Island Roadtrip – Highlights der Westküste

By | 29. Oktober 2018

Der Island Roadtrip führt uns entlang der Westküste an einigen touristischen Sehenswürdigkeiten vorbei, aber wir finden auch wenig besuchte Orte wie beispielsweise den Kolugljúfur Canyon. Die beeindruckende Natur Islands bleibt dabei die ganze Zeit über abwechslungsreich und bietet genug Platz für das ein oder andere Abenteuer. In diesem Artikel zeige ich Dir meine Highlights auf der Halbinsel Snæfellsnes und entlang der Ringstraße, Islands 1332 km langer Hauptstraße.

Insidertipp Kolugljúfur Canyon ?

Letzte Nacht haben wir noch lange Polarlichter über der Halbinsel Vatnsnes im Norden Islands beobachtet und sind dadurch heute erst ziemlich spät gestartet. Da aber nicht viel ansteht, können wir uns Zeit lassen. So fahren wir ein kleines Stück auf der Ringstraße zurück, bis die Landstraße 715 abzweigt, der wir bis zu einer kleinen Brücke über einen reißenden Fluss folgen. Wir sind am Kolugljúfur Canyon angekommen und außer uns ist niemand hier. Könnte dies etwa ein Insidertipp im ansonsten komplett touristischen Island sein?

Island Roadtrip Kolugljúfur Canyon

Was für ein wunderschöner Wasserfall, oder? Ich bin total happy, so ein Highlight schon so früh am Tag zu finden. Dass wir hier auch noch ganz alleine sind und das Wetter eigentlich auch passt, rundet die ganze Sache ab. Ungestört können wir auf den Felsen herum klettern, Fotos schießen und in der Ferne sogar über dem Canyon einen Regenbogen bestaunen. Die besten Fotos entstehen meiner Meinung nach von der Brücke aus, die über den Fluss führt.

Island Roadtrip Kolugljúfur Canyon

Island Roadtrip Kolugljúfur Canyon

Roadtrip

Als nach etwa einer Stunde dann doch ein paar Menschen auftauchen, machen wir uns auf den Weg zurück Richtung Ringstraße. Unser Ziel heute ist das ca. 200 km entfernte Grundarfjörður. Wir fahren aber nicht die lange Strecke über die Ringstraße, sondern biegen vor der N1 Tankstelle Staðarskáli rechts ab auf die Straße 68 und dann auf die Schotterstraße 59. Und das ist echt ´ne üble Piste, die unseren kleinen Citigo ordentlich durchrüttelt. Wir sind froh, nach einer gefühlten Stunde wieder eine richtige Straße zu erreichen, auf der man nicht dauernd Schlaglöchern ausweichen muss.

Roadtrip Map West Island

Halbinsel Snæfellsnes

Am Nachmittag erreichen wir Grundarfjörður und kehren als allererstes im Laki Hafnarkaffi ein, um etwas zu essen. Seit dem Frühstück gab es nichts mehr. Wir haben also mächtig Kohldampf, als sich jeder eine Pizza und eine Cola bestellt. 25 EUR kostet dieses “Menü” pro Person. Fünfundzwanzig Euro!! Und was bekommt man dafür? Eine einzige, große Enttäuschung, die der Hunger zwar rein treibt, die aber einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Ich zitiere hier mal meine Google Rezension:

“Hatte die Seafood Pizza. Es lagen ein paar aufgetaute Krabben darauf, das war’s. Der Rest der Pizza schmeckt nach diesen Pizzen zum selber machen von Lidl und co. Dazu viel zu teuer. Kann leider nicht zu einem Besuch raten.”

Das ist bisher meine einzige Google Bewertung. Ich musste einfach etwas dazu schreiben, der Laden ist absolut schrecklich. Oder vielleicht liegt es auch am Personal, wenn man sich so die gemischten anderen Bewertungen ansieht. Für mich ist ganz klar – nie wieder.

Unterkunft im Westen Islands

Das HI Hostel Grundarfjörður ist sehr klein, besonders der Aufenthaltsraum im Souterrain, mit nur einer Couch und zwei Sesseln. Zum Leute kennenlernen nicht gerade der richtige Ort. Die Küche ist schon etwas größer und hat auch einen großen Esstisch vorzuweisen. Daran sitzen jedoch nur zwei grummelige Frauen, die an Konversation kein Interesse haben.

