Öxarárfoss vielleicht nicht der Kracher. Aber es ist unser erster Wasserfall in Island und deswegen schon etwas Besonderes.

Öxarárfoss Þingvellir Nationalpark Island

Vom Parkplatz ist es nur ein kurzer Weg durch eine kleine Schlucht. Nach ein paar Minuten ist man schon am Wasserfall. Wir setzen uns direkt mal auf die Kante der Holzplattform für die Besucher und genießen das Rauschen des Wassers. Es ist auch interessant zu beobachten, wie wenig Zeit die Leute hier im Durchschnitt verbringen. Gefühlt kommen sie hier an, machen 1-2 Fotos und 8-10 Selfies, bei Paaren gibt’s noch ein Küsschen und dann verschwinden die meisten auch schon wieder. Mit setzen und richtig einwirken lassen hält sich kaum jemand auf. Das ist doch eigentlich schade, oder ?

Öxarárfoss Þingvellir Nationalpark Island

Öxarárfoss Þingvellir Nationalpark Island

Nachdem wir die durchschnittliche Verweildauer ordentlich nach oben korrigiert haben, fahren wir auch weiter. Ich war noch nie in den schottischen Highlands, aber in Dokus und auf Fotos sehen sie der Landschaft, durch die wir hier cruisen, ziemlich ähnlich. Sanfte, grün-braune Hügel, Heidekraut, Wolken, endlose Weite. Wir sind so fasziniert von der Gegend, dass wir am wunderschönen Bruarfoss vorbei fahren. Ob der ausgeschildert ist, kann ich nichtmal sagen. Wir verpassen ihn jedenfalls. Richtig tolle Aufnahmen davon hat Lisa gemacht, die nur etwa einen Monat vor uns hier war. Schaut doch mal bei Imprintmytravel rein!

Geysir Strokkur Haukadalur Island

Unser nächster Halt ist im Geothermalgebiet Haukadalur. Auf dem riesigen Parkplatz finden wir zwischen etlichen Reisebussen und Wohnmobilen zum Glück noch ein freies Plätzchen. Nur über die Straße, und schon sind wir umgeben von zischenden und blubbernden Schlammlöchern. Die Hauptattraktion ist der Geysir Strokkur, der alle paar Minuten ausbricht. Um dieses Schauspiel aufzunehmen, versammeln sich alle Besucher im Halbkreis (und mit gebührendem Abstand) um den Geysir. Wenn die Wasseroberfläche so richtig in Bewegung gerät, ist es höchste Zeit, die Kamera bereit zu haben.

Geysir Strokkur Haukadalur Island

Mit einer gewaltigen Fontäne bricht das Wasser explosionsartig hervor. Einmal, ich stehe gerade auf der anderen Seite mit meiner Kamera, wechselt kurz vor der Fontäne die Windrichtung! Weg laufen bringt nichts mehr, also drehe ich dem Geysir noch schnell den Rücken zu. So werden zumindest nur mein Rucksack und die Hose klitschnass. Kamera gerettet ;)

Geysir Strokkur Haukadalur Island

Geysir Strokkur Haukadalur Island

Gleich nebenan befindet sich der Große Geysir. Seit dem 13. Jahrhundert ist er gelegentlich aktiv, nur heute anscheinend nicht. Das interessante ist allerdings, dass er quasi der Namensgeber aller Geysire weltweit ist, seitdem der Begriff im 17. Jahrhundert geprägt wurde.

Geysir Strokkur Haukadalur Island Der große Geysir – Vater aller Geysire

Der große Geysir – Vater aller Geysire

Geysir Strokkur Haukadalur Island Mineralhaltige Quelle inkl. Tunnel zum Erdkern

Mineralhaltige Quelle inkl. Tunnel zum Erdkern

Der „Goldene Wasserfall“ ist unsere nächste Anlaufstelle. Nur 10 Minuten dauert die Fahrt, auf der wir in der Ferne zum ersten Mal Gletscher erkennen können. Beim Wasserfall angekommen, wird sofort klar, warum der Gullfoss der Namensgeber des Golden Circle (Gullni hringgurinn) geworden ist. Ein beeindruckendes Naturspektakel bietet sich hier den Besuchern! Über 2 große Stufen fallen hier unfassbare Wassermengen 11 Meter und nochmal 21 Meter hinab in eine 2,5 km lange, 70 Meter tiefe Schlucht.

Gullfoss Wasserfall Golden Circle Island Gullfoss – Der Goldene Wasserfall

Gullfoss – Der Goldene Wasserfall

Ach, es ist so schade, dass das Wetter so schlecht ist. Bei Sonnenschein und ohne diesen kalten Wind würden wir uns hier stundenlang hinsetzen und einfach nur staunen. Aber immerhin eine Stunde verbringen wir hier, die ganze Zeit auf der Suche nach neuen Winkeln für bessere Bilder. Leider halten sich meine Ergebnisse sehr in Grenzen:

Gullfoss Wasserfall Golden Circle Island

Das einzige Selfie der gesamten Island Tour entsteht etwas weiter weg vom Gullfoss. Wie man wunderbar sieht, mache ich nie Fotos von mir selbst. Ich brauche sogar beide Hände, um das Handy gerade zu halten und gleichzeitig den Auslöser zu drücken ;)

Gullfoss Wasserfall Golden Circle Island Selfie

Ganz besonders spannend finde ich ja, dass man als Besucher richtig nah an den Wasserfall heran kommt. Auf dem Felsplateau, das in die Stromschnellen hinein ragt, kann man einfach herum laufen. Nur am äußersten Rand ist ein dünnes Absperrseil angebracht. Zum Glück halten sich auch alle Besucher an diese Absperrung. Ein Sturz in diese Fluten wäre wohl die letzte Dummheit gewesen…

Gullfoss Wasserfall Golden Circle Island

Das waren unsere 3 Stopps auf der Golden Circle Route. Und deswegen kann man die Strecke meiner Meinung nach auch „Island im Kleinformat“ nennen. Weil in diesem kleinen Gebiet viele der Dinge zu sehen sind, die Island ausmachen: Blubbernde Geothermalgebiete, Wasserfälle, Geysire, Schafe und in der Ferne sogar Gletscher.

– Einen ausführlichen Eindruck und vor allem noch weitere schöne Orte am Golden Circle, die wir gar nicht auf dem Schirm hatten, gibt es im Beitrag von Travelinspired zu sehen!

Unterkunft am Golden Circle

In meinem Beitrag „Island geht auch günstig“ gebe ich Dir Tipps, wie man während eines Island Roadtrips sparen kann. Im Fall des Golden Circle möchte ich daher jetzt folgende Unterkunft empfehlen: Selfoss HI Hostel

Wir kommen hier am späten Nachmittag an und bekommen ohne Probleme 2 Betten für die Nacht. Das Hostel ist super – modern ausgestattet, gemütlich eingerichtet und alles ist sauber!! Die Badezimmer und die geniale Küche sind blitz-blank und es gibt auch keine Etagenbetten, wie sonst üblich in Hostels. Dazu kommt noch der Whirlpool draußen im Garten. Rückblickend ist das Selfoss Hostel die beste Unterkunft unserer gesamten Tour.

Adresse: Austurvegur 28, 800 Selfoss // Preis Person/Nacht: 40 EUR (Stand 2017)

Anmerkung: Der Ort heißt zwar Selfoss, aber der gleichnamige Wasserfall befindet sich nicht hier, sondern im Norden Islands !

Wasserfall Paradies

Am nächsten Morgen ist der Himmel immer noch bedeckt, als wir zur nächsten Etappe aufbrechen. Wir möchten als erstes einen der weniger besuchten Wasserfälle Islands sehen. Dafür fahren wir etwa 80 km Richtung Inland und dann nochmal 6 km auf einer Schotterpiste. Wo die 80 km noch echt entspannt waren mit großartigen Aussichten während der Fahrt, sind die 6 km danach das krasse Gegenteil. Die Schlaglöcher und Hubbel in dieser Piste sind vermutlich der Grund, warum nicht ganz so viele Besucher her kommen. Unser kleiner Skoda Citigo steckt die paar Schläge zum Glück äußerlich unversehrt weg ;)

Es ist ungefähr 11 Uhr, als wir den kleinen Parkplatz erreichen. Ein paar Autos stehen schon hier, viele Leute sind aber nicht zu sehen. Was eine angenehme Abwechslung zu den Touristenmengen von gestern ist. Der Wasserfall ist im übrigen auch nicht direkt zu sehen. Man sieht nur einen Flusslauf über eine Klippe nach unten stürzen, mehr nicht. Und nach Südwesten, die Richtung in die das Wasser abfließt, öffnet sich ein unglaubliches, wunderschönes Tal.