Der Rest des Hostels ist sehr sauber und ordentlich. Es gibt ein Mehrbettzimmer und Privatzimmer für 1-4 Personen, welche natürlich wieder viel teurer sind. Da nichts los ist im Hostel, bekommen wir ein 2 Personen Zimmer, obwohl wir im Dorm-Room gebucht haben. Das ist natürlich sehr erfreulich, allerdings ist das Zimmer auch nichts besonderes. Dusche und WC müssen sich sowieso alle Besucher des Hauses teilen. Außerdem könnte die Küche etwas besser mit Gerätschaften ausgestattet sein.

Adresse: Hlíðarvegur 15, 350 Grundarfjörður // Preis Person/Nacht: 50 EUR (Stand 2017)

Instagram Hotspot Kirkjufell

Kommen wir also jetzt zum Instagram Hotspot Kirkjufell. Der Berg Kirkjufell fällt schon aus der Ferne dadurch auf, dass er eine Keilform hat und spitz zuläuft. Für mich ist er natürlich interessant, weil er in der Serie „Game of Thrones“ den Hintergrund in einer der wichtigsten Szenen der Serie einnimmt. Man kann diesen markantesten Berg auf der Halbinsel Snæfellsnes sogar besteigen; es führt ein schmaler Pfad hinauf. Du solltest aber unbedingt schwindelfrei und trittsicher sein! Erst vor kurzem ist ein Tourist hier zu Tode gestürzt. Im weiteren Verlauf ist man anscheinend auf installierte Seile angewiesen. Für mich ist das nichts, ich bewundere Kirkjufell lieber vom Boden aus.

Island Roadtrip Kirkjufell

Wie Du siehst, ist heute das Wetter ziemlich gut. Das bedeutet auch, dass der Parkplatz voll ist. Zum Glück passt unser kleiner Citigo in die kleinsten Parklücken. Nur Minuten später erscheint ein großer Reisebus, der den kompletten Parkplatz blockiert und zeitgleich Dutzende Touristen ausspuckt. Wir stehen zu dem Zeitpunkt schon auf der anderen Seite des kleinen Wasserfalls Kirkjufellsfoss. Das blöde daran ist, dass uns jetzt die ganze Zeit Menschen durch´s Bild laufen, die auch unsere Aussicht wollen.

Island Roadtrip Kirkjufell

Hier muss man einfach Geduld haben und sollte sich auf keinen Fall aufregen. Alle wollen dieses Foto haben, das ist ihr gutes Recht. Wenn sich die Leute nur wenigstens beeilen würden! Sie sehen ja, wie wir alle mit unseren Kameras hier stehen und in ihre Richtung fotografieren. Ich habe das Gefühl, manch einer lässt sich extra viel Zeit, um uns zu ärgern. Irgendwann gelingt mir dann mit dem Handy ein Foto vom Kirkjufell mit dem Kirkjufellsfoss im Vordergrund. Genau so habe ich diesen Ort schon oft während der Recherche für diesen Island Roadtrip gesehen. Und natürlich, als ich noch auf Instagram war und dieses Bild – bis zum geht nicht mehr bearbeitet – in meiner Timeline andauernd auftauchte.

Island Roadtrip Kirkjufell

Während ich nach ein paar Schnappschüssen bereits zufrieden bin, gesellt sich Sven zu all den anderen Fotografen mit ihren riesigen Kameras und richtet seine eigene auf die Szenerie. Ich weiß inzwischen schon, dass das dauern kann. Dafür sind die Ergebnisse ja auch immer viel besser als meine Amateurbilder. Anstatt zu warten, erkunde ich ein bisschen die Gegend und spiele mit meiner Canon M10 herum. Dabei kommt genau ein einziges Bild heraus, das mir ganz gut gefällt:

Island Roadtrip Kirkjufellsfoss

Einen schönen Bericht über die Halbinsel Snæfellsnes und den Kirkjufellsfoss hat Andreas geschrieben. Du findest ihn auf seinem Blog Reisewut.com

Weitere Highlights der Halbinsel Snæfellsnes

Der nächste Tag beginnt mal wieder mit typischem Island Wetter: Wolkenverhangen mit der Option auf Regen. Zudem steht heute nichts auf dem Plan, außer nach Borgarnes zu fahren. Das heißt für uns, es wird bestimmt ein spannender Roadtrip-Tag auf der Halbinsel Snæfellsnes, ganz im Westen Islands.

Das erste Mal halten wir schon nach kurzer Fahrt. Über einen Schotterweg hinter Ólafsvík gelangen wir zum Parkplatz des Wasserfalls Svöðufoss. Außer uns ist niemand hier, dabei ist es schon 11 Uhr durch und relativ gutes Wetter. Naja ok, zumindest regnet es nicht ;) Da wir ja den ganzen Tag noch Zeit haben, versuchen wir eine Weile lang, näher an den Wasserfall heran zu kommen. Ohne Erfolg, der Fluss ist zu breit und wir finden keine Stelle, wo man ihn trocken überqueren könnte. So muss dann halt ein Foto aus der Ferne reichen. Auf jeden Fall ist dieser Wasserfall scheinbar einer der unbekannteren auf Snæfellsnes. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist er meiner Meinung nach unbedingt einen Besuch wert.

Island Roadtrip Svöðufoss

Etwas später – wir sind wieder auf der Straße, die um die Halbinsel herum führt – erscheint auf der rechten Seite ein Berg, der wie ein kleiner Vulkan aussieht. Davor stehen etliche Autos, da muss es also was zu sehen geben. Da müssen wir unbedingt hin! Bestimmt kann man ins Innere des Vulkans schauen und kochende Magma bewundern…

Island Roadtrip Saxhóll Krater

Die angerostete Metalltreppe, die sich außen um den Vulkan windet, lässt uns vermuten, dass es sich auf jeden Fall lohnen wird, dort rauf zu stiefeln. Warum sollte man sonst eine Treppe für Besucher bauen? Wir erklimmen den 109 Meter hohen Saxhóll Krater, der vor etwa 3000-4000 Jahren ausbrach und staunen nicht schlecht!! Es gibt einfach mal nichts zu sehen. Der Vulkan ist von innen mit Geröll gefüllt und fast komplett mit Gras und Moos bewachsen. Vielleicht, wenn das Wetter klar wäre, könnte man in der Ferne den Gletscher der Halbinsel Snæfellsnes erkennen. Aktuell ist es aber leider eine Enttäuschung. Wir steigen wieder runter und fahren weiter.

Island Roadtrip Saxhóll Krater

Tipp
Biege ab und zu mal in die kleinen Wege ein, die von der „Hauptstraße“ abzweigen. Oft führen die zu ganz hübschen Aussichtspunkten.

Im nächsten Fall handelt es sich um einen Strand namens Djúpalónssandur, auf dem viele Bruchstücke eines abgestürzten Flugzeugs herum liegen. Für Fotografen ist das scheinbar interessant, so von wegen Kontrast und Komposition und so. Juckt mich nicht. Dafür finde ich die brüchigen Klippen, die den Strand unterteilen, viiiieeeel spannender. An der dem Meer zugewandten Seite kann man ganz wunderbar die verschieden-farbigen Gesteinsschichten erkennen. Ich bin absolut kein Experte, finde es aber faszinierend zu sehen, dass Island aus endlos vielen Schichten besteht.

Island Roadtrip Djúpalónssandur Strand

Island Roadtrip Djúpalónssandur Strand

15 Minuten später biegen wir schon wieder ab, dieses Mal nach Hellnar. Hier soll man ganz gut Papageitaucher beobachten können. Zu blöd, dass die sich schon vor ein paar Wochen verdrückt haben. Diese Info scheint sich aber noch nicht herumgesprochen zu haben. Die Parkplätze sind alle voll, Busladungen von Menschen werden hier abgesetzt. Der kleine Ort ist vollkommen kommerzialisiert und komplett auf Touris ausgelegt. Wir ignorieren das Schauspiel gekonnt und marschieren zielstrebig ans Ufer, wo sich dieser tolle Anblick bietet:

Island Roadtrip Hellnar

Island Roadtrip Hellnar

Sieht das nicht klasse aus? Schichten!

Da wir immer noch Zeit ohne Ende haben, laufen wir ein Stückchen in Richtung Arnarstapi. Die beiden winzigen Örtchen verbindet ein schmaler Trampelpfad entlang der Klippen, über dem Meer. Wenn man nicht auf dem angelegten Weg bleibt, sondern etwas höher zwischen den Felsen herumschnüffelt, entgeht man auch all den Touristen. Und hat zusätzlich noch die schöneren Aussichten. Mich erinnern die Felsspitzen, die da aus dem Gestrüpp ragen, mal wieder sehr an Norwegen oder Grönland. So stelle ich mir auch Schottland vor, es wird echt Zeit, da mal hin zu fahren.