Háifoss Wasserfall in Island

wunderschönes Tal am Háfoss Wasserfall Island

Der erste Blick runter in die Schlucht ist atemberaubend. Es gibt manche Orte auf der Welt, die hauen einen vom ersten Moment an aus den Socken – der Háifoss in Island gehört auf jeden Fall dazu!

Háifoss Wasserfall in Island

Mit 122 Metern ist der Háifoss Islands dritthöchster Wasserfall. Dadurch, dass er so abgelegen ist, kann man auch in aller Ruhe an der gegenüberliegenden Seite sitzen und die Aussicht genießen.

Háifoss Wasserfall in Island Háifoss – Islands dritthöchster Wasserfall

Háifoss – Islands dritthöchster Wasserfall

Während der 2-3 Stunden, die wir hier verbringen, ergeben sich immer wieder neue Blickwinkel und wir schießen Unmengen an Fotos. Bei der Auswahl der Bilder für diesen Beitrag kann ich mich auch nur schwer entscheiden. Ich hoffe einfach, dass es nicht zu viele geworden sind?

Schwerti am Háifoss Wasserfall in Island

Schwerti am Háifoss

Háifoss Wasserfall in Island

Schweren Herzens reißen wir uns los und rumpeln über die Buckelpiste zurück zur Straße. Eine Stunde später biegen wir auf die 1 ab, Islands Hauptstraße, die Ringstraße. Oder auf isländisch: Hringvegur. Ihr folgen wir eine Weile, bis auf einem Schild der Seljalandsfoss ausgeschildert ist. Natürlich halten wir hier, um uns diesen Wasserfall anzusehen. Am Parkplatz steht ein Parkautomat und verlangt 700 ISK (5,64 EUR) Gebühr. Es ist auf unserem gesamten Island Roadtrip der einzige gebührenpflichtige Parkplatz, also nicht weiter tragisch.

Seljalandsfoss Wasserfall in Island

Und wie Du siehst, lohnt es sich absolut. Das spannende am Seljalandsfoss ist nämlich nicht die Höhe oder die Wassermenge. Es ist die Tatsache, dass man hinter dem Wasserfall vorbei gehen kann, was ich mal total mega finde! Wie oft hat man schon so eine Möglichkeit ? Außerdem wird man auch gar nicht so nass dabei, wie man denken könnte. Tipp: Komm möglichst zum Sonnenuntergang, wenn es irgendwie geht!

hinter Seljalandsfoss Wasserfall in Island

Der letzte Wasserfall für heute befindet sich nur 30 km die Ringstraße runter Richtung Süden. Es handelt sich um einen der bekanntesten Wasserfälle Islands – der Skógafoss. Mit 25 Meter Breite und 60 Meter Höhe ist er schon recht beeindruckend und auch das Wasser donnert hier ganz gut. Außerdem ist der Wasserfall vom Parkplatz nur eine Minute entfernt. Dementsprechend voll ist es hier auch.

Regenbogen Skogafoss Wasserfall Island

Hier wollte ich unbedingt ein Foto mit mir drauf zum Größenvergleich machen. Gar nicht so einfach, bei all den Leuten alleine auf´s Bild zu kommen. Dafür muss man nämlich ziemlich nah ran gehen, näher als die meisten anderen sich trauen ;) Ich war zwar komplett nass danach, aber dafür finde ich das Foto ganz gut gelungen und die Dimensionen kommen super rüber.