Island Roadtrip Hellnar Arnarstapi

Zusammenfassung der Highlights auf Snæfellsnes

  • Svöðufoss
  • Saxhóll Krater (?)
  • Djúpalónssandur
  • Hellnar
  • Vatnshellir Cave
  • Londrangar

Du hast noch nicht genug von Islands Westen und Snæfellsnes? Dann empfehle ich Dir den folgenden Artikel von Anke → Moose around the world.

Unterkunft Nr. 2 im Westen Islands

Abends erreichen wir nach langer, ereignisloser Fahrt das Örtchen Borgarnes und checken im HI Hostel Borgarnes ein. Alles macht einen sauberen, neuen Eindruck und die Mitarbeiter sind freundlich und hilfsbereit. Die Zimmer sind ebenfalls recht groß und auf dem Flur sind genug Badezimmer und Duschen vorhanden.

Neben der großen, gut sortierten Küche gibt es Sitzplätze für reichlich Leute. Auch eine kleine Ecke mit Fernseher und gemütlichen Couches befindet sich im Erdgeschoss. Besonders nett finde ich, dass stets frisches Wasser in großen Glaskaraffen bereit steht. In der einen schwimmen Gurkenstücke, in der anderen Zitronen. Sehr lecker und erfrischend!

Adresse: Borgarbraut 9-13, 310 Borgarnes // Preis Person/Nacht: 40 EUR (Stand 2017)

Der lange Abschied

Der letzte Tag bricht an. Heute Abend müssen wir in Keflavik unseren kleinen Citigo zurück geben, und morgen in aller Frühe bringt uns ein Shuttle zum Flughafen. Aber heute haben wir noch den ganzen Tag und wir wollen alles rausholen was geht. Am Ende des letzten Artikels habe ich Dir ja schon versprochen, dass es nochmal ein richtiges Abenteuer geben wird…

Zuerst fahren wir etwa eine Stunde durch eine eher unspektakuläre, landwirtschaftliche Gegend, bis mal wieder ein Parkplatz voller Autos dazu einlädt, sich ein wenig die Beine zu vertreten. Die vielen Besucher sind nämlich meistens (nicht immer, wie wir gelernt haben) ein guter Hinweis, dass es etwas zu sehen gibt.

In diesem Fall haben wir Glück, denn es gibt direkt zwei Wasserfälle in einem kleinen, vulkanischen Gebiet zu sehen. Der Barnafoss hat sich mit viel Getöse einen Weg durch das Lavagestein gegraben und dabei sogar eine kleine natürliche Brücke geschaffen. Das Gelände ist allerdings extrem abgesperrt und es gibt keinen Weg dorthin. So kann man nur von gegenüber zusehen, wie das Wasser der Hvítá durch die schmale Schlucht rauscht.

Island Roadtrip Barnafoss

Nur wenige Meter weiter gibt es einen bekannteren, ebenfalls sehr schönen Wasserfall zu sehen: Hraunfossar. Über 100 kleine Wasserfälle sprudeln auf einer Länge von ca. 700 Metern ebenalls in den Fluss Hvítá.

Island Roadtrip Hraunfossar

Dabei ist es vor allem interessant, sich zu fragen, wo denn das ganze Wasser her kommt! Man sieht nämlich keinen Wasserlauf oberhalb der kleinen Wasserfälle, es scheint einfach aus dem Vulkangestein zu fließen. Das liegt daran, dass das Wasser vom Gletscher Langjökull kommt und unterirdisch auf einer Basaltschicht fließt, bis es hier an den Wasserfällen Barnafoss und Hraunfossar wieder an die Oberfläche gelangt. Etwas genauer beschrieben steht es bei Wikipedia.

Island Roadtrip Hraunfossar

Unten am Flussufer ergeben sich dann auch nochmal andere, sehr schöne Perspektiven auf den Hraunfossar. Insgesamt gefällt mir die Gegend hier sehr gut. Obwohl es vielleicht nicht der beeindruckendste Wasserfall in Island ist, zusammen mit den schönen Herbstfarben im Hintergrund ist der Hraunfossar absolut einen Besuch wert! Mir wird auch schlagartig wieder bewusst, dass ich diese großartige Landschaft heute zum letzten Mal sehe. Sehr wehmütig und in Gedanken versunken steigen wir zurück zum Auto und setzen unsere Abschiedsfahrt fort.

Island Roadtrip Hraunfossar

Abenteuer gefällig ?

Eigentlich wollen wir als letztes großes Highlight in Island noch den höchsten, sichtbaren Wasserfall des Landes besuchen. Eigentlich. Denn durch einen dummen Fehler geraten wir unversehens in ein handfestes Abenteuer…

Island Roadtrip Glymur Wasserfall Abenteuer

Es beginnt an diesem Schild. Ziemlich eindeutig geht es geradeaus zum Glymur, oder? Glymur ist der mit 196 Metern ehemals höchste Wasserfall Islands. Hinter uns befindet sich das Eingangstor und eine Infotafel. Auf dieser Infotafel steht etwas wie „Am Glymur-Schild dem rechten Weg folgen.“ Ok, dass dieses Schild direkt am Start des etwa 3 km langen Wanderwegs stehen wird, damit hatten wir nicht gerechnet.

Tipp
Gehe hier den LINKEN Weg. Es kommt später noch ein Glymur-Schild, und da kannst Du dann Rechts vorbei gehen !!

Wie auch immer, wir gehen hier schon rechts. Nach einer Weile begegnen wir einer Gruppe, die hier gerade Hochzeitsfotos schießt. Ein Isländer warnt uns noch, nicht weiter zu gehen, weil dort die Feen leben. Haha, ja ok, danke, ciao. Kopfschüttelnd und lächelnd gehen wir weiter, bis der Weg plötzlich an einem Fluss endet. Hier führen nur Reifenspuren ins Wasser. Allerdings sehen wir flussaufwärts eine kleine Fußgängerbrücke. Na gut, schlagen wir uns halt durch´s Gebüsch, überqueren den Fluss und wandern durch ein Waldgebiet. Das kannst Du auf dem Foto oben übrigens ganz gut erkennen, oben rechts.

Nach einer Weile sind Sven und ich uns ziemlich sicher, dass wir immer weiter vom Ziel weg gehen. Eine Stunde sind wir schon unterwegs, haben niemanden getroffen und können in der Ferne Menschen auf einem Bergkamm ausmachen. Wir sind hier voll falsch! Aber wir laufen auch nicht den ganzen Weg zurück. Stattdessen gehen wir querfeldein, bis wir wieder an den Fluss gelangen. Es gibt genau eine Stelle, an der wir trockenen Fußes auf die andere Seite gelangen können. Sven ist schon drüben, da ringe ich mich gerade durch, ihm zu folgen. Mit einem gewaltigen Sprung, mehrere Meter des reißenden Flusses überbrückend, fliege ich – einem jungen Reh gleich – dem anderen Ufer entgegen. Sowas hat die Welt noch nicht gesehen! Und ich rutsche vom Felsen ab, auf dem Sven steht, und klatsche mit einem Fuß voll ins Wasser :-)

Möglicherweise sah die Szene von außen betrachtet auch etwas anders aus, aber es gibt nur einen Menschen, der es tatsächlich gesehen hat. Jedenfalls ist ein Schuh, Socken und Fuß klitschnass. Wir marschieren weiter in die Richtung, in der wir den Wasserfall vermuten. Zumindest so lange, bis wir an eine Schlucht gelangen. Hier fällt der Vulkanboden steil ab und ein paar Meter weiter wieder an. Diese Risse im Boden sind vermutlich einst durch abfließendes Wasser entstanden. Für uns sind sie unüberwindbar, zu tief, zu weit. Bergauf laufen diese Risse aber schmaler zu und sind noch weiter oben ganz verschwunden. Also kraxeln wir bergauf, ist doch logisch, oder?

Island Roadtrip Glymur Abenteuer

Nachdem etwa 2-3 Stunden vergangen sind, seit wir das Auto verlassen haben, halten wir an, um nochmal die Situation zu überdenken. Derweil trockne ich so gut es geht meine nassen Sachen. Wir müssen noch höher steigen, um die nächsten Schluchten überwinden zu können. Das Wetter ist unvorhersehbar. Was machen wir, wenn einem oder beiden etwas passiert? Wir müssen auch noch das Auto zurück geben und die Fahrt dahin dauert locker 2 Stunden.

Es gibt nur eine Option: Weiter! Wir überwinden kletternd ein paar kleinere Schluchten und Risse und sehen tief unter uns immer wieder Menschen auf dem eigentlichen Pfad zum Glymur Wasserfall. Hier mal eine grobe Übersichtskarte. Rot ist unser Weg. Blau ist ungefähr der angelegte Touristenweg. Du kannst auch gut die Risse und Schluchten in dem Gebiet erkennen, durch das wir uns durchkämpfen.