Schwerti am Skogafoss in Island

Wer sich hier am Skógafoss noch etwas länger aufhalten oder bewegen möchte → rechts vom Wasserfall geht ein Wanderpfad hinauf. An der Abbruchkante ist eine Plattform, von der man auf das herabstürzende Wasser schauen kann. Der Pfad wird hier zu einem von Islands bekanntesten Trekkingwegen, dem Laugavegur.

Wir sehen schon von unten, dass etliche Besucher diesem Weg folgen. Also denken wir uns, dass es da bestimmt etwas unglaublich tolles zu sehen geben muss. Vielleicht einen riesigen Gletscher, einen echten Troll oder Einhörner ?? Es kann ja wohl kaum nur die relativ eintönige, grün-braune Hügellandschaft sein! Der Sache gehen wir jetzt auf den Grund.

oberhalb Skogafoss Laugavegur Island

Tatsächlich ist die Landschaft unmittelbar oberhalb des Skógafoss noch sehr schön. Die Schlucht, durch die sich wild sprudelnd das Gletscherwasser schlängelt, ist richtig toll! Ab und zu gibt es auch kleinere Wasserfälle und Stromschnellen. Bald allerdings wird es landschaftlich eher öde und uns kommen lachende, mit dem Kopf schüttelnde Menschen entgegen. Warum das? In der Ferne sehen wir einen kleinen Hügel, auf dem etwa 10 Leute stehen. Während wir dem Hügel näher kommen, drehen die alle um und kommen uns entgegen. KEINER von denen sagt uns, was Sache ist, also gehen wir weiter … Bist Du bereit ? Hier ist die unglaubliche Aussicht, für die wir uns hier rauf gearbeitet haben:

oberhalb Skogafoss Laugavegur Island

BÄMM ! Hammer, oder ? :)

Zum Glück gibt es kein Foto von unseren Gesichtern in diesem Augenblick. Von all den Dingen, die wir bisher schon zusammen erlebt haben, dürfte das hier die größte Enttäuschung aller Zeiten sein! Und damit nicht genug. Wie Ihr seht, ziehen da ordentlich dunkle Regenwolken auf, die in unsere Richtung kommen. Da bleibt uns nichts anderes übrig, als schnell ein Beweisfoto zu schießen und dann die Beine in die Hände zu nehmen.

Auf dem Rückweg halten wir es wie alle anderen, die uns vorhin entgegen kamen: Wir schütteln lachend den Kopf und warnen nur diejenigen vor einer Enttäuschung, die uns ansprechen. Manche drehen tatsächlich sofort wieder um, was natürlich bei dem Wetter verständlich ist. Andere wollen es natürlich selber sehen.

Du bekommst jetzt exklusiv von mir den ultimativen Island Insider Mega Tipp: Der Weg am Skogafoss vorbei nach oben ist völlig für die Tonne!

Wir werden vom Regen noch erwischt und müssen uns klitschnass im Auto trockene Sachen anziehen, bevor wir weiter fahren. Unsere Herberge für die nächsten 2 Nächte ist bereits vorab reserviert und befindet sich 34 km weiter südlich.

Unterkunft im Süden Islands

Im kleinen Küstenort Vík í Mýrdal befindet sich etwas oberhalb der Ringstraße das Vík HI Hostel . Küche und Badezimmer sind modern, das Esszimmer ist ausreichend groß. Die Zimmer unten sind allerdings nicht besonders einladend. Typische Hochbetten im etwas muffigen, weißen 6er Dorm.

Adresse: Suðurvegur 5, 870 Vík // Preis Person/Nacht: 34 EUR (Stand 2017)

Nachdem die Betten bezogen sind, fahren wir zum Kjarval Supermarkt ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Nebenan an der N1 Tankstelle voll tanken kostet 3000 ISK (24 EUR). Zum Abschluss des Tages, und weil ich absolut keine Lust auf kochen habe, gehen wir im Víkurskáli Imbiss essen. Es gibt sehr sehr leckere Burger mit Pommes und Softdrink für 2145 ISK (17 EUR) pro Person. Lass Dich nicht vom Äußeren des Ladens oder von Google Bewertungen abschrecken!

Víkurskáli Burger Island

 

Den wilden Süden Islands entdecken wir zusammen im nächsten Bericht, ok?

 

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