Island Roadtrip Glymur Abenteuer Übersichtskarte

Kurz vor der Abbruchkante des Glymur Wasserfalls erreichen wir unter den erstaunten Blicken anderer Wanderer den eigentlichen Weg. Wo wir her kommen, fragen sie uns. „Von da oben“ antworten wir, völlig erschöpft den Berg hinauf deutend. Als ich so neben der Kante des Glymur stehe, in den Canyon tief unten blicke und den Weg sehe, den wir hierher zurück gelegt haben, muss ich grinsen und gleichzeitig den Kopf schütteln.

Island Roadtrip Glymur Wasserfall

Zurück gehen wir auf dem Weg, der für Wanderer eigentlich gedacht ist. Man kann das ganze auch als Rundweg gehen: Wenn man oberhalb des Wasserfalls den Fluss durchwatet, geht auf der anderen Seite der Weg weiter, zurück zum Parkplatz. Aber wir bleiben auf dieser Seite, denn wir wollen natürlich den höchsten Wasserfall Islands noch ausgiebig bestaunen. Es gibt einige nicht gesicherte Aussichtspunkte mit toller Sicht. Aufgrund meiner Höhenangst kann ich aber nicht so weit raus gehen wie manch anderer und muss daher mit diesem Foto vom Glymur zufrieden sein:

Island Roadtrip Glymur Wasserfall

Der Rückweg zum Parkplatz ist dann für uns recht entspannt. Für den „normalen“ Tourist könnte aber auch dieser Pfad schon abenteuerlich sein. Es gibt einige steile, vom Wasser schlüpfrige Stellen, wo man sich an angebrachten Ketten festhalten sollte. Und unten im Tal muss man den Fluss auf einem Baumstamm überqueren, der auch nicht den sichersten Eindruck hinterlässt. Aber da können wir aktuell nur müde drüber lächeln :) Wir kommen auch an der Stelle vorbei, wo der Weg sich teilt. Hier könnte man sich also entscheiden, diesem Weg zu folgen, oder aufzusteigen auf den Rundweg und dann oben am Wasserfall den Fluss zu durchwaten.

Während ich mir am Auto trockene Sachen anziehe, sind wir uns jedoch einig, dass wir im Endeffekt die abenteuerlichste Route zu Islands ehemals höchstem Wasserfall gewählt haben. Eigentlich sind wir sogar Pioniere, weil da bestimmt noch kein Touri lang gelaufen ist!

Ein letzter Stopp

Obwohl dieses unerwartete Abenteuer locker 5 Stunden – statt der angegebenen 3 Stunden – gedauert hat, haben wir immer noch Zeit, bevor wir unseren Mietwagen abgeben müssen. Deshalb fahren wir nicht auf geradem Weg zur Abgabestation am Flughafen, sondern machen einen kleinen Schlenker.

In meinem Artikel zu Reykjavik habe ich ganz unten in den Tipps zur Halbinsel Reykjanes das Geothermalgebiet Krýsuvík erwähnt. Und zwar, weil wir dieses an unserem letzten Tag noch besuchen. Also jetzt gerade. Im Prinzip ist es ähnlich wie das Haukadalur am Golden Circle und das Hverir Geothermalgebiet am Mývatn.

Island Roadtrip Seltun Krysuvik

Auch hier zischt und brodelt es überall. Den Geruch von Schwefel finde ich allerdings noch etwas stärker als in den anderen Gebieten. In manchen Ecken wurden in ca. 1 km Tiefe Temperaturen von über 200 Grad Celsius gemessen! Was nicht verwunderlich sein dürfte, liegt dieser 300 km² große Park doch mitten in der vulkanischen Zone, die sich über die gesamte Länge der Reykjanes Halbinsel zieht.

Island Roadtrip Seltun Krysuvik

Das war unser letzter Stopp auf unserem 2-wöchigen Island Roadtrip entlang der Ringstraße. Ich bin total froh, dass wir diesen letzten Tag mit so einem spannenden Erlebnis in Erinnerung behalten können. Andernfalls wäre es mehr das Bedauern, wieder nach Hause fliegen zu müssen. Island ist ein beeindruckend schönes Land und ich kann vollkommen nachvollziehen, weshalb es so viele Touristen jedes Jahr anzieht. Nach dieser Tour bin ich mir sicher, dass ich irgendwann zurück kommen werde. Das Hochland im Zentrum der Insel und die Westfjorde haben wir gar nicht gesehen, ebenso wie einige wunderschöne Orte, von denen ich erst im Nachhinein erfahren habe.
Bis bald, Land aus Feuer und Eis !

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